Ein Fest für alle
24.05.2022 BremgartenWie Bremgarten am Wochenende das 200-jährige Bestehen seiner Promenade feierte
Der Ortsbürgertag stand am Ursprung und im Zentrum einer bunten dreitägigen Feier, die letztlich für alle etwas zu bieten hatte und dem Städtli ein Wochenende voller ...
Wie Bremgarten am Wochenende das 200-jährige Bestehen seiner Promenade feierte
Der Ortsbürgertag stand am Ursprung und im Zentrum einer bunten dreitägigen Feier, die letztlich für alle etwas zu bieten hatte und dem Städtli ein Wochenende voller guter Laune bescherte.
Marco Huwyler
Bereits am frühen Freitagabend waren beim Bremgarter Altstadteingang von weit her fröhliche Stimmen und Gelächter zu vernehmen. Prächtiges Frühsommerwetter und der feine Duft, der vom Grill herüberwehte, sorgten dafür, dass es so manchen Bremgarter nach der Arbeit direkt zum Festzelt beim Stadtschulhausplatz zog. Wobei es dieses eigentlich gar nicht bedurft hätte. Denn auch Petrus war in Feierlaune. Das Promenadenfest wurde nicht nur an diesem Abend, sondern an allen drei Festtagen von Gewittern verschont. So versammelte sich das Gros der Anwesenden unter freiem Himmel neben dem Pyramidenbrunnen und wippte bei Feierabendbier und Fackelspiess zur launigen Musik von «Schwegi and Friends».
«Wir waren fast ein bisschen überrascht, wie viele Menschen zu uns kamen», berichtet Walter Stierli von Hømzgø lächelnd und hochzufrieden. «Der kleinste Verein Bremgartens» war sowohl am Freitag als auch am Samstagabend für den Festwirtschaftsbetrieb zuständig. «Es war der Hammer», bilanziert Stierli. «Der Kraftakt hat sich für uns auf jeden Fall gelohnt. So eine schöne Feierstimmung habe ich in Bremgarten schon länger nicht mehr erlebt.»
Der grosse Andrang, den die ehemaligen Jungwächter zu bewältigen hatten, sorgte dafür, dass am Freitagabend gar kurzzeitig der Biervorrat ausging. Während hier jedoch rasch für Abhilfe gesorgt war und der Nachschub rasch eintraf, war dies bei der Verpflegung irgendwann im Verlauf des Wochenendes nicht mehr möglich. Hømzgø verkauften sämtliche ihrer beliebten Fackelspiesse. «Insgesamt 300», erzählt Stierli. «Aber wir hätten wohl noch einige mehr verkaufen können.»
Dafür sorgte gewiss auch der zweite Live-Act am Samstag, der durch ein ganz spezielles audiovisuelles Erlebnis nach dem Eindunkeln viele Schaulustige und Partybegeisterte zum Stadtschulhaus lockte. Jan Becker alias Simon Miles Licht, Effekt und Musik-Show, sorgte für Disco-Flair und Spektakel im Herzen Bremgartens. «Ich fand ihn mega. Er hat meine hohen Erwartungen auf jeden Fall erfüllt», sagt Mitorganisator Tschösy Meier nach dem Auftritt des DJ-Youngsters. «Ich denke, dass wir künftig sicher noch einiges von ihm in Bremgarten hören werden.»
In Erinnerungen schwelgen
Während angesichts solch fröhlicher Festivitäten und musikalischer Einlagen an den beiden Abenden fast ein wenig in den Hintergrund geriet, was der Anlass für Bremgartens Festgewand war, stand der Samstag ganz im Zeichen der Gefeierten. Der Bremgarter Promenade.
Bereits am Neuzuzügeranlass vom Samstagmorgen wurden die geladenen Bremgarter Neuankömmlinge dahingehend informiert, dass die spezielle Gartenanlage, die den Menschen den bequemen, parkähnlichen und erlebnisreichen Zugang zur Reuss ermöglicht, ihren 200. Geburtstag feiert. Rund 120 von ihnen wurden in sechs Gruppen durchs Städtli geführt und erfuhren dabei allerlei Spannendes über ihre neue Heimat.
