Einstand geglückt
01.04.2022 Region UnterfreiamtEtwas mehr als zwei Jahre arbeitete er schon beim Rangerdienst Hallwilersee, bevor er Anfang Jahr zu dessen Leiter befördert wurde. Wilke Scheitlin-Brandt erzählt über den vielseitigen Beruf des Rangers und die aktuellen Herausforderungen, die es auf und um den Hallwilersee zu ...
Etwas mehr als zwei Jahre arbeitete er schon beim Rangerdienst Hallwilersee, bevor er Anfang Jahr zu dessen Leiter befördert wurde. Wilke Scheitlin-Brandt erzählt über den vielseitigen Beruf des Rangers und die aktuellen Herausforderungen, die es auf und um den Hallwilersee zu meistern gilt. --nl
«Der Ton muss immer stimmen»
Wilke Scheitlin-Brandt ist seit Anfang Jahr Leiter des Rangerdienstes Hallwilersee
Das schöne Wetter lockt die Menschen raus in die Natur – viele davon an den Hallwilersee. Das Naherholungsgebiet ist gleichzeitig kantonales Schutzgebiet und Heimat verschiedenster Pflanzen und Tiere. Diese müssen geschützt werden. Eine der vielen Aufgaben des Rangerdienstes Hallwilersee.
Nadine Lang
«Das Seetal ist persönlich und gemütlich. Einen schöneren Arbeitsplatz kann man sich fast nicht vorstellen», schwärmt Wilke Scheitlin-Brandt, Leiter des Rangerdienstes Hallwilersee. Zusammen mit seinen fünf Rancherkollegen, darunter zwei Frauen, beaufsichtigt er den Hallwilersee und seine Ufer. Besonders jetzt im Frühling, wo viele Vögel brüten, stellen die grossen Menschenmassen eine enorme Belastung für Tiere und Pflanzen im Naturschutzgebiet dar. «Wenn Velofahrer beispielsweise die Wanderwege am Seeufer befahren, können sich Wasservögel bedroht fühlen und flüchten. Das Gleiche gilt für freilaufende Hunde», erklärt der Experte, der in Norddeutschland aufgewachsen ist.
Besonders in der Uferzone und im Schilfgürtel bauen viele Brutvögel ihre Nester, darunter auch der Haubentaucher. Dieser lässt bei einer Flucht sein offenes Gelege zurück. Dies wiederum ruft Blesshühner auf den Plan, die die verlassenen Eier anpicken. So gibt es keinen Nachwuchs und die Population des Haubentauchers sinkt. Deshalb sollten diese Schutzgebiete keinesfalls von Menschen betreten oder befahren werden. Kommt es zu einem Verstoss, wird die fehlbare Person vom Ranger angesprochen. «Normalerweise können wir mit vernünftigem Zureden viel erreichen. Wichtig ist, dass der Ton immer stimmt. Die Leute zeigen sich am ehesten einsichtig, wenn man ihnen erklären kann, welche Auswirkungen ihr Verhalten auf Flora und Fauna hat.»
