Heidi Ehrensperger, Bremgarten.
Auswandern
Die Schweiz – ein armes Land, viele Gegenden sind mausarm. Für unzählige Menschen reicht es nicht zum Leben. Viele sehen deshalb Auswanderung nicht als ...
Heidi Ehrensperger, Bremgarten.
Auswandern
Die Schweiz – ein armes Land, viele Gegenden sind mausarm. Für unzählige Menschen reicht es nicht zum Leben. Viele sehen deshalb Auswanderung nicht als Option, sondern als Notwendigkeit und machen diesen schweren Schritt. So sah das im 18. und 19. Jahrhundert aus. Bekannt sind heute noch die Zuckerbäcker aus dem Kanton Graubünden, die in alle Welt hinauszogen, von Kiew bis Barcelona, von Rom bis England. Die Palazzi in Poschiavo zeigen, dass es einige im Ausland mit ihren Cafés und Bäckereien geschafft hatten und nach Jahren oder Generationen wieder zurückkamen.
In der aktuellen Ausstellung im Museum in Poschiavo geht man den erfolgreichen Unternehmern nach. Auch die Frauen an ihrer Seite und die Kinder, die zum Teil zu Hause bleiben mussten, werden benannt. Und: Im «leeren Rahmen» wird an die grosse Zahl jener Auswanderer erinnert, die genauso viel gearbeitet haben, aber kein Glück hatten. Der leere Rahmen ohne Fotografie meint auch alle, die als Baumfäller in Übersee schufteten, als Schuhmacher, Knechte oder sonst irgendwie zu überleben suchten. Der leere Rahmen steht für alle, von denen man nie mehr etwas hörte. Und das waren viele.
Ich kenne selbst Menschen, die im 20. Jahrhundert das Auswandern wagten und desillusioniert, aber reich an Erfahrungen heimgekehrt sind. Den Traum von «auf und davon» haben wohl viele von uns hie und da. Nicht zu unterschätzen ist das Heimweh. Dieses wurde in früheren Jahrhunderten «Schweizer Krankheit» genannt. Darunter litten auch Söldner, die in fremden Kriegen kämpften.
Im Theaterstück «Amerika» in Muri vom letzten Jahr erhielten wir Einblick in die Auswanderungsgeschichte des Freiamts. Die Fricktaler Bevölkerung wurde von Kaiserin Maria Theresia im 18. Jahrhundert dazu ermuntert, in das Banat zu ziehen. Die bittere Armut trieb viele Familien dazu, von hier Abschied zu nehmen und wegzugehen. Auf rumänischen Friedhöfen findet man noch heute Fricktaler Namen. Wie die Leben dieser Menschen verlaufen sind, wissen wir nicht.
PS: Wandern im Wortsinn könnte man im Kleinen am Art-Walk in Bremgarten, der uns während des ganzen Monats September ermöglicht, in andere Welten zu gucken.