Ungleich mehr Vorwissen von und über Bremgarten brachten dann die geladenen Gäste des Nachmittags mit sich. Die Ortsbürger begingen ihren jährlichen Anlass mit einer Führung entlang der Promenade, die vor zwei Jahrhunderten von ihnen errichtet worden war. Viele der Ortsbürger haben zahlreiche Etappen und Meilensteine in der Geschichte der Naherholungsanlage miterlebt und wurden entsprechend gerne daran erinnert. Alt-Stadtammann Robert Bamert war neben Oliver Burgunder und Leonz und Nico Küng einer der Führer, welche die Anwesenden auf einem Rundgang auf die Reise durch Geschichte, Aufbau und Gegenwart der Promenade mitnahm. Zahlreiche Anekdoten schmückten seine Ausführungen – und wurden von den geführten Ur-Bremgartern entsprechend ergänzt und kommentiert. So folgte etwa auf den Hinweis Bamerts, wonach die Schulkinder früher direkt vom Stadtschulhaus den Hang hinunter bis zum Reussufer gerannt seien, ein belustigtes «Ja, das isch schön gsi!» einer älteren Dame – gefolgt von zustimmendem Gelächter vieler Beteiligter.
Nach dem Spaziergang, der allerlei Wissenswertes über Botanik und Historie vermittelte und die Teilnehmer zum Partizipieren einlud (beispielsweise wurde anhand des Umfangs, das Alter einiger Baumexemplare verschiedener Sorten ermittelt, um herauszufinden, ob der entsprechende Riese allenfalls schon zu Gründungszeiten gepf lanzt wurde), traf man schliesslich auf dem Areal der einstigen Fluss-Badi ein, wo der Spaziergang der Erinnerungen seine Fortsetzung und seinen Höhepunkt nahm.
Reuss voll Blut
Ruth Hirt und Heinz Koch haben einiges erlebt in und um Bremgarten. So auch mit der Promenade, die bis vor 52 Jahren noch mit einer Flussbadi ausgestattet war. «Danach wurde sie aus Hygienegründen geschlossen», erzählt Koch – was wohl auch besser so war. «Die Wasserqualität liess oft zu wünschen übrig. Die Reuss wurde kaum gereinigt, vieles gelangte ungefiltert in den Fluss und so war das Wasser nicht selten braun vor lauter Fäkalien», berichtet Koch von den unappetitlichen Zuständen. Und Hirt ergänzt: «Wenn sie in Zufikon grad ‹gmetzget› haben, manchmal auch rot. Einmal kam mir beim Schwimmen sogar eine tote Sau entgegen.»
Die Ausführungen der beiden bilden den Abschluss des Rundgangs der Ortsbürger, welche den Zeitzeugen gespannt und belustigt zuhörten. Der Bericht der alten Zeiten, bevor man das Baden und Schwimmen in Bremgarten in die Anlage Isenlauf verlegte, offenbarte manch spannendes Detail. So auch in puncto Bademode und Freizügigkeit. «Männlein und Weiblein waren stets strikt getrennt», erinnert sich Hirt. Angesichts der damaligen Prüderie auch eine Zwangsläufigkeit, wenn man den Ausführungen der 90-Jährigen lauscht. «Die Badekleider damals gingen zwar bis zu den Knien und hatten Ärmel aber sie waren aus Baumwolle, sodass sich nach dem Schwimmen das Darunterliegende bestens sichtbar abzeichnete», erzählte sie amüsiert.
Nahtloser Übergang
Nach dem Exkurs in die Stadtgeschichte widmete man sich schliesslich auch bei den Ortsbürgern dem leiblichen Wohl. Unter der salbungsvollen Ansprache des Stadtammanns und den schwungvollen Klängen der Stadtmusik nahm man das traditionelle «Zobig» zu sich und vermischte sich anschliessend mit fortschreitender Zeit nahtlos mit den herannahenden, festlich gestimmten Nicht-Ortsbürgern. So vereinten sich schliesslich Generationen und Gruppierungen unter und vor dem Festgelände beim Stadtschulhausplatz. Manch einer blieb bis zum Auftritt Simon Miles und dürfte nach diesem langen, vollbepackten Promenaden-Tag entsprechend gut geschlafen haben.
Gemütlicher Sonntag
Am Sonntag schliesslich sorgte die Reussbühne mit ihrem Programm aus Cervelat-Bräteln, Bodypainting und Musik für einen gemütlichen und doch stimmungsvollen Abschluss des Promenadenfestes, bei dem auch Kinder und Familien nochmals auf ihre Kosten kamen. Die Schülerband und die Gruppe «Ü60» spielten unter der Leitung von Elisabeth Sulser in immer wieder anderen Formationen. «Es ist zwar nicht mehr so viel los wie an den anderen beiden Tagen, aber die Kinder haben Freude», sagte ein zufriedener, aber auch ein wenig erschöpfter Tschösy Meier, der als Initiator und Organisator des Promenadenfestes praktisch das ganze Festprogramm mitmachte.
Am Ende durfte «Tschösy» konstatieren, dass das Promenadenfest ein rundum gelungener Anlass ohne negative Zwischenfälle war, der für jeden etwas bereithielt und für viele schöne, erinnerungswürdige Momente sorgte.






