Herausfordernd – aber auf Kurs
22.04.2022 WohlenGrossprojekt Schulzentrum Halde: Von der schwierigen Lage auf dem Bausektor (noch) nicht betroffen
Ausgerechnet vor dem Start des Grossprojektes Halde hat sich die Lage auf dem Bausektor verschlechtert. Bisher spürt man noch keine negativen Auswirkungen. Der ...
Grossprojekt Schulzentrum Halde: Von der schwierigen Lage auf dem Bausektor (noch) nicht betroffen
Ausgerechnet vor dem Start des Grossprojektes Halde hat sich die Lage auf dem Bausektor verschlechtert. Bisher spürt man noch keine negativen Auswirkungen. Der Gemeinderat gibt sich einigermassen gelassen.
Daniel Marti
Die Situation auf dem Bausektor ist angespannt. Lieferengpässe und Verzögerungen machen die Situation für Bauherren nicht einfach. Und die Preise schnellen in die Höhe. Wer jetzt baut – so wird vielfach gewarnt –, muss mit einer negativen Preisentwicklung rechnen. Alles wird teurer.
Und wer Grossprojekte realisiert, der muss grössere Preisschwankungen nach oben berücksichtigen. Ausgerechnet in dieser Situation nimmt die Gemeinde Wohlen das grösste und umfangreichste Projekt ihrer Geschichte in Angriff. 56 Millionen Franken sind für die Sanierung und Erweiterung des Schulzentrums Halde gemäss Kostenvoranschlag vorgesehen. Vor der gegenwärtigen und unsicheren Situation warnte ein Leserbriefschreiber, ein Bauexperte, kurz nach dem Baustartfest auf dem Halde-Areal. Viele Feierlichkeiten, aber kein Wort zum Stand der Kostenentwicklung – das ärgerte diverse Steuerzahler.
Branche stellt düsteres Bild dar
Die Sorgen des Bauexperten wurden von der Redaktion aufgenommen. Bei der neuen Primarschule Halde ist der Baustart erfolgt, eigentlich sollten zum jetzigen Zeitpunkt fünfzig Prozent der Arbeitsvergaben erfolgt sein. Wie sieht es aus mit diesen Vergaben (auch prozentual), liegen sie im Rahmen des Kostenvoranschlags? Dies ist nur eine wesentliche Frage.
Die Tendenz der Preise auf dem Bau zeigt klar nach oben. Eine Branchenumfrage von «Entwicklung Schweiz» stellt offenbar ein düsteres Bild dar. Zudem basiert der Kostenvoranschlag für die Arbeiten beim Schulzentrum Halde auf dem Index vom April 2020. Die Preiserhöhung in diesen zwei Jahren wird unweigerlich zu einer Verteuerung führen, die eingebaute Reserve von zehn Prozent (plus/minus) könnte bereits aufgebraucht sein. Und zehn Prozent hinzugerechnet zu den 56 Millionen Franken macht dann über 61 Millionen Franken.
Die Befürchtungen gingen alle an die Kommunikationsstelle der Gemeinde Wohlen. Vier Fragen. Ob es allenfalls jetzt schon eine Tendenz Richtung Kostenüberschreitung gibt? Und sind jetzt schon Sparmassnahmen vorgesehen? Abschliessend: Die Situation auf dem Bausektor ist alles andere als gemütlich. Wie schätzt der Gemeinderat diese eher negative Ausgangslage für ein 56-Millionen-Projekt ein?
«Keine Lieferengpässe»
Vier konkrete Fragen, aber konkret wird vom Gemeinderat nichts beantwortet. Der verantwortliche Gemeinderat Thomas Burkard beschränkt sich auf eine pauschale Antwort: «Bisher läuft beim Bauvorhaben Schulzentrum Halde alles nach Plan. Lieferengpässe, Verzögerungen oder Kostenüberschreitungen sind nach heutigem Kenntnisstand keine bekannt.» Obwohl es üblich ist, dass bei einem so grossen Projekt beim Baustart etliche Fragen beantwortet sein müssten, gibt es vom Gemeinderat keine Einblicke in den Stand der Dinge. Beispielsweise sollten etliche Vergaben fürs neue Primarschulhaus bekannt sein. Burkard verweist darauf, dass das Bauprojekt «erst ganz am Anfang» steht. Und Burkard weiter: «Die Bauherrschaft beobachtet die Entwicklungen im Bausektor genau und wird auf allfällige Kostenentwicklungen mit den nötigen Massnahmen reagieren.» Aber die schwierigen Umstände hat der Gemeinderat immerhin auf dem Radar. «Die Ausgangslage für grosse Bauprojekte, die sich über eine längere Bauzeit erstrecken, ist unter den aktuellen Umständen herausfordernd», sagt Thomas Burkard abschliessend.
Sinnvolle Variante gewählt
Energiekonzept beim Projekt «Schulzentrum Halde»
Wie sieht überhaupt die Energieversorgung beim Grossprojekt «Schulzentrum Halde» aus? Wird genug Wert gelegt auf erneuerbare Energien? Die gewählte Lösung ist zeitgemäss.
Heizen mit Gas? Bei den befürchteten Lieferengpässen wohl nicht mehr die beste Wahl. Wird die Sonnenenergie genützt? Wie sehen die Systeme aus bei den drei Altbauten, die zu sanieren sind, und wie bei den zwei Neubauten? Das Energiekonzept auf dem gesamten Halde-Areal steht auf dem Prüfstand. Entspricht es dem aktuellen Trend? Kurt Kolb vom Architekturbüro Hegi Koch Kolb und Partner spricht von einer guten Variante. Die zentrale Wärmeversorgung für das ganze Areal wird mit einem Erdsondenfeld erfolgen. Nur für die Spitzenabdeckung wird Gas zum Einsatz kommen. Beim Wietlisbachschulhaus wird die bestehende Gasheizung dagegen weiterhin betrieben, diese hält noch rund zehn Jahre.
Minergie-Zertifizierung vorgesehen
Auf den meisten Dächern ist eine Stromproduktion mit Photovoltaikanlagen vorgesehen: so auf dem Flachdach des Neubaus der Primarschule und auf dem Flachdach des Anbaus der Bezirksschule jeweils für den Eigenverbrauch auf dem Schulareal. Auf dem Satteldach des Hauptbaus der Bezirksschule wird die IB Wohlen AG eine Photovoltaikanlage zur Einspeisung ins Stromnetz realisieren. «Der Eigenbedarf wird durch die Photovoltaikanlagen abgedeckt», sagt Kurt Kolb. «Gesamthaft betrachtet wurde eine gescheite Lösung getroffen.»
Weiter ist für die Neu- und Umbauten mit Ausnahme des Wietlisbachschulhauses die Minergie-Zertifizierung vorgesehen. Wichtige Voraussetzung dafür bilden die Wahl eines Energiekonzeptes mit einem hohen Anteil an erneuerbaren Energiequellen für Wärme und Strom sowie ein geringer Energiebedarf für Wärme, Warmwasser, Beleuchtung und Elektrizität. --dm




