Rede und Interpretation
09.09.2022 Region UnterfreiamtSpannender Vortrag über das Kommunizieren
Der in Wohlen wohnhafte Peter Locher machte sich vor über 25Jahren selbstständig. Er hörte auf sein Herz und arbeitet seither in der fantastischen Welt des Theaters und der Kommunikation.
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Spannender Vortrag über das Kommunizieren
Der in Wohlen wohnhafte Peter Locher machte sich vor über 25Jahren selbstständig. Er hörte auf sein Herz und arbeitet seither in der fantastischen Welt des Theaters und der Kommunikation.
In verschiedenen Modulen vermittelt Peter Locher, Kommunikationstrainer und Theaterpädagoge, in Kursen für Theaterspieler, in Selbstbehauptungskursen für Jungs und Kommunikationsvorträgen wertvolle Tipps und Anregungen.
Kürzlich war er in der Dorfbibliothek Villmergen zu Gast. In einem spannenden Vortrag mit eingebautem Workshop wurde der Zuhörer in das «Vier-Ohren-Modell» eingeführt.
Ein spannender und unterhaltsamer Abend zugleich, bei dem die Teilnehmenden mitmachen und gleich selber einige Sätze analysieren und interpretieren konnten, was das Gegenüber eigentlich sagen wollte. Verschiedene Meinungen sind jeweils aus den einfachsten Sätzen entstanden, was Locher faszinierte. Fazit: Kommunikation ist nicht gleich Verständnis. --mo
Mit vier Ohren hören
Ein kommunikativer Abend mit Peter Locher, Kommunikationstrainer und Theaterpädagoge aus Wohlen
Ein Vortragsabend rund um die verschiedenen Ebenen der Kommunikation; Inhalt, Appell, Beziehung, Selbstoffenbarung. Mit Rollenspielen wurde die Vielfältigkeit des Redens und Hörens nähergebracht.
Monica Rast
Kommunikation ist laut Definition das Mittel der Verständigung zwischen Menschen. Doch was eigentlich ganz simpel tönt, kann unter Umständen zu grossen Diskussionen oder Missverständnissen zwischen dem Redner (Sender) und dem Angesprochenen (Empfänger) führen.
Peter Locher, Kommunikationstrainer und Theaterpädagoge, wurde von der Bibliothek Villmergen für einen spannenden Vortrag mit eingebautem Workshop eingeladen. Die Interessierten erhielten einen Einblick in das «Vier-Ohren-Modell», was zu einigen Erleuchtungen führte.
Sender und Empfänger
Peter Locher warf einen Satz in die Runde, der von den Anwesenden auf ganz unterschiedliche Art «empfangen» wurde. Er meinte nur: «Die Tür ist offen.» Verstanden wurde einiges mehr. Einige der Anwesenden fragten sich, ob es Locher störe, weiteren war es egal oder wiederum andere dachten, es sei eine Aufforderung, die Tür zu schliessen.
Viele Gedanken bei nur vier Worten. «Man weiss eigentlich erst, was man gesagt hat, wenn man das Gegenüber fragt, was es verstanden hat», meint der Kommunikationstrainer. «Schon verrückt, so viel Kreativität, und der Satz hiess ‹Die Tür ist offen›», meint er schmunzelnd.
Anhand eines Models erläuterte Locher das Prinzip der vier Ohren: Inhalt, Appell, Selbstoffenbarung und Beziehung. Der Inhalt war klar: Die Tür ist offen. Gerade in der Schweiz ist das Appellohr überstrapaziert offen: Man möchte angepasst sein, dienstlich sein, möchte, dass es dem anderen gutgeht und interpretiert in einen Satz oft mehr, als er eigentlich ist. «Der Kaffee ist fein», muss nicht zwingend heissen, dass eine weitere Tasse gewünscht wird, sondern einfach nur, dass einem der Kaffee schmeckt und es als Kompliment gedacht war.
Selbstoffenbarung ist auf den Sender bezogen: Was kann man durch die Aussage über die Person erfahren. In diesem Beispiel möglicherweise, dass Locher nicht gerne offene Türen hat.
Der vierte Punkt ist die Beziehung im weiten Sinne. So hatten die Anwesenden eine momentane Beziehung zu Locher. Er war der Redner und die Anwesenden die Zuhörer. Somit wird der Satz gleich anders interpretiert, wenn ihn Locher als Referatsleiter äussert oder als Teilnehmer eines Referats. Man spricht von einem Status. «Als Regisseur brauche ich einen Hochstatus, sonst kann ich die Leute nicht führen», erklärt Locher das Prinzip. Dieser Status beeinflusst die Beziehung. Würde ein Kind den Satz äussern, dass die Tür offen sei, würden viel weniger Appellohren aufgehen. «Willkommen im Vier-Ohren-Modell.»
Mit Worten kommunizieren
Es gibt verschiedene Arten der Kommunikation wie Körperhaltung, Gebärde, Emotionen, Blick, Stimme oder Stimmigkeit der Umgebung. Dies alles beeinf lusst laut Locher die Kommunikation. An diesem Abend in der Bibliothek wurde vor allem die Stimme angeschaut.
Wie man mit Worten kommuniziert, sodass es das Gegenüber auch versteht. Alles, was man in seinem Lebensrucksack mit sich führt, prägt die Kommunikation. «Wenn man ständig hört, du musst nett sein, zuvorkommend sein, nicht Nein sagen, geht das Appellohr viel schneller auf, als wenn man zu hören bekommt, man soll stark sein und sich durchboxen», erklärt der Kommunikationstrainer, «beide haben die gleiche Wahrnehmung, die aber subjektiv ist».
Konf likte entstehen oftmals durch falsche Interpretationen. Anhand von Beispielen erläuterte Locher das Prinzip des Vier-Ohren-Modells. Mit einfachen Sätzen forderte er die Anwesenden auf, sich Gedanken zu den jeweiligen Ohren zu machen. Eines seiner Lieblingsbeispiele ist eine Karikatur von Loriot, bei der die Frau ihren Mann fragt, welches Kleid sie anziehen sollte. «Ich bin ein Fan von Loriot, er kann es unglaublich auf den Punkt bringen», begründet Locher seine Vorliebe. Er liest eine Geschichte einer ganz alltäglichen Situation vor, die einer der bekanntesten Humoristen Deutschlands geschrieben hatte, die aber je nach Antwort eine ganz andere Wendung nehmen kann und die Frage nach dem Kleid in den Hintergrund rücken lässt. Locher nennt dies einen Nebenschauplatz, auf dem man je nach Situation sehr schnell landet.
Auf den richtigen Punkt bringen
Der Rat des Referenten ist einfach: Wenn man es nicht richtig versteht, nachfragen, beim Thema bleiben, Interpretationen kleinhalten und nicht analysieren. Beobachten, nicht bewerten und die Bedürfnisse klären. «Was möchte ich, was ist mein Bedürfnis?»
Eine klare Kommunikation ohne viel Interpretationsmöglichkeiten vereinfacht viele Gespräche. Dank den vielen Beispielen wurde den Anwesenden einiges klar. Für sie war es ein spannender Abend mit vielen Anregungen zur richtigen und guten Kommunikation, bei der das Gegenüber auch versteht, was man eigentlich sagen möchte.



