Bäume sind Sympathieträger
06.05.2022 Wohlen«Site Visit» liefert Beispiele für den Umgang mit Trockenheit und Klimawandel in einer Begehung mit Fachpersonen
«Site Visit im Aargau» zeigt das Spannungsfeld unterschiedlicher Interessen vom Wassermanagement auf. Diese Veranstaltung fand nach Genf ...
«Site Visit» liefert Beispiele für den Umgang mit Trockenheit und Klimawandel in einer Begehung mit Fachpersonen
«Site Visit im Aargau» zeigt das Spannungsfeld unterschiedlicher Interessen vom Wassermanagement auf. Diese Veranstaltung fand nach Genf und Luzern nun auch in Wohlen statt. Gleich drei Pilotprojekte konnten auf einem Rundgang in Wohlen aufgezeigt werden.
Monica Rast
Trockenheit in der Landwirtschaft, heftige Regenfälle oder Hitze in Städten sind Folgen des Klimawandels. Die Anpassung ist eine Herausforderung und stösst immer wieder auf Konflikte verschiedener Interessen. Diese gilt es gemeinsam zu lösen. Mit verschiedenen Pilotprogrammen versucht man nun zu sensibilisieren und aufzuklären. Rund 50 Fachpersonen nahmen an diesem Anlass am vergangenen Dienstag teil. Referate, Diskussionen, Poster Pitches verschiedener Projekte und Workshops mit Fachleuten standen auf dem Programm.
Am Nachmittag fand ein Rundgang statt, bei dem den Teilnehmenden anhand von konkreten Projekten die Möglichkeiten und Grenzen für die landwirtschaftliche Entwicklung unter trockenen Klimabedingungen, Hochwasserschutz integriert in die Landnutzung und hitzeangepasste Gemeindeentwicklung präsentiert wurden. Es wurde aufgezeigt, wie die Gemeinde Wohlen mit steigenden Temperaturen, Trockenheit und Hochwasser umgeht.
Beeindruckender Rundgang
Nach der Begrüssung durch den Gemeindeammann Arsène Perroud begab man sich auf einen Rundgang mit drei Stationen, vom Sonnhaldenhof über das Hochwasserrückhaltebecken zum Schulhaus Junkholz. Fachpersonen gaben ihr Wissen weiter.
Christian Wohler, Landwirtschaftliches Zentrum Liebegg, stellte eine Frage zwischen Rollomat und Tröpfchenbewässerung der Familie Kuhn auf der Sonnhaldenhofanlage: «Warum bewässern?» Qualitäts- und Ertragssicherung sind die ausschlaggebenden Kriterien. Wer Grosslieferanten beliefert, muss einen gewissen Standard einhalten, was unter Umständen eine Bewässerung erfordert. Dies vor allem bei Gemüse und Beeren. «Der Landwirt bringt kein Wasser aus, wenn es nicht nötig ist», erklärt Wohler, «deshalb werden nur Kulturen bewässert, wo die Ertragswertschätzung gewährleistet ist.» Schnell sind die jeweiligen Vor- und Nachteile der Bewässerungsmöglichkeiten erklärt. Dazu meinte Christian Wohler, man müsse offen sein für neue Ideen beim Wasserverbrauch. Zum Beispiel wasserspeichernde Elemente im Boden. «Für mich ein Herzensprojekt», meinte Wohler und sieht hier noch Potenzial bei der Landwirtschaft.
Trotz unterschiedlichen Interessen realisiert
Das Hochwasserrückhaltebecken war ein Projekt mit vielen Beteiligten, die zufriedengestellt werden mussten, und sorgte auch dementsprechend für Spannungen zwischen den einzelnen Parteien. Silvio Moser, Sektion Wasserbau Aargau und Projektleiter, erklärte das Projekt. «Verschiedene Standorte wurden geprüft», meinte er. Favorit war ein Ort oberhalb Bünzen. «Alle waren einverstanden, nur die Gemeinde Bünzen nicht», erklärte Moser weiter.
Somit musste man nochmals über die Bücher und man entschied sich dann für Wohlen, da hier auch das grösste Schadenpotenzial war. Die Gemeinde Wohlen zeigte eine grosse Lösungsbereitschaft. Es wurde viel Zeit in eine für alle Beteiligten bestmögliche Lösung investiert. «Wir hatten Glück, dass die Wohler Ortsbürger Land für einen Realersatz anbieten konnten», erklärte Gemeindeammann Perroud. Dadurch konnten die Landwirte für das Projekt gewonnen werden. Zudem wurde eine Entschädigung bei einer Überf lutung vertraglich festgehalten.
Mit Bäumen klimafreundlich kühlen
Die Grundidee des im Schulhaus Junkholz vorgestellten Projektes durch Thomas Baumann, Naturama Aargau, war, dass sich Gemeinden im Kanton Aargau gegenseitig anregen, kleine Klimaoasen zu realisieren. Während der Projektdauer sind so 25 solche Oasen entstanden, unter anderem auch diese im Junkholz. «Der Aufwand, die Gemeinden zu überzeugen, wurde unterschätzt», musste Baumann zugeben, «aber als es dann so weit war, wurden einige schnell realisiert.» Während früher die Bäume Mehrarbeit bedeuteten, sieht man heute eher ihren Nutzen. «Bäume sind Sympathieträger, die immer mehr geschätzt werden», erklärte Baumann. Damit sich noch mehr Gemeinden für solche Oasen entscheiden, wird ein neues Projekt geplant – «Den Wald in die Stadt holen».
Auch im Zentrum Wohlen möchte man mehr Bäume pflanzen, doch die Bedingungen sind nicht optimal. Viele Werkleitungen im Boden verhindern Anpflanzungen. Deshalb ist es laut Baumann wichtig, dies in neuen Siedlungsgebieten zu berücksichtigen.
Die Natur darf wirken
Wie sich die Natur ihren Lebensraum zurückholt, wurde eindrücklich von Roger Isler, Leiter Umwelt und Energie, bei der ehemaligen Tartanbahn im Junkholz erklärt. Die sanierungsbedürftige Bahn wurde entfernt, und da die Kieskammern sauber waren und es mittelfristig keine Verwendung für den freien Platz gab, entstand so ein Ort für Natur und Biodiversität, den auch die Schulen für verschiedene Projekte in Flora und Fauna nutzen können. Die Fläche wurden mit jungen Bäumen, Stauden, Sträuchern und Totholz angereichert. Bei genügend Regen entsteht sogar ein kleiner Tümpel. Die kleine Oase steht zur Benützung frei. «Natürlich mit dem entsprechenden Respekt», erklärte Isler. Der zweite Teil dieser neuen Fläche entsteht nach der Sanierung der Turnhalle. Bis dahin hat die Natur Zeit, sich ausgiebig auszubreiten, um neuen Lebensraum zu bilden. Ein eindrücklicher Rundgang, bei dem sich die Teilnehmenden mit vielen positiven Tipps und Erfahrungen für ihre eigenen Projekte eindecken konnten.



