So schlecht wie ewig nicht mehr
08.06.2022 Region BremgartenDie Getreidecenter Freiamt AG schliesst das Jahr 2021 trotz schwierigem Umfeld positiv ab
Regen und Hagel machten den Bauern letztes Jahr das Leben schwer. Das hatte Einfluss auf die angelieferte Menge und die Qualität des Getreides. Trotzdem blickt ...
Die Getreidecenter Freiamt AG schliesst das Jahr 2021 trotz schwierigem Umfeld positiv ab
Regen und Hagel machten den Bauern letztes Jahr das Leben schwer. Das hatte Einfluss auf die angelieferte Menge und die Qualität des Getreides. Trotzdem blickt Geschäftsführer Toni Küng auf ein recht gutes Jahr zurück. Die Herausforderungen aber bleiben gross.
Chregi Hansen
Beim Brotgetreide waren es fast 1900 Tonnen oder gut 19 Prozent weniger als im Vorjahr, beim Futtergetreide gar 8000 Tonnen weniger und damit nur halb so viel wie noch 2020. Die geringe Menge war nur das eine. Oft wurde das Getreide feucht angeliefert, musste also erst getrocknet werden. Auch die Qualität war weniger gut als in den Vorjahren.
Dank Investitionen gut auf Kurs
«An ein solch schlechtes Jahr kann sich keiner meiner Kollegen erinnern. Und diese sind teilweise seit über 40 Jahren dabei», sagt Toni Küng. Und doch mag der Geschäftsführer der Getreidesammelstelle nicht jammern. «Der Fairness halber muss man sagen, dass wir zuvor drei sehr gute Jahre hatten», erklärt er. Aber natürlich, für die Produzenten sei ein solches Jahr ein harter Schlag.
Die Sammelstelle selber hingegen kann das Jahr positiv abschliessen. Der Jahresgewinn beträgt 114 000 Franken und ist damit doppelt so gross wie im Vorjahr. Durch die treuen Kunden und hohen Annahmemengen in den Vorjahren konnten Reserven gebildet werden, von denen das Unternehmen nun profitieren kann. Trotzdem blieb man gefordert. Dies besonders auch durch die grosse Zahl der verschiedenen Getreidesorten mit ihren Klassen und Labels, die alle unterschiedlich getrocknet und gelagert werden müssen. «Zum Glück haben wir in den vergangenen Jahren immer investiert, das zahlt sich jetzt aus», sagt Küng.
Bahngleis unbedingt erhalten
Das war im vergangenen Jahr nicht anders. Auf den beiden grössten Gebäuden wurde eine Fotovoltaik-Anlage installiert, im Silo 2 wurde der Camion- und Bahn-Verlad ausgebaut, im Silo 1 wurde ein grosser Trockner saniert. Dazu wurden das Büro und der Personalraum saniert. Gute Aussichten bestehen auch für den Gleisanschluss, der für die Sammelstelle sehr wichtig ist. «Das Getreide wird mit Traktoren angeliefert, aber ein grosser Teil im Lebensmittelbereich wird dann per Bahn wegtransportiert», erklärt Küng. Die AVA als Besitzerin überlegt sich eine Sanierung der Gleise, an der sich die Sammelstelle beteiligen müsste. «Mit dem Bahnanschluss können viele Lastwagenfahrten verhindert werden», macht der Geschäftsführer die Vorteile deutlich.
Preise steigen, aber die Produktionskosten auch
Neben dem schlechten Wetter gab es in den letzten Jahren ein weiteres Problem. Durch die tiefen Preise wurden vermehrt ertragsstarke Sorten angepflanzt. So besteht in der Klasse 2, auf die in den letzten Jahren viele Landwirte setzten, ein Überangebot, was einen Einfluss auf die Preise hat. Küng hat ein gewisses Verständnis für die Bauern. «Sie wissen aus Erfahrung, welche Sorten gute Erträge liefern auf ihren Böden. Kein Wunder, dass sie daraufsetzen», sagt er. Es mache aber Sinn, dass ein Teil davon vermehrt Sorten anbaut, die mit kurzen Transportwegen vermarktet werden können.
Ein Thema ist auch der Krieg in der Ukraine. Dieser hat zur Folge, dass die Preise für Getreide steigen. Können sich die Landwirte jetzt also die Hände reiben? Nein, sagt Küng, denn auch die Produktionskosten steigen. Angefangen beim Diesel für den Traktor bis zum Preis für Düngungsmittel, für die jetzt schon der dreifache Preis zu bezahlen ist. Immerhin, mit einem Mangel rechnet Küng für die Schweiz nicht. Die Inlandproduktion macht in einem guten Jahr bis zu 80 Prozent aus. Hungern müsse der Schweizer also nicht. Aber: Die ausfallenden Lieferungen aus der Ukraine betreffen andere Länder, beispielsweise in Nordafrika. «Wir müssen vielleicht etwas mehr bezahlen fürs Brot. Diese Menschen haben gar kein Brot mehr. Es ist damit zu rechnen, dass es zu neuen Flüchtlingsströmen kommt», schaut der Geschäftsführer voraus.
«Wir sind gut aufgestellt»
Die Aussichten für dieses Jahr sind gut. In den nächsten Wochen hat das Wetter aber noch einen sehr grossen Einfluss auf die Menge und die Qualität. «Bisher blieben wir von grösseren Hagelzügen verschont. Von daher rechnen wir wieder mit einer guten Ernte.» Insgesamt schaut Toni Küng positiv in die Zukunft, trotz der geringen Menge im Vorjahr. «Wir sind gut aufgestellt und positioniert im Mark», sagt er. Und freut sich schon jetzt auf die bald beginnende Erntezeit, wenn die Sammelstelle wieder zum Hotspot der Region wird.

