Wände verschmieren erlaubt
01.07.2022 HägglingenStart zur Sanierung der Mehrzweckhalle mit besonderer Aktion
Am Montag fahren auf dem Pausenplatz die Baumaschinen auf. Dann starten die Arbeiten zur Sanierung der Halle ganz offiziell. Zuvor durften sich alle Kinder (und auch die Erwachsenen) auf den Wänden verewigen. ...
Start zur Sanierung der Mehrzweckhalle mit besonderer Aktion
Am Montag fahren auf dem Pausenplatz die Baumaschinen auf. Dann starten die Arbeiten zur Sanierung der Halle ganz offiziell. Zuvor durften sich alle Kinder (und auch die Erwachsenen) auf den Wänden verewigen. Zudem gab es für die Klassen ein symbolisches Geschenk.
Chregi Hansen
Ein Bau startet normalerweise mit einem Spatenstich. Bei einer Sanierung ist das schlecht möglich, weil das Gebäude ja schon steht. Aber einfach nichts machen, das kam für die Hägglinger nicht infrage. Darum fanden die Verantwortlichen eine Alternative. «Für einmal dürft ihr das machen, was sonst streng verboten ist», sagte Gemeindeammann Franz Schaad an der kleinen Feier gestern Donnerstag. «Ihr dürft heute die Wände verschmieren und euch hier mit eurem Namen verewigen.»
Alles fing im Jahr 2013 an
Das musste er den Kindern nicht zweimal sagen. Auf Kommando fassten alle Schüler und Schülerinnen und auch die Kleineren aus dem Kindergarten einen Stift und suchten sich eine Stelle, an der sie loslegen konnten. Und auch die Erwachsenen fanden Gelegenheit, den Namen oder auch einen kleinen Spruch in der alten Halle zu hinterlassen. Die Arbeit soll nicht umsonst sein. Bei der Sanierung werden die Wände neu mit Holz verkleidet. «Wir basteln hier einen Zeittresor. Wenn wir die Halle in 30 bis 40 Jahren wieder sanieren müssen, können wir das Holz entfernen. Wer weiss, vielleicht seid ihr dann mit dabei und entdeckt euren Namen wieder. Eventuell sogar in der Funktion als Gemeindeammann», erklärte Schulleiterin Sonja Bachmann.
Der Start zur Sanierung, er ist ein besonderer Moment für die Gemeinde. Vorausgegangen ist eine lange Zeit der Planung. Schon 2013 wurde eine Machbarkeitsstudie erstellt. «Wir wollten wissen, was es in Zukunft alles braucht», so Ammann Franz Schaad. In der Folge wurde eine neue Turnhalle gebaut. Die Sanierung der alten Halle sei nun quasi der Schlusspunkt in diesem Projekt. Gleichzeitig werden zwei neue Schulzimmer und ein Gruppenraum gebaut. «Danach ist die Infrastruktur der Schule Hägglingen wieder gut im Schuss», so Schaad. In den kommenden 12 Monaten müssen Schule und Vereine aber auf die Halle verzichten. «Die Bauzeit führt zu Einschränkungen», ist sich der Ammann bewusst. «Es wird enger auf dem Pausenplatz, es werden Umwege nötig sein. Unser grösstes Ziel ist dabei die Sicherheit, wir wollen keinen Unfall auf der Baustelle», erklärte Schaad.
Angst vor Verzögerungen
Der Start erfolgt bewusst in den Sommerferien. «Es ist unser Ziel, in den kommenden Wochen möglichst viel zu erledigen, was zu Lärm und Staub führt», machte Architekt Jan Humbert deutlich. Ob dies möglich ist, muss sich weisen. «Wir bleiben vor den Problemen in der Baubranche nicht verschont, es drohen bereits erste Lieferverzögerungen», musste der Architekt berichten. Trotzdem ist er überzeugt, dass die geplante Bauzeit von einem Jahr eingehalten werden kann. «Dafür tun wir alles», versicherte der Architekt.
Eine Sanierung sei aber nicht das Gleiche wie ein Bau, auch wenn beides Lärm macht, erklärte er den anwesenden Kindern. «Es bleibt mehr oder weniger das gleiche Gebäude, aber es sieht nachher wieder wie neu aus, so Humbert. Die Arbeiten seien dringend nötig, denn an den Wänden blättert die Farbe ab, alle Leitungen sind in einem maroden Zustand. Die Investition lohne sich aber, weil nicht nur die Schule, sondern auch die Gemeinde und vor allem die Vereine auf die Mehrzweckhalle angewiesen sind. «Es ist ein Projekt für alle Generationen», betonte denn auch der Architekt.
Die Halle steht der Schule also ein Jahr nicht zur Verfügung. Das hat auch Einf luss auf den Turnunterricht. Als kleiner Trost schenkte die Gemeinde allen Kindern ein Springseil, mit dem die Kinder zu Hause trainieren können. Und das soll sich auch lohnen. «Wer in einem Jahr die meisten Sprünge machen kann, der darf an der Eröffnungsfeier eine kleine Ansprache halten», sagte Gemeindeammann Franz Schaad. Womit klar ist, dass in einem Jahr wieder gefeiert wird. Denn darin sind die Hägglinger eben nicht zu schlagen.




