Wohin des Weges
05.07.2022 WohlenZwei Jungstörche zwischen Rössligut und Dammweg wurden beringt
Eine besondere Freude herrscht bei Kurt Meier und Willi Müller. Auf den gebauten Horsten ist Nachwuchs eingezogen. Die zwei Jungtiere wurden nun beringt.
Monica ...
Zwei Jungstörche zwischen Rössligut und Dammweg wurden beringt
Eine besondere Freude herrscht bei Kurt Meier und Willi Müller. Auf den gebauten Horsten ist Nachwuchs eingezogen. Die zwei Jungtiere wurden nun beringt.
Monica Rast
Seit drei Jahren gibt es die Storchennester zwischen dem Rössligut und dem Dammweg. Die Idee für die Nester stammt von den Brüdern Hansruedi, Kurt und Max Meier. Seit die Stromleitungen in den Boden verschwinden, gibt es nicht mehr viele Masten, die sich als Nistplätze eignen. Die rund elf Meter hohen AEW-Masten stammten aus einem Rückbau und waren noch so gut erhalten, dass man sie für mehrere Jahre als Storchennester nutzen kann.
Ursprünglich brüteten Störche auf hohen Bäumen. Heute bauen sie ihre Nester vermehrt auf Türmen, Kaminen oder Masten. Der Horst, wie er auch genannt wird, muss an einem möglichst hohen Punkt liegen, damit die Vögel gut hin- und wegfliegen können. Zudem brauchen die Störche freie Sicht auf die umliegenden Nahrungsf lächen, um rasch genügend Futter für die Jungtiere zu finden. Zudem dürfen sie nicht zu nahe beieinander liegen.
Treue Gefährten
Störche sind ihrem Brutplatz und ihrem Partner treu und besetzen jedes Jahr wieder den gleichen Horst. Dieser wird gegen Eindringlinge heftig verteidigt, deshalb suchen sie sich auch ihre Nachbarschaft genauestens aus. Denn andere Storchenpaare könnten für den eigenen Nachwuchs zur Gefahr werden. So entspricht der gewählte Standort genau den Voraussetzungen, und einem möglichen Nachwuchs in Wohlen stand nichts mehr im Weg.
Gemeinsam mit Willi Müller, der schon in Sarmenstorf beim Nestbau involviert war, wurden die Nester in Wohlen gebaut. «Es gibt auf Youtube verschiedene Versionen zum Nestbau», wusste Müller zu berichten. Auf der rund einen Quadratmeter grossen Plattform wurden Seitenscharniere montiert. Diese wurden mit dünnen Drahtseilen verbunden und anschliessend mit Weidenzweigen umflochten.
Nachwuchs im Horst
Und dieses Jahr war es endlich so weit. In einem der Horste befinden sich, auf Pferdemist, Moos und Gras gebettet, zwei Jungtiere. Nach einer Brutdauer von rund 34 Tagen schlüpften die jungen Störche. Experte Alois Vogler schätzt das Alter der Jungstörche auf rund sechs Wochen. Höchste Zeit, die Jungtiere zu beringen. Sind diese älter als acht Wochen, könnten sie aus Panik aus dem Nest fliehen. Anhand dieser Markierungen weiss man, wo und in welchem Jahr die Vögel geboren wurden. «In den geraden Jahren wird das rechte Bein beringt, in den ungeraden das linke», erklärte Alois Vogler. Er hat in dieser Gegend die Bewilligung für die Beringung.
Unterstützung durch die Feuerwehr
Nicht immer geht das Beringen so einfach vonstatten wie in Wohlen. Hier kam Vogler, der Ehrenmitglied des Natur- und Vogelschutzvereins Stetten ist, die Feuerwehr Wohlen zu Hilfe. Mit der Autodrehleiter gelangte Vogler sicher zum Horst. Vorsichtig ging der Korb der Leiter in die Luft, während auf dem Nachbarhorst ein Elternteil die ganze Aktion skeptisch beäugte. Ausgerüstet mit Jutesack, Handschuhen und den Ringen, begab er sich, am Korb gesichert, halbwegs auf die wacklige Plattform.
Die jungen Störche stellten sich tot. Vorsichtig deckte er den Nachwuchs zu und zog anschliessend das rechte Bein hervor. Schnell waren die Jungtiere beringt, ein kurzer Check bestätigte die gute Verfassung und schon ging es langsam auf den Boden zurück. «Schon bald wird ein Elternteil nachschauen, wie es um den Nachwuchs steht», meint Vogler, «wahrscheinlich werden sie dann auch gleich gefüttert.» Bis Mitte/Ende Juli werden sie noch im Nest gefüttert, dann sind sie flügge. Auf dem Horst und rund um den Horst unternehmen die Jungstörche dann ihre ersten Flugversuche und werden von den Eltern angelernt zu fressen. In dieser Zeit kommen sie immer wieder in ihr Nest zurück. Mitte August schliessen sie sich dann anderen Jungvögeln an. Gemeinsam ziehen sie über Frankreich, Spanien, Marokko Richtung Afrika. «Sie fliegen nicht mehr so weit wie auch schon», erzählte der Vogelexperte. Dank den wärmeren Temperaturen finden sie auch hier Nahrung und bleiben eher in der Schweiz. Hier existieren rund 880 Horste, nun kommen zwei weitere in Wohlen dazu. Wenn kein Unwetter, wie Sturm und Hagel, den jungen Störchen schadet, kann man sie schon bald bei ihren ersten Flugversuchen beobachten.




