Fünf Säulen des Erfolgs
03.08.2022 WohlenAuch die Bundesfeier im Bifang hatte mit Jean-Pierre Gallati einen Regierungsrat als Redner
An der offiziellen Feier auf dem Sternenplatz sprach am Abend SP-Regierungsrat Dieter Egli. Schon am Nachmittag genoss der Wohler SVP-Amtskollege sein Heimspiel im Bifang. Was er da ...
Auch die Bundesfeier im Bifang hatte mit Jean-Pierre Gallati einen Regierungsrat als Redner
An der offiziellen Feier auf dem Sternenplatz sprach am Abend SP-Regierungsrat Dieter Egli. Schon am Nachmittag genoss der Wohler SVP-Amtskollege sein Heimspiel im Bifang. Was er da sagte, dürfte nicht allen Parteifreunden gefallen haben.
Chregi Hansen
Geschäftsleiter Marcel Lanz sprach von einem «ganz tollen Gast», auf den man sich im Bifang seit über einem Jahr freue. Und Vereinspräsidentin Marianne Piffaretti gestand nach der Rede, dass Jean-Pierre Gallatis Worte ihr teilweise unter die Haut gegangen sind. Der Wohler Regierungsrat konnte bei seinem Auftritt im Bifang viel Lob entgegennehmen. Und er selber genoss sein Heimspiel in der eigenen Gemeinde sichtlich.
Der Gesundheitsdirektor sprach von den schwierigen Zeiten, in denen man sich befinde. Gerade habe man sich einigermassen durch die vielen Coronawellen gekämpft, was auch den Mitarbeitenden und den Bewohnern viel abverlangt habe. «Wir haben Sie hier teilweise eingeschlossen. Das war nicht einfach. Später konnten wir vieles lockern. Auch auf Ihren Wunsch hin», betonte er in seiner Ansprache. Ob das Thema nun erledigt sei, könne niemand sagen. Alles in allem habe man die Situation gut gemeistert, ist Gallati überzeugt.
Zum Glück stabile Verhältnisse
Doch es drohen weitere Probleme. Krieg in Europa, Strommangel, Wirtschaftskrise, Inf lation und vieles mehr. Vieles erinnere an die 1920er-Jahre. «Damals war erst der Krieg, dann die spanische Grippe und dann die Weltwirtschaftskrise. Diesmal haben wir einfach eine andere Reihenfolge.» Vieles gerate ausser Kontrolle. «Wer hätte sich vor einigen Jahren je vorstellen können, dass ein amerikanischer Präsident sein Volk gegen das Parlament auf hetzt?», fragte er in die Runde. Doch trotz all dieser Entwicklungen könne man in der Schweiz und speziell auch im Aargau von «stabilen Verhältnissen» sprechen. Das Land sei meist gut durch die Krisen gekommen. Auch wenn man nicht vergessen soll, dass auch die Schweiz Hungersnöte kannte und etliche gezwungen waren, ihr Glück im Ausland zu suchen.
Die Schweizer hätten im Ausland oft einen seltsamen Ruf. Sie seien leise und diskret, hätten Waffen zu Hause, aber keine Munition, sammelten wie verrückt altes Papier und Karton und würden einen Zug, der zwei Minuten Verspätung hat, bereits als Problem sehen. Und eine Ampel an der Strasse würde besser beachtet als ein Gesetz, während eine Ampel in anderen Ländern eher als eine Empfehlung angesehen wird. Doch trotz all dieser Eigenheiten sei die Schweiz erfolgreich unterwegs,
Der Erfolg des Landes baut nach Ansicht des Landstatthalters auf fünf Säulen: das Milizsystem, die direkte Demokratie, die Neutralität, das gute Bildungssystem sowie Innovation und Erfindergeist. Das Milizsystem sorge für eine grössere Verbundenheit zwischen Soldat respektive Bürger und Staat. Dazu zähle auch die Freiwilligenarbeit, ohne die vieles im Land nicht funktionieren würde, angefangen bei der Feuerwehr über die Vereine bis zu Institutionen wie dem Bifang. «In der Schweiz werden pro Jahr 619 Millionen Stunden Freiwilligenarbeit geleistet», zeigt sich Gallati beeindruckt.
