Rossini trifft Schubert
06.01.2026 Musik, Region Bremgarten, Region Wohlen, Region Unterfreiamt, Region Oberfreiamt, Kommende EventsEin musikalischer Dialog: Meisterkonzert Marina Viotti und Jan Schultsz
Was passiert, wenn zwei Komponisten einander gegenüberstehen, die auf den ersten Blick kaum vergleichbar scheinen? Die Mezzosopranistin Marina Viotti und Pianist Jan Schultsz bringen Lieder von ...
Ein musikalischer Dialog: Meisterkonzert Marina Viotti und Jan Schultsz
Was passiert, wenn zwei Komponisten einander gegenüberstehen, die auf den ersten Blick kaum vergleichbar scheinen? Die Mezzosopranistin Marina Viotti und Pianist Jan Schultsz bringen Lieder von Gioachino Rossini und Franz Schubert in einen überraschenden Dialog.
Wien, 1817: Die Stadt summt im Rossini-Takt. Gioachino Rossinis Opern sind in aller Munde – sogar die Wiener Spatzen pfeifen sie von den Dächern. Auch der junge Komponist Franz Schubert kann sich dem Sog kaum entziehen. Doch wo der eine die grosse Bühne mit Bravour erobert, bleibt dem anderen der Opernerfolg verwehrt. Schubert schreibt stattdessen weiter im Verborgenen und schafft eine ganz eigene Welt im Kleinen: im Kunstlied, in der Kammermusik, in Werken für Freunde und Vertraute. Und doch ist Rossinis Einfluss spürbar – in einzelnen Liedern und italienisch angehauchten Stimmungen.
Spielen mit Stilen
So entsteht im Rahmen des Meisterkonzertes ein faszinierender Dialog: Viotti und Schultsz lassen Lieder von Rossini und Schubert einander gegenübertreten – charmante Canzoni des italienischen Meisters und selten gehörte Schubert-Lieder, die den italienischen Stil auf ganz persönliche Weise verarbeiten.
Wie unterschiedlich sich ihre musikalischen Stimmen entfalten – und wo sie sich überraschend nahekommen –, das zeigt sich an diesem Konzertabend. Es ist ein Spiel mit Stilen, Stimmungen und Sprachen, ein klangvoller Abend, der bekannte Pfade verlässt und das Kunstlied neu beleuchtet.
«Eine Persönlichkeit im wahrsten Sinne des Wortes, eine Künstlerin bis zu den Zehenspitzen, die nicht zögert, Universen zu vereinen» – so beschreibt das Magazin «Nuances» die Mezzosopranistin Marina Viotti, die 2022 mit dem Schweizer Grand Prix Musik für ihre besondere technische und interpretatorische Vielseitigkeit ausgezeichnet wurde. Ihre stilistische Offenheit spiegelt sich auch in ihren eigenen Konzertprogrammen wider, etwa im Liederabend About Last Night, mit dem sie unter anderem an der Oper Frankfurt gastierte. Aufgewachsen in einer Musikerfamilie, studierte sie zunächst Flöte, bevor sie sich – nach Abstechern in Jazz, Gospel, Heavy Metal sowie einem geisteswissenschaftlichen Studium – ganz dem Gesang widmete. Ihre Ausbildung führte sie nach Wien und Lausanne, ergänzt durch ein Belcanto-Studium.
International gefragt war Marina Viotti etwa bereits an der Mailänder Scala, den Staatsopern in Dresden, München und Berlin sowie zu erleben am Gran Teatre del Liceu in Barcelona. In der Saison 2022/23 sang sie unter anderem Glucks «Alceste» in Rom, Offenbachs «La Périchole» in Paris und Mozarts «Dorabella» in Bilbao. Konzertengagements führten sie ans Concertgebouw Amsterdam und nach Grafenegg. Aufmerksamkeit erlangte sie zuletzt auch durch ihren Auftritt bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Paris.
Fokus auf die klassischromantische Epoche
Jan Schultsz ist Dirigent, Kammermusiker, Liedbegleiter und als Professor für Kammermusik und Liedgestaltung der Hochschule für Musik in Basel. Sein Fokus liegt auf der klassisch-romantischen Epoche, der historisch informierten Aufführungspraxis und der Wiederentdeckung vergessener Werke. Seit 2008 ist er Intendant des Engadin Festivals, dessen Programme alljährlich überregionale Strahlkraft entwickeln.
Als Dirigent arbeitete er mit Orchestern wie dem Tonhalle-Orchester Zürich, dem Sinfonieorchester Basel und dem Hungarian Symphony Orchestra, sowie mit Solistinnen und Solisten wie Khatia Buniatishvili oder Renaud Capuçon. Engagements führten ihn an die Opernhäuser in Oslo, Budapest und Liège. Sein Opernrepertoire umfasst auch Raritäten von Rossini, Donizetti und Verdi. Als Liedbegleiter und Kammermusiker ist Schultsz international gefragt – mit Partnerinnen und Partnern wie Cecilia Bartoli, Marina Viotti und Werner Güra. Seine vielseitige Diskografie umfasst zahlreiche Erst- und Neueinspielungen, zuletzt Lieder und Duette mit Werken von Brahms. Geboren in Amsterdam, studierte er Horn und Klavier, später Dirigieren in Basel, Bern und Zürich. Meisterkurse bei Jorma Panula und Ilya Musin ergänzten seine Ausbildung. --zg
Konzert am Sonntag, 11. Januar, 17 Uhr, Alte Kirche Boswil. Einführung mit Charlotte Elise Lorenz um 16.15 Uhr.

