Das Publikum verzaubert
05.07.2022 WohlenDie 4. Ausgabe des Bühnenfestivals Nousu in der Wohler Sommerbar bot hochstehende Artistik
Es waren ganz unterschiedliche Artisten und Künstler. Doch sie hatten eins gemeinsam: Sie sorgten für tolle Momente.
Chregi ...
Die 4. Ausgabe des Bühnenfestivals Nousu in der Wohler Sommerbar bot hochstehende Artistik
Es waren ganz unterschiedliche Artisten und Künstler. Doch sie hatten eins gemeinsam: Sie sorgten für tolle Momente.
Chregi Hansen
Der Circus Monti und die Compagnie Roikkuva mit ihrem Kulturpalast – Wohlen ist in den vergangenen Jahren zur Zirkusstadt geworden. Das artistische Bühnenfestival Nousu reiht sich ein in diese Tradition. Und fügt dieser einen neuen Aspekt hinzu. Denn die Vorstellungen finden nicht im Zelt statt, sondern unter freiem Himmel in der wunderbaren Atmosphäre der Sommerbar. Auf viel Technik oder ein Bühnenbild wird zwar verzichtet, an der Qualität hingegen wird nicht gespart.
Auch in diesem Jahr ist es Andreas Muntwyler und Ulla Tikka gelungen, tolle Artistenkollegen ins Freiamt zu locken. Durch ihre vielen Auftritte an den verschiedensten Festivals haben sie ein grosses Netzwerk aufgebaut, von dem sie jetzt profitieren können. Und aus den Erfahrungen der bisherigen drei Ausgaben wissen sie bestens, was beim Sommerbar-Publikum ankommt.
Das Programm war wieder ein Genuss. Schlangenfrau Anaëlle Molinario sorgte für staunende Gesichter. Kevin Blaser und Faustino Blanchut versuchten sich als Schwinger, David Eriksson stand unter Hochdruck und Moderator Philipp Galizia hatte die schwierige Aufgabe, das Ganze zusammenzuhalten. Und hatte Erfolg.
Staunen, lachen, applaudieren
Bühnenfestival Nousu begeisterte die Besucher der Sommerbar
Zwei Schwinger wirbeln und tanzen im Sägemehl, eine Frau verdreht ihren Körper komplett, und ein Schwede sorgt für Chaos. Für die leisen Töne war der Murianer Philipp Galizia zuständig. Alles zusammen ergab ein grandioses Menü.
Chregi Hansen
Ausverkauft war an diesem Abend nicht die Sommerbar – hier findet jeder und jede einen Platz. Oder verfolgt das Geschehen notfalls stehend. Ausverkauft war hingegen schon recht früh der Foodtruck. Alle Pizzas waren weg. Vielleicht war dies der Grund, dass David Eriksson seine Schlussnummer am Samstag zeigte. In nur einer Minute verschlang der Schwede eine ganze Pizza.
Vor seinem Auftritt hatten die Organisatoren etwas Bammel. «Man weiss nie, was er macht. Und nicht alles ist jugendfrei», erklärte Andreas Muntwyler. Total aufgedreht, chaotisch und um keinen billigen Gag verlegen agiert Eriksson auf der Bühne und scheut sich nicht, auch mal ein Kind zum Opfer seiner Spässe zu machen. Er bezeichnet sich selbst als Idiot und führt sich als solcher auf – und zeigt nebenbei hochstehende Artistik. Und dies, obwohl all seine Requisiten auf dem Flug verloren gingen. Aber Pingpongbälle gibt es in Wohlen – und diese spielen in seiner Show eine grosse Rolle.
Laute und sanfte Momente
Erikssons Vollgas-Bühnenauftritt stand dabei im krassen Gegensatz zur Nummer von Anaëlle Molinario. Die kleine Französin, welche viele Freiämter von ihrem Gastspiel im Circus Monti kennen, bevorzugt die leisen Töne. Was sie mit ihrem Körper anstellen kann, ist faszinierend und verstörend zugleich. Doch die Artistin begeistert nicht nur mit ihrer Kontorsions-Nummer, sie lässt auch mehrere Reifen gleichzeitig tanzen oder läuft auf Stöckelschuhen über Flaschen. Das alles präsentiert Molinario mit ganz viel Witz und noch mehr Charme – kein Wunder, war das Publikum begeistert.
Viel Applaus gab es aber auch für das Duo Kevin Blaser und Faustino Blanchut. Die beiden Schweizer widmen sich in ihrem Programm urschweizerischen Themen – dem Schwingen und dem Jodeln. Was als Schwingerduell im Anzug beginnt, entwickelt sich aber schnell zu einem artistischen Tanz, bei dem sich die beiden Künstler gegenseitig zu überlisten versuchen. Und auch sie schaffen es fast schon spielerisch, ihre akrobatischen Einlagen mit ganz viel Humor zu präsentieren. An einem Schwingfest gäbe es dafür die Note 10,0. Alles perfekt.
Künstler leben nicht vom Applaus allein
Erstmals gab es am Bühnenfestival Nousu einen Moderator. Der Murianer Künstler Philipp Galizia hatte die nicht einfache Aufgabe, das Publikum vor die Bühne zu locken, eine Verbindung zwischen den so unterschiedlichen Nummern herzustellen und die Anwesenden zu einer Kollekte zu motivieren. «Früher hiess es, der Applaus sei der Lohn des Künstlers. Inzwischen müssen wir uns den mit den Mitarbeitenden der Pflege teilen. Umso wichtiger ist es, dass ihr die Auftretenden auch finanziell unterstützt», machte er deutlich. Dies ist umso wichtiger, als der Besuch der Festivals kostenlos ist. Und die Artisten aus halb Europa angereist sind – nun gut, bei Galizia waren es nur wenige Kilometer. Aber dafür musste er gleich viermal auftreten. «Wir freuen uns, dass wir endlich etwas mit ihm zusammen machen konnten», sagt Muntwyler.
Die 4. Ausgabe von «Nousu» konnte problemlos an die erfolgreichen früheren Festivals anknüpfen. Auch in diesem Jahr haben Andreas Muntwyler und Ulla Tikka der Wohler Sommerbar zwei wunderbare Abende bereitet. Und auch das Wetter spielte diesmal perfekt mit. «Es ist schön, dass wir das hier machen dürfen», sagte denn auch Muntwyler. Bleibt zu hoffen, dass dies auch künftig möglich ist. Und das Festival Nousu zur Tradition wird.







