Rückkehr nach 80 Jahren
03.06.2022 WohlenEin Storchenpaar nistet auf Wohler Gemeindegebiet
Schon lange hatte Kurt Meier das Ziel, in Wohlen den Storch wieder anzusiedeln. Im Februar 2019 stellte er mit Freunden zwei Nester beim Hochwasserdamm auf. Drei Jahre später ist eines davon endlich ...
Ein Storchenpaar nistet auf Wohler Gemeindegebiet
Schon lange hatte Kurt Meier das Ziel, in Wohlen den Storch wieder anzusiedeln. Im Februar 2019 stellte er mit Freunden zwei Nester beim Hochwasserdamm auf. Drei Jahre später ist eines davon endlich bewohnt.
Chregi Hansen
Bis 1941 hatte Wohlen regelmässig Besuch von Storchenpaaren. Auf dem Dach des alten Bez-Schulhauses gab es gleich vier Nester, die regelmässig genutzt wurden. Mit dem Umbau des Gebäudes und des Dachs wurden diese entfernt. «Ein Nest wurde anschliessend bei der Familie Galli an der Unteren Halde aufgestellt. Darin stand dann ein Storch, aber kein echter», erzählt Kurt Meier.
81 Jahre ist es das her. Seither sind in Wohlen keine nistenden Störche mehr bekannt. Bis vor wenigen Wochen. Ende März hat sich ein Paar eines der beiden Nester beim Hochwasserdamm ausgesucht. «Seither erhalte ich fast täglich Bilder zugeschickt. Die Leute haben extrem Freude», berichtet der frühere Transportunternehmer. Er selber schaut ebenfalls regelmässig vorbei. «Es ist schön zu sehen, dass sich die Bemühungen gelohnt haben.»
Freude auch beim Kanton
Lange musste er auf diesen Moment warten. Im Februar 2019 hat er zusammen mit seinen beiden Brüdern und vielen Freunden die zwei Nester aufgestellt. Doch ganz so einfach war das nicht. «Wer ein Storchennest bauen will, der braucht eine Bewilligung vom Kanton», erklärt Meier. Darin sind beispielsweise die notwendige Höhe oder auch der Durchmesser des Nestes vorgeschrieben. Meiers Glück: Silvio Moser, Projektleiter der Sektion Wasserbau beim Kanton, fand die Idee gut. Meier schickte Moser aktuelle Bilder, die Reaktion kam prompt. «Herzlichen Dank für die Fotoaufnahmen und auch nochmals für Ihre damalige Initiative. Ich freue mich, dass die Störche nach Wohlen gefunden haben und habe im Gang bei uns bereits ein Foto aufgehängt», schrieb der Projektleiter zurück.
Er selber ist erstaunt, dass es so schnell ging. Mit fünf Jahren Wartezeit hatte er gerechnet. Der Vorteil: Störche gelten eher als faul, bauen ungern eigene Nester, sondern nutzen bereits vorhandene. Es war also nur eine Frage der Zeit, bis sie das Angebot in Wohlen entdecken. Seit dem Aufstellen der Nester auf dem Hochwasserdamm haben Spaziergänger immer wieder interessiert verfolgt, was sich tut. Obwohl auf den Feldern zwischen Wohlen und Waltenschwil teilweise viele Störche auf Nahrungssuche sind, wurden die angebotenen Wohnmöglichkeiten lange verschmäht. Zwischendurch hatten sich sogar Raubvögel eingenistet. Nun aber hat das Warten ein Ende.
Einst fast ausgerottet
Die Geschichte des Storches in der Schweiz ist eine bewegte. Um 1900 waren im schweizerischen Mittelland rund 140 Nester bekannt, in denen regelmässig gebrütet wurde. Bis 1949 ging der Bestand auf ein einziges Paar zurück und 1950 blieb auch dieser letzte Horst verwaist. Heute leben hierzulande über 800 Brutpaare, deutlich mehr als Anfang des 20. Jahrhunderts. Auch im Freiamt ist der grosse Vogel wieder heimisch. Vor allem im Murimoos, zuletzt aber auch in Sarmenstorf und Niederwil. Und nun also auch wieder in Wohlen.
Im Winter steht ein Wohnungsputz an
Kurt Meier hat grosse Freude. Er will mit seinem unentgeltlichen Einsatz etwas leisten für die Natur. Zudem verpflichtet er sich als Storchenvater, die Nester regelmässig zu unterhalten. Im kommenden Winter ist dies erstmals nötig. Vor allem eines der beiden Nester hat durch Stürme und Regen gelitten. Vorerst aber wartet er ab, wie es mit der Familie in «seinem» Nest weitergeht. Und er ist damit nicht allein, wie die vielen Bilder beweisen, die auf seinem Handy eintreffen.



