60 Tonnen an vier Ketten
12.07.2022 WohlenSanierung Nutzenbachstrasse: Gestern wurde der Schmutzwasserkanal eingelegt
Die Arbeiten befinden sich auf der Zielgeraden. Bis im November soll die Nutzenbachstrasse in voller Länge befahrbar sein. Gestern Montag wurde eine weitere wichtige Etappe erfolgreich ...
Sanierung Nutzenbachstrasse: Gestern wurde der Schmutzwasserkanal eingelegt
Die Arbeiten befinden sich auf der Zielgeraden. Bis im November soll die Nutzenbachstrasse in voller Länge befahrbar sein. Gestern Montag wurde eine weitere wichtige Etappe erfolgreich gemeistert.
Chregi Hansen
Und dann hob er ab. Stück für Stück wurde der Betonkanal in die Höhe gehievt, befestigt nur an vier Ketten. 60 Tonnen Gesamtgewicht, verteilt auf wenige Meter, liegen jetzt in den Händen des Kranführers. Langsam schwenkt er den Arm zur Seite, während die Arbeiter unten den Kanal mit Seilen ausrichten. Und noch langsamer senkt sich das Element dann wieder nach unten.
Das Spektakel zieht erstaunlicherweise gar keine Zuschauer an. Einzig die Enten schwimmen weiter im Wasser und lassen sich durch den Lärm und Betrieb nicht stören. «Sonst haben wir regelmässig Leute, die uns bei der Arbeit zuschauen. Man sieht, dass dieses Bauwerk viele interessiert», kann Bauleiter Fabio Vitali berichten. Ab und zu suchen Passanten oder Velofahrer trotz Absperrungen und Schildern den Weg der Bünz entlang – der Mensch ist eben ein Gewohnheitstier. «Dann müssen wir ihnen erklären, dass das im Moment nicht möglich ist», so Vitali, «denn die Sicherheit steht natürlich an oberster Stelle.»
Nur wenige Minuten sind vergangen, seit das schwere Betonbauwerk angehoben wurde. Und schon schwebt es über der geplanten Stelle. «Es ist erstaunlich: Es braucht eine enorm lange Vorbereitung, und dann geht es blitzschnell», meint Mauro Spada, der Projektleiter Kunstbauten. Trotz einer anstehenden Sitzung in Aarau lässt er sich diesen Moment nicht entgehen und ist dabei, wenn der Schmutzwasserkanal im Mattenhofweg über dem Auslauf vom Nutzenbach in die Bünz eingehoben wird. Um dann möglichst schnell in die Kantonshauptstadt zu eilen.
Tatsächlich ist das 60 Tonnen schwere Element jetzt zwar am richtigen Ort. Doch die grosse Herausforderung wartet erst noch. Bevor es definitiv abgestellt wird, ist noch einiges an Millimeterarbeit nötig. Wird da noch etwas abgefräst und dort noch etwas verschoben. «Vor allem die Ausrichtung muss stimmen. Links und rechts haben wir noch etwas Spatzung», erklärt Bauleiter Fabio Vitali. Doch dann ist es geschafft, können die Ketten gelöst werden. Und kann der Kranführer aus der Kanzel steigen und der schwere Pneukran wieder in den Kanton Luzern transportiert werden, von wo er frühmorgens gekommen ist.
Gutes Wetter als Vorteil, weil Bünz wenig Wasser hat
«Wir sind sehr zufrieden mit dem Verlauf der Arbeiten», können Spada und Vitali berichten. Die Unternehmen profitieren vom guten Wetter. «Ja, es ist heiss für die Mitarbeiter. Aber dafür führt die Bünz derzeit nur wenig Wasser», sagt der Bauleiter. Mit dem Einlegen des Kanals wurde ein weiterer Meilenstein erreicht. Wegen des neuen Einlasses des Nutzenbaches in die Bünz musste der bestehende alte Kanal abgebrochen werden und wurde das Wohler Schmutzwasser in den letzten Wochen durch Extraschläuche über die Baustelle gepumpt. «Jetzt erfolgen die Anpassungsarbeiten. In rund zwei Wochen fliesst das Wasser dann durch den Kanal und können die Pumpen wieder abgebaut werden», so der Bauleiter weiter.
Ruhig und konzentriert
Das 60 Tonnen schwere Bauteil wurde vor Ort fabriziert. «Damit sparen wir uns teure Transportkosten», erklärt Projektleiter Spada. Gleichzeitig wurde der Übergang über den Nutzenbach vorbereitet. «Bei solchen Aktionen wird nichts dem Zufall überlassen, wird alles ganz präzise vorbereitet», macht Spada deutlich. Das ist spürbar. Während der ganzen Aktion ist kein lautes Wort zu hören, wird ruhig und konzentriert gearbeitet. Ab und zu ruft vielleicht einer: «Zwei Zentimeter mehr nach links», doch jeder auf der Baustelle weiss genau, was zu tun ist. «Man spürt, dass hier ganz erfahrene Unternehmen am Werk sind», lobt der Projektleiter.
Im kommenden Monat steht dann eine weitere wichtige Etappe an. Dann werden die eigentlichen Brü- ckenplatten eingebaut, auch diese werden vor Ort fabriziert. Zuvor werden noch die Stahlträger montiert und die Ufergestaltung erledigt. Die Brückenplatten sind das letzte grosse Puzzlestück in der Gesamtsanierung der Nutzenbachstrasse respektive Anglikerstrasse. «Im Vergleich zur SBB-Unterführung ist dies aber eine viel einfachere Aufgabe», so Spada. Auch Bauleiter Fabio Vitali ist sehr zufrieden mit dem Verlauf. «Wenn nichts Aussergewöhnliches mehr passiert, können wir die Arbeiten wie geplant im November abschliessen», schaut er voraus. Das werden ganz viele Wohler gerne hören, endet damit doch für sie eine Zeit der vielen Umleitungen.




