Der Wald als Klassenzimmer
16.09.2022 WohlenDas Wohler Schulhaus Halde unterrichtet diese Woche mehrheitlich im Freien
Raus aus dem Schulzimmer, rein in die Natur. Diese Woche sieht der Unterricht ganz anders aus als normal.
Chregi Hansen
Eine Wandtafel gibt es ...
Das Wohler Schulhaus Halde unterrichtet diese Woche mehrheitlich im Freien
Raus aus dem Schulzimmer, rein in die Natur. Diese Woche sieht der Unterricht ganz anders aus als normal.
Chregi Hansen
Eine Wandtafel gibt es natürlich nicht. Darum hängen die Zahlen an einer Wäscheleine. Und auch Schulhefte sucht man hier umsonst. «Die Schule heute ist noch immer sehr papierlastig, hier im Wald müssen wir uns umgewöhnen», sagt Lehrerin Annina Schalch.
Zusammen mit Manuela Furrer unterrichtet sie eine zweite Klasse. Normalerweise im Schulhaus Halde. Diese Woche mitten im Wald. Andere Klassen sind zur gleichen Zeit an der Bünz. Oder am Wolfsstein. Oder im Isler-Park. Nachdem sich schon in früheren Jahren einzelne Klassen an der WWF-Aktionswoche «Ab in die Natur – draussen unterrichten» beteiligten, ist dieses Jahr die ganze Primarschule Halde mit von der Partie. «Durch die Bauarbeiten auf dem Schulareal fehlen uns Möglichkeiten für naturnahen Unterricht, darum ist diese Woche eine wunderbare Alternative, sagt Initiantin Akoja Ludl.
Die zweite Klasse von Annina Schalch und Manuela Furrer übt derweil das ABC-Lied und sucht hinter den Bäumen nach versteckten Buchstaben. Deutschunterricht, Musik und Turnen werden elegant vereint. Und Spass macht es erst noch. «Die Kinder finden es toll, und wir Lehrerinnen auch», strahlt Furrer.
Schulzimmer nach draussen verlegt
Die Primarschule Halde beteiligte sich an der WWF-Aktionswoche «Ab in die Natur»
hat bekanntlich ein Schulraumproblem. Doch wer sagt denn, dass es für den Unterricht immer ein modernes Klassenzimmer braucht? 19 Klassen des Schulhauses Halde erhalten diese Woche zeitweise Unterricht im Freien. Kinder und Lehrpersonen finden es toll.
Chregi Hansen
An langen Wäscheleinen flattern die Zahlen von 1 bis 100 im Wind, schön aufgehängt in der korrekten Reihenfolge. Nun suchen sich die Schüler und Schülerinnen einige der Zahlen aus und bilden sie mit Stecken und Steinen nach. Mathematik mitten im Wald also, während die Hündeler mit ihren Tieren den benachbarten Weg entlangspazieren. Und verwundert das Treiben beobachten.
Die Kinder hier im Wald besuchen normalerweise das Schulhaus Halde. Sie sind nicht die einzigen, welche diese Woche im Freien unterrichtet werden. Alle 19 Klassen des Halde beteiligen sich an der WWF-Aktionswoche «Ab in die Natur – draussen unterrichten», welche derzeit in der ganzen Schweiz stattfindet. «Bereits in der Vergangenheit haben einzelne Klassen bei dieser Aktionswoche mitgemacht. Zusätzlich gehören regelmässige Waldtage oder ganze Waldwochen im Jahresverlauf in diversen Klassen zum Programm», erklärt Lehrerin Akoja Ludl, die Initiantin des Projekts. Dass diesmal die ganze Primarschule Halde dabei ist, freut sie ganz besonders.
Inklusive Schulreise
Die Klassenlehrpersonen bestimmen dabei die Dauer des Draussen-Unterrichtes selbst. Laut Vorgabe des WWF liegt die Mindestdauer des Draussen-Unterrichtes für diese Woche bei einem Halbtag. Hier, im Waldgebiet Schweikhau, hat die 2. Klasse von Manuela Furrer und Annina Schalch ihr Klassenzimmer gleich für die ganze Woche eingerichtet. Für die beiden Lehrpersonen ist das keine neue Situation. «Wir haben uns schon früher an der Aktion beteiligt und gute Erfahrungen gemacht», sagt Manuela Furrer. Und Annina Schalch betont, dass der Unterricht im Freien ganz neue Möglichkeiten bietet. «Es bringt zwar einen gewissen Aufwand mit sich, aber es lohnt sich», ist sie überzeugt.