Sanktionen sind wichtig und richtig
Auch die direkte Demokratie sorge für eine starke Verbundenheit der Menschen mit dem Staat. In der Schweiz werde nicht von oben nach unten, sondern von unten nach oben regiert. «Wir dürfen und müssen über ganz viele Vorlagen entscheiden. Manchmal wird sogar mehrfach zum gleichen Thema abgestimmt», erklärte der Regierungsrat schmunzelnd. Zudem sei vieles auf Gemeindeebene organisiert. Selbst die Bundesfeier sei nicht national organisiert, sondern jeder Ort könne sie so gestalten, wie es für ihn stimmt. «Nur bei den Feuerwerken und Höhenfeuern mussten wir dieses Jahr einschreiten», so der Regierungsrat.
Wichtig für den Erfolg sei aber auch die Neutralität. Diese habe dazu beigetragen, dass die Schweiz viele Konflikte unbeschadet überstanden habe. «Wir mussten nie zerbombte Städte oder eine kaputte Wirtschaft neu aufbauen.» Neutralität bedeute aber nicht, dass man keine eigene Meinung haben darf, und dürfe nicht als Vorwand dienen, sich seiner Verantwortung zu entziehen. «Es ist richtig und wichtig, dass der Bundesrat entschieden hat, die Sanktionen gegen Russland mitzutragen», wählte Gallati deutliche Worte. Genauso wichtig sei es aber, dass die Schweiz weiterhin Zuf luchtsort bleibt für Menschen aus Kriegsgebieten. Diese Ansicht trage die Bevölkerung mit, so seien im Aargau 73 Prozent der Flüchtlinge aus der Ukraine privat untergebracht. «Kanton und Gemeinden könnten diese Aufgabe nicht alleine lösen», sagte Gallati.
Innovativ bleiben
Gelobt wird vom Regierungsrat auch das gute Bildungssystem sowie die Berufsausbildung. Immer wieder würden Schweizer bei Berufsmeisterschaften weltweit brillieren. Dieses System sei auch Grundlage für all die Erfindungen, welche aus der Schweiz stammen. «Wir haben viel erreicht. Aber das ist nichts wert, wenn es nicht regelmässig erneuert und weiterentwickelt wird», machte Gallati deutlich. Bisher sei dies gelungen, aber die Herausforderungen in der Zukunft werden grösser. «Wir müssen uns als Land stets überlegen: Was können wir besser machen, ohne dass wir alle unsere Eigenheiten aufgeben?» Letztlich müsse man eben auch die fünf genannten Stärken der Schweiz hegen und pflegen. Und sich nicht auf dem Erreichten ausruhen.
Gemeinsam feiern
Präsidentin Marianne Piffaretti nahm in ihrer kurzen Ansprache die Worte von Jean-Pierre Gallati gerne auf. Sie, die sich jahrelang für das Wohler Hilfswerk Help-Point Sumy eingesetzt hat und daher über gute Kontakte in die Ukraine verfügt, ist entsetzt über die Nachrichten, die aus diesem Land eintreffen. «Wir dürfen nicht wegschauen, sondern müssen unsere Verantwortung wahrnehmen und diesen Menschen helfen», mahnte sie die Zuhörenden. Gleichzeitig könne man nur dankbar sein, in einem sicheren Land wie der Schweiz zu leben. «Uns geht es doch gut. Tragen wir alle dazu bei, dass es so bleibt», so die Präsidentin zum Schluss.
Umrahmt wurde die Feier durch die Blaskapelle Rietenberg. Und natürlich durfte auch ein feines Essen an diesem Tag nicht fehlen. Denn trotz der vielen nachdenklichen Worte sollte etwas nicht zu kurz kommen. «Wir sind einfach froh, können wir wieder in Gemeinschaft feiern», so Geschäftsleiter Marcel Lanz. Und das tat das Bifang dann auch noch lange.



