Ist dieser Baum die Zukunft?
21.06.2022 DintikonFachveranstaltung im Wald des Forstbetriebs Rietenberg in Dintikon
Die Douglasie gilt als besonders klimaresistent. Wie viel Hoffnung darf man in diese Baumart setzen? Ein Waldrundgang in Dintikon brachte interessante Informationen hierzu. Denn hier weiss man, wovon man ...
Fachveranstaltung im Wald des Forstbetriebs Rietenberg in Dintikon
Die Douglasie gilt als besonders klimaresistent. Wie viel Hoffnung darf man in diese Baumart setzen? Ein Waldrundgang in Dintikon brachte interessante Informationen hierzu. Denn hier weiss man, wovon man spricht.
Auf Einladung von Wald Schweiz, der Holzindustrie Schweiz HIS und der Schweizerischen Hochschule für Landwirtschaft HAFL fand im Rietenberg bei Dintikon eine interessante Waldbegehung zum Thema Douglasie statt. Und das aus gutem Grund. Denn es gibt wohl keinen schöneren Douglasienbestand mit Naturverjüngung in der Schweiz als im Rietenberg ob Dintikon.
Hier stehen sie, die borkigen, pfeilgeraden Riesen, die bis 60 Meter hoch und 150 Zentimeter breit werden können und pro Stück bis zu 30 Kubikmeter hochwertiges Holz hergeben. Gleich buschweise sind sie umringt von aufkommenden Jungbäumen, die ohne menschliches Zutun gedeihen. «Wichtig hierfür ist der Untergrund, eine silikatführende Rissmoräne», sagte Peter Ammann, Co-Fachstellenleiter Waldbau im Bildungszentrum Wald in Lyss. «Sauer müssen die Standorte sein, ansonsten hat die Douglasie Mühe.» Immerhin trifft dieses Bild des Untergrunds auf rund die Hälfte des Schweizer Mittellandes zu. Grund genug, sich mit diesem Baum näher zu beschäftigen.
Achtung Hirsch
Matthias Bruder, Leiter des Forstbetriebes Rietenberg, kennt die Geschichte der Douglasienkolonie im Rietenberg. «Interessant ist, dass in den 30er-Jahren des letzten Jahrhunderts in diesem Wald kaum die Rede von Douglasien war», erklärte er. Ein Grund könnte darin liegen, dass in jener Zeit ein Schüttepilz den Douglasien arg zusetzte. «Auch wenn die Douglasie momentan wenig von Schädlingen bedroht ist, kann so ein Szenario immer wieder eintreffen», meinte Peter Ammann. Mehr Angst macht aber der Hirsch, der seit Kurzem auch im Aargau anzutreffen ist. Hirsche hinterlassen an den Douglasien enorme Schäl- und Fegschäden. Wo sie heimisch sind, müssen die Bäume aufwendig geschützt werden. Klar ist: Ohne Regulation der Hirschbestände kann die Douglasie nicht überleben.
Wertvolles Nischenprodukt
Trotzdem: Der Baum macht Freude. Nicht nur ist der Anblick interessant, auch der Preis. Bis zu 400 Franken pro Kubikmeter können für die schönsten Stücke gelöst werden. Gut auch, dass die Rietenberger Bäume bis weit hinauf wertgeastet sind. «Vor einigen Jahrzehnten war Brennholz hochbegehrt. So kamen die Bauern in die Wälder und ernteten Douglasienäste», sagte Matthias Bruder. Im Nachhinein gesehen eine Win-win-Situation.
Auch sorgt die Douglasie für ein stufiges Waldbild. Da es bei der Douglasie keine Stockaussschläge und auch keine Wurzelbrut gibt, ist sie auch nicht invasiv. Zudem ist sie extrem sturmresistent, und wenn sie fällt, dann als ganzer Stamm, ohne zu brechen. Und doch, die Fichte und Tanne als Brotbaum der Holzindustrie ablösen wird die Douglasie nicht. Im Aargau macht der Douglasienbestand rund 1,6 Prozent aus, in der gesamten Schweiz sind es fünfmal weniger. Ganz abgesehen davon, dass die Zeiten von Monokulturen in den Schweizer Wäldern definitiv vorbei sind, ist es klar, dass die Douglasie nur einzeln oder truppweise angepflanzt werden soll.
Bund eher kritisch eingestellt
Sodann gibt es diverse kantonale Verordnungen, die das Einbringen von Gastbaumarten, zu denen die Douglasie zählt, einschränken. Auch ist das Bundesamt für Umwelt, BAFU, der Douglasie gegenüber eher kritisch eingestellt. «Wir setzen auf Baumarten, die naturverjüngt aufkommen», sagte der ebenfalls anwesende Robert Jenni, Sektion Waldleistungen und Waldpflege. Das tut die Douglasie nur bedingt. Immerhin können die zusätzlichen Fördergelder, die der Bund erst kürzlich gesprochen hatte, nun auch der Douglasie zugutekommen.
Wie auch immer, Matthias Bruder zählt weiterhin auf die Douglasien in seinem Forstrevier und kann nur empfehlen, diesem Baum eine Chance zu geben. «Wenn es zu aufwendig wird, hört man von selbst wieder auf», sagte er. Wenn es aber passt, wie im Rietenberg, «ergänzen Douglasien den Waldbestand auf wertvollste Art und Weise». --zg

