Besondere Ehre
06.09.2022 VillmergenAdolf Ogi zu Besuch in Villmergen
Abwechslungsreich und spannend wurde dieser Nachmittag im Altersheim Obere Mühle in Villmergen. Die Bewohnerinnen und Bewohner durften einem spannenden Redner zuhören, der aus seinem Leben erzählte. Kein Geringerer als Alt-Bundesrat ...
Adolf Ogi zu Besuch in Villmergen
Abwechslungsreich und spannend wurde dieser Nachmittag im Altersheim Obere Mühle in Villmergen. Die Bewohnerinnen und Bewohner durften einem spannenden Redner zuhören, der aus seinem Leben erzählte. Kein Geringerer als Alt-Bundesrat Adolf Ogi stattete ihnen einen Besuch ab. Zu seiner Stippvisite, auf Einladung von Mike Lauper, Präsident des Altersheim-Vereins Obere Mühle, gab es nach einem gemeinsamen Mittagessen auch einen Rundgang im Sinnespark. --red
Freude herrscht in Villmergen
Besuch von Alt-Bundesrat Adolf Ogi in der Oberen Mühle Villmergen
«Von Kandersteg via Bern nach New York und zurück», lautete der Referatstitel von Alt-Bundesrat Adolf Ogi zu seinem Besuch in der Oberen Mühle Villmergen. Nach einem gemeinsamen Mittagessen und Rundgang im Sinnespark erzählte er rund 60 Bewohnern und Gästen aus seinem spannenden und vielseitigen Leben.
Im Herbst 2021 lernte Mike Lauber Alt-Bundesrat Adolf Ogi an einer Veranstaltung im Gasterntal bei Kandersteg im Berner Oberland kennen. Mike Lauber ist Präsident des Altenheim-Vereins Obere Mühle in Villmergen und nutzte sofort seine Chance, Adolf Ogi für ein Referat nach Villmergen einzuladen. Im Frühjahr 2022 wurde der Besuchstermin vereinbart und der Alt-Bundesrat reiste mit dem Zug am vergangenen Freitag ins sonnige Bünztal. «Wir haben uns im Vorstand so über die Initiative von Mike Lauber gefreut, um so mehr bedauern wir, dass er nun krank zu Hause im Bett liegt», erklärt sein Vertreter René Schmidli, der auch die Gemeinde Villmergen als Gemeinderat vertrat.
Vom Vater und Lehrer geprägt
«Mit Alt-Bundesrat Adolf Ogi verbindet uns sein 4-M-Prinzip, das da lautet: Man muss Menschen mögen. Auch wir im Altenheim-Verein mögen Menschen und versuchen in unserem Zentrum, diese nicht nur miteinander zusammenzubringen, sondern ihnen regelmässig ein abwechslungsreiches und spannendes Programm anzubieten», begrüsst René Schmidli die Bewohner und zahlreiche Gäste aus Villmergen.
Abwechslungsreich und spannend wurde dieser Nachmittag. Als Alt-Bundesrat Adolf Ogi an sein Rednerpult trat, tauchten die Gäste in Ogis Leben ein. Er nennt sich einen echten Kandersteg-Bub, der die Berge und das Skifahren liebt. Sein grosses Vorbild war stets sein Vater, der als Förster, Bergführer und dazu als Gemeinderat schwere und intensive Arbeit zu erledigen hatte, aber nie müde war oder schlechte Laune hatte. Seine Mutter hielt ihm den Rücken frei und kümmerte sich um alles, was die Familie anbetraf. Er sprach beeindruckt über seinen Oberlehrer. «Er hiess Rudolf Rösti und machte immer drei Dinge vor jedem Unterricht mit uns: singen, beten und politisieren. Mit Letzterem erklärte er uns, was der Bundesrat zur damaligen Zeit diskutierte oder was im Gemeinderat aktuell lief. Nicht jedes Kind hat das interessiert, aber er setzte damit den ersten Samen, später das eine oder andere besser verstehen zu können.» berichtet Adolf Ogi.
