Hoch hinaus
25.10.2022 WohlenHauptübung der Feuerwehr Wohlen in Dottikon
Eigentlich findet die Hauptübung der Wohler Feuerwehr alle drei Jahre im Nachbarort statt. Wegen Corona dauerte es jetzt aber fünf Jahre, bis die Rettungskräfte wieder im Nachbarort ihr Können zeigten. Dafür ...
Hauptübung der Feuerwehr Wohlen in Dottikon
Eigentlich findet die Hauptübung der Wohler Feuerwehr alle drei Jahre im Nachbarort statt. Wegen Corona dauerte es jetzt aber fünf Jahre, bis die Rettungskräfte wieder im Nachbarort ihr Können zeigten. Dafür hatte es das Übungsobjekt in sich. Ein (fiktives) Feuer in der Tiefgarage hielt die Feuerwehrmänner und -frauen mächtig auf Trab und erforderte viele Rettungen aus grosser Höhe. Alles sah realistisch aus. Manchem jungen Zuschauer musste erklärt werden, dass dies nur eine Übung ist. --red
Wenn jede Minute zählt
Die Hauptübung der Feuerwehr Wohlen fand dieses Jahr in Dottikon statt
Am Samstag übten rund 80Feuerwehrmänner und -frauen den Einsatz bei einem Brand in der Tiefgarage des Hochhauses an der Ammerswilerstrasse sowie einem simulierten Autounfall. Dazu mussten sie 12 Rettungen vornehmen.
Weisser Rauch steigt aus der Zufahrt der Tiefgarage des Hochhauses an der A mmerswilerstrasse. Dort scheint es zu brennen. Parallel hört man über einen grossen Lautsprecher die Notrufmeldung der Kantonalen Notrufzentrale mit Sitz in Schafisheim, wie diese – bei einem echten Einsatz – bei der Feuerwehr in Wohlen dann eintreffen würde. Feuer wehrkommandant Marcel Christen moderiert die Hauptübung. Er erklärt, dass von nun an die Mitglieder der Feuerwehr sich extrem beeilen müssen, denn laut Vorgabe der Aargauischen Gebäudeversicherung müssen Feuerwehren es gewährleisten können, nach einer vorgegebenen Zeit am Einsatzort zu sein. Je nach Einsatzart können das Zeitvorgaben von 10 bis 15 Minuten sein.
Rund 200 Zuschauer warten gespannt auf die in der Ferne ertönenden Sirenen der Feuerwehrfahrzeuge. «Für die Betroffenen, die einen Notruf absetzen, erscheint so eine Wartezeit von nur ein paar Minuten unendlich lange», erklärt der Kommandant. Als Erstes fährt das Einsatzfahrzeug mit André Bühler vor. Als Einsatzleiter springt er zuerst aus dem Fahrzeug und rennt zum Brandort sowie anschliessend zum Hochhaus. Dabei macht er sich ein Bild von der aktuellen Lage. Das muss schnell gehen und erfolgt selbstverständlich in seiner Schutzkleidung inklusive Atemschutz. «Die Rettung ist das grosse Ziel der Feuerwehr, aber wichtig ist auch die Sicherheit all unserer Einsatzkräfte», macht Christen den Zuschauern deutlich.
Ruhe bewahren
Während Bühler die Problemlage erfasst, berechnet er gleichzeitig die notwendige Menge der Löschmittel und legt diese auf die eintreffenden Einsatzfahrzeuge fest. «Innerhalb von sehr kurzer Zeit muss ein Einsatzleiter so schnell und viel wie möglich Informationen sammeln, um daraus die richtigen Entscheidungen zu treffen. Dazu braucht er ein breites Wissen, aber auch jede Menge Erfahrung, damit er in dieser angespannten Situation Ruhe bewahrt», führt Marcel Christen aus. André Bühler hat den kühlen Kopf dazu, denn er ist Oberleutnant und seit über 26 Jahren bei der Feuerwehr, somit ist er erfahren und verfährt souverän und ruhig in der Kommunikation mit seinen Einsatzkräften.
