Heidi Ehrensperger , Bremgarten.
Aufräumen
Ich kenne kein Kind, das gerne aufräumt. Unter Erwachsenen scheint Aufräumen und Ausmisten aber fast ein neuer Volkssport zu sein. Im Frühling packt ...
Heidi Ehrensperger , Bremgarten.
Aufräumen
Ich kenne kein Kind, das gerne aufräumt. Unter Erwachsenen scheint Aufräumen und Ausmisten aber fast ein neuer Volkssport zu sein. Im Frühling packt es besonders viele. Während einige nur von Sisyphus-Arbeit und Blockade sprechen (man sollte längst hier …), machen andere sich geradezu euphorisch ans Werk. Es ist wirklich zu schön, wenn auf der Waage des professionellen Entsorgers zu lesen ist, wie viele Kilo man soeben losgeworden ist. Fast, als hätte man einen Diäterfolg zu verbuchen.
Dass Ballast abgeworfen wurde, zeigt sich vor Häusern, wenn Dinge «Gratis zum Mitnehmen» sind. Auch ich habe schon praktische Schuhkästen des Nachbarn mitgenommen und «trage diese nun nach». Den Nachbar freuts. Am Tauschmarkt in Bremgarten gab es kürzlich viele glückliche Gesichter. Das kann man auch einmal im Monat am Flohmarkt im reformierten Kirchgemeindehaus in Bremgarten erleben, von Haushaltsartikeln bis zu Büchern ist alles da.
Bald gibt es in Bremgarten einen «walk-in closet». Mein Übersetzungsprogramm liefert mir «begehbarer Kleiderschrank». Aha. Im Internet erfahre ich, dass das eine ökologisch orientierte Non-Profit-Bewegung ist, die den Kleidertausch ermöglicht. Im Brocki in der Bremgarter Altstadt (das mit den schönen Schaufenstern) erfahre ich, dass Schallplatten mit Rockmusik der 60er- bis 90er-Jahre gefragt seien. Und schöne Kleider, in wirklich allen, auch grossen Grössen. Auch (Mode-)Schmuck kann man bringen. Dass Junge gerne alte Mokkatassen kaufen, höre ich, und dass Spiele und Kinderbücher gerne angenommen werden. Cache-Pots, CD und Plastikdinger hingegen nicht. Altes schönes Handwerk laufe am besten.
Beim Thema Aufräumen fällt ganz schnell der Name Marie Kondo. Die Japanerin macht uns vor, wie man gut aufräumt. Besonders gefällt mir, dass man neuerdings nicht mehr alles wegtun soll, was man im letzten Jahr nicht mehr gebraucht hat, sondern sich fragt: Macht mir das noch Freude? Vor über 20 Jahren entstand der Slogan und die Bestsellerserie «simplify your life». Das Leben zu vereinfachen, das tönt verlockend.
Aufräumen ist prima. Weitergeben super. Wegwerfen entlastet auch. Aber bitte nicht zu viel – sonst wären unsere Museen heute leer und unsere Erinnerungen ärmer.