Gut, aber nicht gut genug
15.05.2026 Muri, FinanzenWeit weg von Euphorie
Spital Muri: 2,1 Millionen Franken Gewinn
Die Zahlen sind gut. Im Vergleich zu anderen Spitälern sowieso. «Aber nicht gut genug», sagt Daniel Strub, CEO des Spitals Muri. Am Politanlass, wo Politikerinnen und Politiker ...
Weit weg von Euphorie
Spital Muri: 2,1 Millionen Franken Gewinn
Die Zahlen sind gut. Im Vergleich zu anderen Spitälern sowieso. «Aber nicht gut genug», sagt Daniel Strub, CEO des Spitals Muri. Am Politanlass, wo Politikerinnen und Politiker aus den Bezirken Muri und Bremgarten eingeladen waren, gewährte er tiefe Einblicke in die Finanzierung des Spitals. «Wir brauchen jährlich einen Gewinn von acht Millionen Franken», hält er dabei unumwunden fest. Weil Investitionen anstehen. Zirka 2040 wird ein Neubau nötig sein. «In den letzten Jahren konnten wir kaum etwas dafür beiseitelegen.» Die Wirtschaftlichkeit ist entsprechend wichtig. Und sorgte auch dafür, dass unpopuläre Entscheide gefällt wurden. --ake
Spital-CEO Daniel Strub informiert Vertreter aus der Politik zum Jahres- und Finanzbericht
Die Schliessung der Geburtenabteilung hat das Jahr 2025 am Spital Muri geprägt. CEO Daniel Strub ging erneut auf die Beweggründe ein, die zu diesem Entscheid geführt hatten. Und er betonte, dass das Spital für einen Neubau 2040 jährlich einen Gewinn von acht Millionen Franken schreiben müsste.
Annemarie Keusch
Die Emotionen sind mittlerweile verhallt. Das Thema ist quasi Geschichte. Und doch nimmt es Daniel Strub, CEO des Spitals Muri, nochmals auf. Bewusst auch vor den politischen Vertreterinnen und Vertretern des Freiamts. «Es war unglaublich, was wir im Februar, nach der Verkündung des Entscheids, erleben durften, konnten und mussten.» Die Nachricht, die Geburtenabteilung des Spitals Muri zu schliessen, schlug hohe Wellen und prägte das gesamte Jahr. «Immer wieder hörten wir den Wunsch, diesen Entscheid nochmals zu überdenken», erzählt Strub. «Aber wir fällten ihn nicht zufällig bei einer Tasse Kaffee. Da steckten eineinhalb intensive Jahre an Arbeit dahinter.» Abwägen, Zusammenhänge aufdecken, Szenarien verfeinern. «Wenn das seriös gemacht ist, kommt man auch nach erneutem Überdenken zum selben Resultat.»
Die Wirtschaftlichkeit steht dabei im Zentrum. «Die Forderung der Politik, dass Spitäler wirtschaftlich sind.» Und die Tatsache, dass Tarife maximal die Kosten der effizienten und transparenten Leistungen decken. «Wenn wir dann mutig sind und die Abteilung schliessen, die nicht wirtschaftlich ist, ist es auch nicht gut.»
Grossteil des Eigenkapitals steckt in Infrastruktur
Dabei legte Strub den Fokus noch einmal auf die Kennzahlen von 2024: 1,7 Millionen Franken Gewinn, eine operative Gewinnmarge (EBITDA-Marge) von 7,3 Prozent, 70,4 Millionen Franken Eigenkapital. «Ist das gut?», stellte Strub die rhetorische Frage. «Im Branchenvergleich ja, aber es ist nicht gut genug, langfristig.» Und Strub wehrt sich auch dagegen, dass ein kleiner jährlicher Verlust doch bei dieser Masse an Eigenkapital kein Problem sei. «Wer eine Kunstsammlung von 100 Millionen Franken Wert hat, kann sich trotzdem keine Pizza leisten.» Das Eigenkapital seien vor allem Sachanlagen – 65,5 Millionen Franken alleine die Infrastruktur. «Klar, wir könnten diese zu Geld machen, aber dann ist die medizinische Leistung nicht mehr zu erbringen.»
Acht Millionen Franken brauche das Spital jährlich an Gewinn. Um bevorstehende Investitionen tätigen zu können. «Sonst ist Schluss mit Spital, wenn die Infrastruktur heruntergewirtschaftet ist.» Laut Planung ist um das Jahr 2040 ein Ersatzneubau notwendig im Bereich der Bettenstation. «Aktuell heisst es ambulant vor stationär. Haben wir die stationären Leistungsaufträge dann noch? Solche Fragen müssen wir uns stellen und sie haben auch viel mit Vertrauen zu tun – in die Politik und in den Kanton Aargau, der die Aufträge vergibt.»
