Patrick Grob, Wohlen.
Zügelkartons
Es herbstet draussen und das teilweise sonnige und trotzdem kühle Wetter lädt zu Spaziergängen ein. Beim letzten lief ich mal wieder beim ...
Patrick Grob, Wohlen.
Zügelkartons
Es herbstet draussen und das teilweise sonnige und trotzdem kühle Wetter lädt zu Spaziergängen ein. Beim letzten lief ich mal wieder beim «Zwiifli» vorbei. Auf seinem Vorplatz stapeln sich Kartonkiste auf Kartonkiste. «Grüss dich, Gröbli. Ich zügle», begrüsst er mich grinsend. Ich bleibe etwas verdattert stehen. Der «Zwiifli» zieht um? Es sei der Moment gekommen, er zieht zu seiner Schwester. «Weisst du, Gröbli, sie braucht etwas Unterstützung. Schliesslich ist sie nicht mehr die Jüngste», erklärt er mir. Der «Zwiifli», der knapp noch auch sich selbst aufzupassen vermag, sorgt sich jetzt noch zusätzlich um seine Schwester? Chapeau.
Es sei ein Abschied mit einem lachenden und einem weinenden Auge. «Schliesslich ist die Hütte meiner Schwester riesig. Ich habe den ganzen unteren Stock für mich», schwärmt er. Dann wird er plötzlich ruhig, schaut auf sein Haus und meint: «Weisst du, Gröbli, ich dachte, ich werde niemals von hier wegziehen und jetzt tue ich es doch.» Diese sentimentale Stimmung ist bei «Zwiifli» und seiner manchmal etwas hemdsärmeligen Art eher etwas ungewohnt. Es sei ihm aber wichtig, für seine grosse Schwester, da zu sein und sie zu unterstützen. «Sie hat auch immer den Grind für mich hingehalten früher», meint er grinsend. Da ist er wieder, der «Zwiifli», wie ich ihn kennen und schätzen gelernt habe. Als ich frage, wann er denn weggehe, meint er nur: «Morgen bin ich fort!» Sehr pragmatisch, typisch «Zwiifli». Keine grosse Sache daraus machen.
Er sei nicht der Freund von Abschieden, und dann fragt er mich trotzdem: «Gröbli, gibt es zum Abschied noch ein letztes Bier?» Ein letztes Bier? Ist dies tatsächlich meine letzte Begegnung mit dem «Zwiifli»? Ich nicke ihm zu.
So schnell kann es gehen und Gewohntes verschwindet oder verändert sich. Die Frage, ob es meine letzte Begegnung mit «Zwiifli» war, beantworte ich still für mich mit Ja. Wie oft hat man sich vorgenommen, in Kontakt zu bleiben und am Schluss versandet es trotzdem? So geniesse ich ein letztes Bierli mit dem «Zwiifli». Auf dich, lieber «Zwiifli». Danke für die tollen Geschichten und Begegnungen. Ich denke, auch er zweifelt daran, dass wir uns wieder sehen. Schön wars.