Martin Rüfenacht, Jurist und Krimiautor, Aristau.
Warten auf Yoga-Lehrerinnen
Die Tage werden länger und die Nächte milder. Primeli und Krokusse recken ihre zarten Blüten gen Himmel, die ...
Martin Rüfenacht, Jurist und Krimiautor, Aristau.
Warten auf Yoga-Lehrerinnen
Die Tage werden länger und die Nächte milder. Primeli und Krokusse recken ihre zarten Blüten gen Himmel, die Zugvögel kehren zurück und die ersten Insekten erkunden die Gärten.
Nur unsere Meditationsmeisterinnen lassen sich Zeit. Dabei wären sie doch gerade in diesen im Moment sehr unruhigen Zeiten so wichtig für das innere Gleichgewicht. Seit einem Jahr wohnen sie jetzt in unserem Garten und verbreiten Gelassenheit und Einkehr.
Wer sie beobachtet, merkt förmlich, wie die Last des Alltags von einem fällt wie der berühmte Stein vom Herzen. Dabei können sie durchaus auch schnell sein, aber selbst in der Eile wirken sie wie Zeitlupenaufnahmen ihrer selbst. Wie anachronistische Urzeittiere setzen sie einen Fuss vor den anderen und kommen ihrem Ziel schneller näher als manch gestresster Mensch. Denn wie Michael Ende in seinem Roman «Momo» bereits treffend erkannt hat, kommt manchmal schneller ans Ziel, wer es langsam angehen lässt.
Und so warten wir fast schon sehnsüchtig auf den Moment, in dem unsere vier Schildkröten aus ihrem Winterquartier gekrochen kommen, um uns mit ihrer entspannenden Anwesenheit zu beglücken. Faszinierend, wie ihre innere Uhr seit Jahrtausenden reibungslos funktioniert. Sie lassen sich nicht durch erste warme Sonnenstrahlen täuschen, sondern warten die kalten Nächte und kühlen Morgen ab, um den richtigen Moment zu erwischen, sich aus ihrem Unterschlupf freizugraben. Und bevor Sie sich fragen: Nein, wir bewahren sie nicht im Kühlschrank auf. Wir überlassen unsere Yogis der Natur im Wissen, dass sie das selbst regelt beziehungsweise regeln.
Und so warten wir mit zunehmender Nervosität auf den Moment ihres Erscheinens, um dann umso entspannter ihren Bewegungen zu folgen, progressive Muskelentspannung lässt grüssen.
Ich wünsche Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, einen angenehmen Frühling mit möglichst vielen ruhigen Momenten der Entspannung.