AUS DEM GROSSEN RAT
09.01.2026 Bremgarten, KolumneKarin Koch Wick, Die Mitte, Bremgarten.
Vertrauen und Hoffnung
«In jedem Anfang wohnt ein Zauber inne», so ein bekanntes Zitat von Hermann Hesse. Es erfasst das Gefühl positiver Erwartung, wenn ...
Karin Koch Wick, Die Mitte, Bremgarten.
Vertrauen und Hoffnung
«In jedem Anfang wohnt ein Zauber inne», so ein bekanntes Zitat von Hermann Hesse. Es erfasst das Gefühl positiver Erwartung, wenn etwas Neues beginnt, und das Vertrauen darauf, dass sich dank der Magie des Neustarts vieles zum Guten wendet. Dass dem keineswegs immer so ist, macht uns das grauenvolle Unglück der Silvesternacht ungeschont bewusst. Die Aargauer Fahnen am Grossratsgebäude hängen auf Halbmast und die Sitzung beginnt mit einer Schweigeminute für die Opfer von Crans-Montana und deren Familien.
Es ist nicht einfach, in den Alltag zurückzukehren und sich auf die Traktanden des Tages zu konzentrieren. Mit der Neuwahl des Ratspräsidiums steht immerhin ein Geschäft am Anfang der Liste, welches nicht zu Diskussionen Anlass gibt. Im Gegenteil: Alle drei Gewählten erzielen, unabhängig von ihrer jeweiligen Parteizugehörigkeit, Glanzresultate. Die Mitte gratuliert dem neuen Grossratspräsidenten, Urs Plüss, herzlich und freut sich, dass mit der Wahl von Ralf Bucher zum ersten Vizepräsidenten der höchste Aargauer bereits in einem Jahr ein Freiämter aus den eigenen Reihen sein wird.
Dann das erste und – wie sich angesichts des grossen Zeitbedarfs der ausufernden Voten bald zeigt – einzige Sachgeschäft des Tages: ein (einmal mehr) gemeinsames Postulat von FDP und SVP. Der Regierungsrat müsse prüfen, ob mit einer rückwirkenden Gesetzesänderung oder einem Nichtvollzug des geltenden Steuerrechts die Erhöhung der Eigenmietwerte wieder rückgängig gemacht werden könne.
Ein Ansinnen, das jedem oder jeder, der oder die über ein gewisses juristisches Feingefühl verfügt, die Haare zu Berge stehen lässt. Ein Parlament will die Exekutive zwingen, gegen ein vom gleichen Parlament beschlossenes Gesetz, ein Urteil des Bundesgerichts und die schweizerische Verfassung zu verstossen? Der Aargau machts möglich: Mit 69 Jastimmen verteidigen die beiden Postulantinnen, welche seit den letzten Wahlen ja bekanntlich über die Mehrheit im Parlament verfügen, ihre «kreative» Idee. Die mahnenden Stimmen von links und aus der bürgerlichen Mitte werden ignoriert; woran das amtierende Parlament leider bereits seit einem Jahr gewöhnt ist.
Mit dem Vorsatz, im neuen Jahr alles etwas gelassener zu nehmen, und der Bemerkung des neuen Grossratspräsidenten im Ohr, die Emotionalität gewisser Voten sei wahrscheinlich auf die Freude über das gute Wahlresultat des Ratspräsidenten zurückzuführen, glätten sich die Wogen.
Einem würdigen Abschluss der Eröffnungssitzung steht nichts mehr im Wege. Launigen Ansprachen und erhebenden Klängen des Jodlerchors folgt der traditionelle Apéro im Ratskeller. Danach gehts für die geladenen Gäste weiter nach Zofingen, wo im feierlich geschmückten Stadtsaal doch noch Hoffnung und Vertrauen auf ein gutes, konstruktives Politjahr 2026 aufkommen.

