STROHFÜÜR
30.01.2026 Wohlen, KolumneFast scheint es, dass Harry Lütolf einen neuen Lieblingsausdruck hat. Einen, den er erst noch aus der unsäglichen Behördensprache entnommen hat, welche die Gemeinde Wohlen so gerne nutzt. Es handelt sich um die Formulierung «provisorische Parkieranlage mit ...
Fast scheint es, dass Harry Lütolf einen neuen Lieblingsausdruck hat. Einen, den er erst noch aus der unsäglichen Behördensprache entnommen hat, welche die Gemeinde Wohlen so gerne nutzt. Es handelt sich um die Formulierung «provisorische Parkieranlage mit lnstallationsplatz». Eine solche ist auf dem Isler-Areal für die Stach-Baustelle vorgesehen. Das will der Einwohnerrat der Mitte verhindern. Darum hat seine Fraktion nun eine Motion zum Thema eingereicht. Und in der konnte Lütolf auf 45 Zeilen gleich neunmal den Ausdruck «provisorische Parkieranlage mit lnstallationsplatz» verwenden. Für einen Redaktor, der versucht, Wortwiederholungen möglichst zu vermeiden, ein wahrer Graus. Aber eigentlich passt es. Die Vorstellung, dass das Isler-Areal für viele Monate zum Abstellplatz einer Baustelle wird, ist eben auch ein Graus.
Apropos «provisorische Parkieranlage mit Installationsplatz»: Diese Formulierung hat Harry Lütolf auch schon bei der früher eingereichten Motion zur Sicherstellung des Betriebs der Sommerbar mehrfach verwendet. Diese wurde bereits Anfang Januar eingereicht, fiel etwas kürzer aus. Und enthält vielleicht auch darum nur sechsmal den Bandwurm-Ausdruck. Man kann gespannt sein, wie oft die Formulierung dann in den Antworten des Gemeinderats auftaucht.
Apropos Baustelle. Zu einer solchen wird in wenigen Jahren auch die Kantonsschule. Mit der Kür des Siegerprojekts wurde ein jetzt wichtiger Schritt gemacht. Man staunt, wie viel Schulraum der Kanton auf diesem Areal in kürzester Zeit realisieren will. Und als Wohler könnte man fast etwas neidisch werden nach dem langen Kampf um den eigenen Schulraum. «Hier hätte man locker noch etwas für die Gemeinde einbauen können», meinte denn auch einer der Anwesenden. «Das war auch unser Wunsch, leider hatte der Kanton dafür kein Gehör», antwortete der ehemalige Gemeinderat Thomas Burkard, der sich die Präsentation nicht entgehen lassen wollte. Synergien nutzen, das war in diesem Fall nicht möglich. Wobei: Angesichts des riesigen Campus, der hier entsteht, würde sich schon die Frage stellen, ob die Volksschule nicht fast untergehen würde.
Immerhin, einen Trost gab es doch für die Wohler. Im Fall der Kanti muss der Kanton die Kosten von über 200 Millionen tragen und nicht der Wohler Steuerzahler. «Wobei wir als Wohler auch Kantonssteuern zahlen und so auch betroffen sind», präzisierte der ehemalige Einwohnerrat Urs Stäger. Da hat er natürlich recht. Aber immerhin müssen wir nicht die gesamten Kosten tragen.
Umrahmt wurde die Vernissage in der Kanti durch den Auftritt von Damian Spillmann am Akkordeon, der zu Beginn und zum Abschluss jeweils eine Kostprobe seine grossen Könnens lieferte. Und beim zweiten Stück für ein Schmunzeln bei einem Teil des Publikums sorgte. Denn die anwesenden Musikkenner erkannten die gespielte Melodie sofort als Beatles-Song. Und nicht irgendeinen. «Here comes the sun» heisst das Siegerprojekt des Wettbewerbs. Und genau diesen Song spielte der begabte Kantischüler. Gut also, hat dieses Projekt gewonnen und nicht das zweitplatzierte «Semiramis». Davon gibt es kein bekanntes Lied.
Chregi Hansen