Leicht höherer Gewinn als 2024
Den Hebel ansetzen, um mehr Gewinn zu erwirtschaften und die EBITDA-Marge auf die benötigten zehn Prozent zu erhöhen. Keine einfache Sache. «Bei den Löhnen? In Zeiten des Fachkräftemangels sicher nicht», sagt Daniel Strub. Bleibt die Strategie. Welche Patientinnen und Patienten behandeln? «Da geht es nicht um Ethik. Darum, ob wir mit Kranken Geld verdienen. Es geht um das Überleben des Spitals.» Dass Privat- oder Zusatzversicherte mehr Marge bringen, sei Tatsache.
Eine orthopädische Klinik aufbauen, die Akutgeriatrie ausbauen – das sind zwei Wege, die das Spital Muri nach der Schliessung der Geburtenabteilung geht. «Bisher läuft es sehr gut», sagt Daniel Strub. Auch wenn anfangs natürlich Initialkosten zu investieren sind. «Ein Verlust ist nicht weiter tragisch, wenn der Gewinn absehbar ist.» Die Zahlen sollen also besser werden. In die Richtung, die es braucht, um zirka 2040 investieren zu können. Der Jahresabschluss 2025 ist indes dem von 2024 sehr nah. 2,1 Millionen Franken Gewinn, 6,9 Prozent EBITDA-Marge. «Gut, aber nicht gut genug.» Für sie als Stiftung seien Gewinne eminent wichtig. Weil es die einzige Möglichkeit ist, den Eigenkapitalanteil zu steigern.
Betten- und Sprechstundenauslastungen steigen
Strub legte den Fokus beim Rückblick auf das vergangene Jahr, aber nicht nur auf die Finanzen. Die integrierte Versorgung war ebenfalls Thema. Hier will das Spital in der Region mithelfen, diese zu stärken. Das Online-Ticketing in der Notfallpraxis ist eine der Neuerungen aus dem letzten Jahr. Der Spital-CEO weiss: «Je weniger Hausärzte es gibt, desto mehr Bagatellfälle landen im Notfall.» Die Wartezeiten zu verkürzen, das ist das Ziel der Tickets, die anzeigen, wie lange es dauert, bis man an der Reihe ist. «Wir sind nun an einem Projekt, zusammen mit dem Kanton, alle Notfallpraxen der Aargauer Spitäler mit in das System aufzunehmen.» So werde ersichtlich, wo die Wartezeit wie lange ist.
Zertifizierungen und Anerkennungen, Wechsel in der Spitalleitung und im Stifungsrat – auch das beschäftigte am Spital im letzten Jahr. Und die Digitalisierung. Strub spricht von ständig steigenden Lizenzkosten und von grosser Abhängigkeit. «Dadurch sparen zu können, das ist eine Illusion.» Zudem gab Strub Einblicke in das integrale Kapazitätenmanagement. Als erstes Spital im Aargau führte man dieses in Muri 2023 ein. Verlässlichere Prozesse, höhere Verbindlichkeiten, weniger Mitarbeitende im Planungsprozess, optimierter Patientenfluss, bessere Auslastung. Das alles versprach man sich davon. «5 bis 13 Prozent Produktionserhöhung bei gleichbleibender Kapazität», sagt Strub. Der Spital-CEO spricht von einer Kulturreise, die seither gemacht werden musste. Von Akzeptanz, die geschaffen werden musste. Künstliche Intelligenz ist involviert, Datenschutz eine von vielen Herausforderungen. Die Rekrutierung für Fachleute in diesem Bereich ebenfalls. Doch Strub kann verkünden: «Die Akzeptanz steigt. Die Bettenauslastung steigt effektiv, die Verweildauer sinkt, die Sprechstundenauslastung nimmt zu. Es geht in die Richtung, in die wir wollten.»
So endet der Politanlass mit positiven Nachrichten: «Danke, dass Sie meinem Wehklagen zugehört haben. Ich kann Ihnen nichtsdestotrotz versichern, dass ich meinen Beruf sehr gerne mache.»
Zahlen 2025
Die Belegung der betriebenen Betten konnte auf 88,0 Prozent gesteigert werden (Vorjahr 84,0 Prozent). Damit blickt das Spital Muri erneut auf eine gute und solide stationäre Auslastung zurück. Im Geschäftsjahr 2025 wurden im Spital Muri 7315 Patientinnen und Patienten stationär behandelt (Vorjahr 7624). Im Vorjahresvergleich gingen die Zahlen der stationären Fälle leicht zurück (– 4,1 Prozent). Hauptgrund dafür ist die erneut gesunkene Zahl der Geburten auf 373 (Vorjahr 511).
Im Bereich der ambulanten Konsultationen und Therapien verzeichnete das Spital Muri einen Zuwachs auf 127 988 Konsultationen (Vorjahr 127 680). Die Zahl der Notfälle von 27 405 Fällen (Vorjahr 28 826) sowie die Anzahl Operationen von 5190 (Vorjahr 5662) hingegen waren leicht rückläufig. Die mittlere Aufenthaltsdauer von 4,23 Nächten (Vorjahr 4,22 Nächte) sowie der Case-Mix-Index – ein Indikator für die Komplexität und Schwere der behandelten Patientenfälle – von 0,911 (Vorjahr 0,919) blieben relativ stabil. --red