Zwischenzeitlich sind Tanklöschzüge, Kranwagen, Krankenwagen und weitere Fahrzeuge eingetroffen. Aufgrund der Anweisungen des Einsatzleiters werden Schläuche und die passenden Werkzeuge schnell und sorgfältig an den jeweiligen Einsatzstellen ausgepackt und präpariert. Dort, wo Menschen im Hochhaus auf ihre Rettung warten, werden unverzüglich die Kranleitern ausgefahren. Alles sieht realistisch echt aus. Mutige Hausbewohner, darunter auch Kinder, helfen bei der Hauptübung mit. Sie klettern tapfer aus ihrem Balkon in den Rettungskorb des Kranwagens oder steigen, selbstverständlich gesichert, aus luftiger Höhe die Rettungsleiter hinab.
Unfall sorgt für weiteren Einsatz
«Im Einsatzfall gibt es folgende Reihenfolge der Rettung: zuerst Personen, dann Tiere, dann die Umwelt und dann erst die Sache, also zum Beispiel Gebäude. Zuerst wird immer derjenige gerettet, der sich am nächsten des Brandherdes befindet», erklärt der Feuerwehrkommandant und fährt fort: «Bei unübersichtlichen Lagen helfen Wärmebildkameras, die nicht nur den genauen Brandherd ermitteln, sondern auch Personen und Tiere erkennen können.»
Ausser einer Brandsimulation gibt es noch ein weiteres Spektakel zu beobachten. Die Zuschauer entdecken am Vorplatz einen kleinen Hügel, der mit einer Plastikfolie abgedeckt ist. Als diese weggezogen wird, erscheint ein verunfalltes Fahrzeug. Zu aller Erstaunen sitzt darin eine junge Frau. «Wir haben einen Verkehrsunfall dargestellt, bei dem wir eine im Fahrzeug eingeklemmte Person befreien müssen», berichtete Valentin Regli, Oberleutnant und Übungsleiter der Feuerwehr Wohlen. Auch hier wird die Lage kurz festgestellt und sofort gehandelt. Dabei kommt schweres Gerät zum Einsatz, um keine Zeit bei der Rettung zu verlieren.
In Dottikon selber gibt es seit 2008 keine eigene Feuerwehr mehr. «Die Gemeinden Dottikon und Wohlen unterzeichneten damals einen Leistungsvertrag», führt der zuständige Dottiker Gemeinderat Patrick Keller aus. Regelmässig finden auch Übungen in Dottikon statt. «Wegen der Pandemie mussten wir die heutige Hauptübung zweimal verschieben. Aber aller guten Dinge sind bekanntlich drei und es macht mich stolz, welche Leistung wir hier alle beobachten konnten», bedankt sich Keller via Mikrofon bei der Feuerwehrmannschaft. Auch die Zuschauer klatschen, zum Teil erleichtert, dass diese Hauptübung erfolgreich beendet wurde. --mub
Infoabend morgen Mittwoch
Die Feuerwehr Wohlen umfasst derzeit 110 Mitglieder. Davon sind 35 Mitglieder aus Dottikon. Zum Jahresende haben 5 Mitglieder ihren Austritt gegeben. «Es ist wichtig, dass wir wieder auf 115Mitglieder kommen. Daher hoffen wir, dass wir auch aufgrund solcher öffentlichen Übungen mit unserer lebenswichtigen Aufgabe überzeugen und neue Mitglieder gewinnen können», erklärt Feuerwehrkommandant Marcel Christen zuversichtlich.
Morgen Mittwoch, 26. Oktober, gibt es hierzu einen Informationsabend im Feuerwehrmagazin in der Wilstrasse59 in Wohlen. Dabei können Interessierte das gesamte Einsatzspektrum kennenlernen. Als weiteres Highlight des Jahres findet am 12. November der Feuerwehrball statt. Dort erfolgen dann auch die Ehrungen zu Dienstjubiläen sowie die Verabschiedung von Mitgliedern.
105 Einsätze
«2022 hatten wir bisher 105Einsätze zu leisten, davon leider zwei schwere Verkehrsunfälle», berichtet Feuerwehrkommandant Marcel Christen weiter. «Man weiss nie, was das Jahr einem bringen wird, für mich ist es daher wichtig, dass wir unseren Leistungsstand erhalten und uns gemeinsam weiterentwickeln», sagt er weiter. Sein Fazit zur Hauptübung? «Wir sind eine starke Truppe. Ich bin sehr zufrieden und wir alle werden beim Abschluss-Apéro das eine oder andere neu Dazugelernte sicherlich nochmals reflektieren.» --mub







