Mit der Klimabrille unterwegs
17.06.2022 WohlenDer Klimaspaziergang soll motivieren, am Projekt «3-2-1-heiss!» mitzuwirken
Wo befinden sich die heissesten Plätze oder die angenehmsten Rückzugorte? Dies wollen Interessierte anhand von Messungen auch in Wohlen ...
Der Klimaspaziergang soll motivieren, am Projekt «3-2-1-heiss!» mitzuwirken
Wo befinden sich die heissesten Plätze oder die angenehmsten Rückzugorte? Dies wollen Interessierte anhand von Messungen auch in Wohlen ermitteln.
Monica Rast
Eine besondere und neue Herausforderung des Klimawandels stellt sich bei der Siedlungsentwicklung: Wo befinden sich die Hot-Spots, welche Grün- und Freiräume sind wichtig für die Kaltluftproduktion? Umsetzbare Lösungen sind gesucht.
Vom 13. bis 31. August messen freiwillige Privatpersonen und Schulen im Rahmen eines Citizen-Science-Projekts an gut frequentierten Orten die Lufttemperatur. Die Daten werden ausgewertet und der Gemeinde Wohlen übergeben. Diese dienen als Handlungsgrundlage für Massnahmen zur Hitzeminderung wie Bäume pflanzen, Integration von Wasserelementen oder Entsiegelung von Asphaltf lächen. Je mehr Freiwillige mitmachen, umso genauere Daten können gesammelt werden.
Gespür entwickeln
Um möglichst viele Einwohnerinnen und Einwohner zu animieren, mitzumachen, organisierte die Gemeinde Wohlen diesen Klimaspaziergang. Nur wer es mit eigenen Augen sieht, kann auf dieses Thema sensibilisiert werden. «Ihr sollt ein Gespür für das Warum und Wieso bekommen», meinte Martina Siegrist vom Naturama Aargau, die den Spaziergang führte. Die erhaltenen Tipps vom Spaziergang sollten weitererzählt und im eigenen Garten umgesetzt werden, aber vor allem Werbung für «3-2-1-heiss!» machen. Bei der Abschlussveranstaltung kann man sich dann mit anderen Teilnehmenden austauschen, mit dem Gedanken, sich für eine gute Sache eingesetzt zu haben.
Mit Messgeräten auf der Jagd
Ein Citizen-Science-Projekt zum Thema «Hitze im Siedlungsraum»
Die Klimakarten zeigen es auf: Es wird immer wärmer. Mit einem informativen Spaziergang möchte man Einwohner zum Mitmachen einer Studie bewegen.
Monica Rast
Die zunehmende Hitze wirkt sich im Siedlungsraum besonders stark aus und die Temperaturen können bis zu zehn Grad höher ausfallen als in der umgebenden Landschaft. Das Phänomen der sogenannten Hitzeinseln in dicht bebauten Gemeinden tritt immer häufiger, länger und intensiver auf. Mit dem Projekt «3-2-1-heiss!» gehen fünf Aargauer Gemeinden, Baden, Buchs, Windisch, Wohlen und Zeihen, den Ursachen nach. Als Citizen-Science-Projekte werden Methoden und Fachgebiete der Wissenschaft bezeichnet, bei denen Forschungsprojekte unter Mithilfe von interessierten Laien durchgeführt werden. Dies können Einwohner, aber auch Schüler sein. Um möglichst viele für das Projekt zu sensibilisieren, fand ein Klimaspaziergang durch Wohlen statt, der aufzeigen soll, wo möglicher Handlungsbedarf besteht.
Einwohner sind gefragt
Unter der Leitung von Martina Siegrist, Naturförderung Naturama Aargau, begaben sich zwölf Interessierte, mit Messgeräten ausgerüstet, auf die Spur unterschiedlicher Temperaturen. Der Weg führte vom Schulhaus Junkholz in die angrenzenden Quartiere bis ins Zentrum von Wohlen. Der Klimaspaziergang soll möglichst viele Einwohner motivieren, am Projekt «3-2-1-heiss!» mitzuwirken.
Kinder und ältere Menschen sind klimaempfindlicher.
Gleich zu Beginn versetzten die gemessenen Temperaturen die Anwesenden ins Staunen. Ist der Rasen an der Sonne bereits um die 30 Grad, betrug die Temperatur bei den Verbundsteinen bereits über 40 Grad. «Wenn man die Hand auf den Boden legt und es fühlt sich wärmer an, ist die 30-Grad-Marke bereits überschritten», gab Siegrist den Tipp zur Einschätzung der Temperatur. Bei der Klimaoase im Schulhaus Junkholz zeigten die Messgeräte kurz nach 12 Uhr bereits Temperaturen zwischen 40 und 50 Grad.
Kinder und ältere Menschen sind klimaempfindlicher. Sie gilt es zu schützen und deshalb sollte man bei Schulhäusern, Alters- und Pflegeheimen bei zukünftigen baulichen Massnahmen eine Klimaanpassung vornehmen. Früher baute man dicht, um sich vor Kälte im Winter zu schützen. «Jetzt ist es nicht mehr zu kalt im Winter, sondern zu heiss im Sommer», meinte Siegrist und zeigte dies an unterschiedlichen Diagrammkarten. Folien zeigen auf, wie sich die Temperaturen verändert haben. Von Blau zu Rot.
Gab es vor rund 20 Jahren noch 10 Hitzetage, das heisst mit mehr als 30 Grad, sind es jetzt bereits 20 solcher Tage. Dazu kommen noch die Tropennächte von um die 20 Grad. «Wir müssen uns darauf vorbereiten, dass solche Tage nicht weniger werden», meinte sie. So sei es wichtig, sensible Personen zu schützen und dementsprechend Planungen anzupassen.
Aufruf zum Mitmachen
Auf dem Spaziergang durch die Quartiere bemerkten die Teilnehmer, dass es in den neueren Teilen bereits wärmer war als in dem älteren, wo es noch mehr Grün und vor allem Bäume hat. Vieles können Privatpersonen in ihren Gärten dazu beisteuern und gleichzeitig die Biodiversität fördern. So wurden die Teilnehmer des Spaziergangs mit vielen Informationen gefüttert, aber vor allem motiviert, ihre Erkenntnisse weiterzutragen, um möglichst viele Teilnehmer, die an der Studie im August mitmachen, zu finden.
«Die anschliessenden Informationen sind auch für den Gemeinderat wichtig», meinte Gemeindeammann Arsène Perroud. «Es haben sich bereits zwei Schulklassen angemeldet», wusste Roger Isler, Leiter Umwelt und Energie, zu berichten. So wird auf eine grosse Teilnahme an der Studie gehofft, die vom 13. bis zum 31. August dauert. Jeder kann mitmachen und die Temperatursensoren werden zur Verfügung gestellt.
Information und Anmeldung auf: heiss@catta.ch.