Nicht nur hier im Wald wird unterrichtet, andere Klassen sind auf dem Bleichispielplatz, an der Bünz, im Isler-Park oder am Vita-Parcours unterwegs. «Unser Team hat für sie ein vielseitiges Programm zusammengestellt», erklärt Akoja Ludl. Nebst dem regulären Unterricht im Klassenzimmer finden verschiedene span nende Prog ram melemente draussen statt: etwa ein WWF-Besuch einer 5. Klasse zum Thema «Biodiversität», Gestaltungselemente im Wald zum Thema «Upcycling», eine Biberexkursion mit einer Fachfrau an der Bünz, eine Exkursion ins Murimoos, eingebettet ins Thema «Bauernhof» im Fach Natur/Mensch/ Gesellschaft. Zudem wurde gleich noch die Schulreise passend in die Woche integriert.
Fächer überschneiden sich
Beim Unterricht geht es nicht nur um Walderlebnisse, auch wenn diese ebenfalls wertvoll sein können. «Zu sehen, wie man ein Feuer macht, ist nichts anderes als angewandte Chemie», lacht Schalch. Aber auch die normalen Fächer wie Mathematik und Deutsch kommen in dieser Woche nicht zu kurz. «Es ist natürlich alles viel spielerischer als im normalen Unterricht, und die Fächer überschneiden sich, dafür sind die Kinder motivierter als im Schulhaus», so Manuela Furrer. So müssen die Schüler und Schülerinnen nach der Znünipause in vier Gruppen versteckte Buchstaben im Wald suchen und mit ihnen das ganze Alphabet in der richtigen Reihenfolge auslegen. Dabei hilft ihnen das altbekannte ABC-Lied, welches zuvor gemeinsam gesungen wird. Dass diese Aufgabe als Wettkampf aufgelegt ist, spornt die Kinder zusätzlich an.
Im Halde derzeit eingeschränkt
«Unsere Primarschule legt grossen Wert darauf, die Lernräume für die Kinder immer wieder auszuweiten, zu verändern und den Gegebenheiten anzupassen», erklärt Akoja Ludl weiter. Dies ist derzeit umso wichtiger, als das Schulhaus Halde zur Baustelle wurde. Darum hat sich das Team im vergangenen Schuljahr Gedanken gemacht, wie man den naturnahen Unterricht fortführen kann. «Der langjährige Schulgarten, der von den Klassen betreut wurde, musste der Baustelle weichen, der naturnahe Teil des Pausenplatzes ebenfalls. Wichtige Erfahrungen, die vergangene Klassen auf unserem Pausenplatz machen konnten, fallen momentan weg», führt die Initiantin aus. Der Unterricht draussen bietet da eine willkommene Alternative, dafür wurden die Lehrpersonen in zwei Weiterbildungsmodulen im Bereich der Naturpädagogik geschult.
Dass der Wind inzwischen auffrischt und erste dunkle Wolken am Himmel aufziehen, stört hier im Wald weder die Kinder noch die Lehrerinnen. «Es macht Spass. Es läuft immer etwas», betonen Abbygail und Feline, die gemeinsam Zahlen auslegen. Und sie schwärmen von der Schulreise, welche die Klasse an den Hallwilersee führte. Auch die Lehrerinnen sind begeistert von der Woche. «Natürlich müssen wir hier anders arbeiten als im Klassenzimmer, aber umgekehrt haben wir hier unzählige Mittel, die wir einsetzen können», betonen sie. Die Umgebung einbeziehen, das tun sie aber auch im Halde. «Wir nehmen die laufenden Bauarbeiten immer wieder direkt in den Unterricht auf. So ist es keine Störung mehr, sondern eine Bereicherung», sagt Annina Schalch. Einzig der eingeengte Pausenplatz wird als Manko erlebt. Umso mehr schätzen es die Kinder, im Wald herumzutollen. So kommt auch der Turnunterricht nicht zu kurz.