Grosse Persönlichkeit nach Hause eingeladen
In diesem Jahr wurde Adolf Ogi 80 Jahre alt. Man merkt ihm seine vielen Lebensjahre nicht an. Täglich macht er eine Stunde einen Spaziergang im nahegelegenen Wald. Vermutlich steht er deswegen so dynamisch und energiegeladen vor seinen Gästen. Er ist bodenständig und menschennah. Die Zuhörerschaft hängt an seinen Lippen und findet sich in seinen Geschichten oftmals selbst wieder. Sie lachen über seinen Humor und staunen, was er in all dieser Zeit erlebt, bewältigt und kennengelernt hat. Da waren die vielen Reisen rund um den Erdball oder es fallen Namen wie François Mitterrand oder Kofi Annan – beide lud er nach Kandersteg in seine Heimat ein. «Ich bin davon überzeugt, dass wir in der Schweiz so gut in Frieden bisher gelebt haben, wegen unserer Menschen mit ihren vier Sprachen, vier Kulturen in den 26 Kantonen. Auch unser politisches System hilft uns dabei, weiter aneinander zu denken und zu akzeptieren. Damit waren nicht nur die grossen Städte wichtig, sondern vor allem die Randgebiete konnten immer einbezogen und berücksichtigt werden. Das müssen wir erhalten und gemeinsam in Zukunft aufpassen, dass uns das weiter gelingen wird.»
Als junger Mann war ihm klar, dass er führen und Verantwortung übernehmen möchte. Er traute sich stets zu, etwas zu sagen. Dies bewies er nicht nur mit seiner Arbeit für den Schweizerischen Skiverband, als Generaldirektor bei der Intersport Schweiz, sondern auch als Präsident der SVP. «Zu diesem SVP-Amt brauchte es viel strategisches Feingefühl und es war manchmal nicht einfach, alle SVP-Ständeräte und -Nationalräte unter einen Hut zu bekommen.»
Fast alle vier grossen Ziele erreicht
Als Bundesrat nahm er sich vier Grossprojekte vor. Als Erstes führte er zusammen mit Leon Schlumpf das grosse Schweizer Eisenbahnprojekt Bus & Bahn 2000 durch. Als Zweites war ihm der Ausbau von Gotthard und Lötschberg wichtig. Beim dritten Projekt ging es ihm um den Ausbau des Schweizer S-Bahn-Netzes in den grossen Städten. Nach Zürich folgten Basel, St. Gallen, Luzern, Bern, Lausanne und dann Genf. Das letzte grosse Projekt war der Ausbau des Nationalstrassennetzes, sprich der Autobahnen. Dies konnte er in seiner Amtszeit nicht erfolgreich durchführen. «Aber das Wallis wird bestimmt auch irgendwann mit einer Autobahn gut vernetzt sein», erklärt er mit einem Augenzwinkern. In dieser Zeit als Bundesrat entstand auch der berühmte Spruch «Freude herrscht». Adolf Ogi begrüsste im Jahr 1992 den ersten Schweizer Astronaut Claude Nicollier, als dieser die Erde umkreiste, mit seinem zum Bonmot gewordenen «Freude herrscht».
Ein eigenes Wertgefühl
Schaut er zurück, so meint er, «dass man als Bundesrat nicht immer alles richtig machen kann. Ich wollte nie verwalten, sondern gestalten und dazu gehörte es, auch Neues auszuprobieren und manchmal auch unangenehme Fragen zu beantworten.»
Eine grosse Tageszeitung hatte vor seinem Antritt als Bundesrat einst geschrieben, dass er nicht intelligent genug sei, um dieses Amt auszuführen.» Sein Vater war es, der ihm klarmachte, dass dies vielleicht stimmen könnte, aber viel wichtiger sei es für ihn, Weisheit zu besitzen. «Denn Intelligenz kann man sich durch Schule, Ausbildung und in der Universität aneignen, aber die Weisheit hat man durch ein eigenes Wertgefühl. Und genau diese wichtige Erkenntnis meines Vaters baute ich in meiner Abschlussrede als Bundesrat mit ein. Damals sagte ich nach allen Abschiedsworten: ‹Ich war nicht so schlecht wie mein Ruf und nicht so gut wie mein Nachruf›», lachte Alt-Bundesrat Ogi und nahm die Dankesgeschenke und den herzlichen Applaus in der Oberen Mühle in Villmergen entgegen. --mb