Aufklären und informieren
Nebst der Aufsicht über die Einhaltung der komplexen Regeln in den verschiedenen Landschaftszonen sei auch Littering ein grosses Thema, auf das sie viele Besucher ansprechen müssen. «Es gibt leider immer wieder Leute, die ihren Abfall nach einem Aufenthalt einfach liegen lassen», erzählt der 59-Jährige. Hier packen die Ranger schon mal selber an und säubern Picknickplätze oder den Wegrand auf ihren Rundgängen. Wegen Corona sind in den letzten zwei Jahren noch mehr Menschen an den Hallwilersee gepilgert. «Mit den Leuten aus der Region haben wir eigentlich wenig Probleme. Es sind mehr Stadtmenschen, die sich mit den Verhaltensregeln in der Natur nicht so gut auskennen.» Scheitlin-Brandt und sein Team sind aber keine Polizisten. «Wir werden niemanden festhalten oder Bussen verteilen. Unsere Arbeit besteht darin, die Leute auf ihr Fehlverhalten aufmerksam zu machen und zu informieren.» Nur bei groben Verstössen, beispielsweise gegen das Fischereigesetz oder bei Littering, werde im Wiederholungsfalle die Polizei hinzugezogen. Leider sei es auch schon vorgekommen, dass solche Situationen eskaliert sind. «Üble Beschimpfungen oder Drohungen habe ich auch schon erlebt. Aber das kommt glücklicherweise sehr selten vor.» Wilke Scheitlin-Brandt selbst hat die 18-monatige berufsbegleitende Ausbildung zum Ranger im Bildungszentrum Wald in Lyss erst mit gut 50 Jahren absolviert. «Als Ranger muss man die Natur lieben, Menschen mögen und wetterfest sein. Ich war schon als Kind immer gerne draussen. Diese Leidenschaft ist bis heute geblieben.» Deshalb hatte er sich nach einer handwerklichen auch noch für eine landwirtschaftliche Lehre entschieden. Heute arbeitet er nebenbei noch in der Region in einer sozialen Einrichtung. Er unterstützt sie beim Aufbau einer Waldgruppe für Menschen mit Behinderungen.
«Sind gut aufgestellt»
Für den Rangerdienst Hallwilersee ist er seit gut zwei Jahren tätig. Seit Anfang Jahr hat er nun auch dessen Leitung inne. «Meine Vorgängerin hat mich damals hierhergeholt. Dass ich nach so kurzer Zeit die Führung übernehme, hätte ich nie gedacht», schmunzelt er. Rund 500 Stunden arbeitet er hier, was ungefähr einem 20-Prozent-Pensum entspricht. Angestellt ist er, wie die anderen Ranger auch, im Stundenlohn.
In seinen ersten drei Monaten als Leiter konnte Scheitlin-Brandt schon einiges bewirken. So hat er beispielsweise einen Erste-Hilfe-Kurs für das ganze Team organisiert. «Mir sind die Kompetenz und das gute Auftreten meiner Mitarbeiter enorm wichtig. Deshalb sind regelmässige Schulungen in allen Bereichen unerlässlich.» Erfreulich sei auch, dass in Sachen digitale Erfassung der Daten schon Fortschritte erzielt werden konnten. Verbesserungspotenzial sieht er hingegen noch bei der Aufsicht auf dem Wasser. Hier setzt er auf eine gute Vernetzung mit der Wasserschutzpolizei.
Wilke Scheitlin-Brandt ist sehr zufrieden, wie der Rangerdienst aufgestellt ist. «Und die Leute sind dies auch. Rund 90 Prozent schätzen sehr, was wir machen», sagt er stolz. Damit auch für genügend Nachwuchs gesorgt ist, wurde letztes Jahr das Junior-Rangers-Programm gestartet. Die Kinder sind regelmässig mit zwei Naturpädagogen, die ebenfalls Ranger sind, draussen unterwegs. Sie säubern Nistkästen, bereiten Kästen für Fledermäuse vor, machen einen Sackmesser-Kurs, lernen die Verhaltensregeln und generell viel über Flora und Fauna. «Die Nachfrage nach diesem Angebot ist riesig. Wir haben eine lange Warteliste.» Damit dieses Programm allerdings weitergeführt und allenfalls gar noch ausgebaut werden kann, sei man noch auf Suche nach neuen Sponsoren. «Es ist wichtig, schon möglichst früh mit der Sensibilisierung für die Natur zu beginnen. Eine bessere Umweltbildung kann man nicht haben.» Ihr Wissen vermitteln die Ranger übrigens auch interessierten Erwachsenen. «In der Nebensaison kann man uns für Führungen buchen.» Auch das gehört nebst der Aufsicht, der Littering-Bekämpfung, dem Monitoring, der Besucherlenkung und der Medienarbeit zum vielseitigen Job des Rangers dazu.
Für die bevorstehenden Monate wünscht sich Wilke Scheitlin-Brandt, dass die neue Aabachsperre, die für sämtliche Wasser- und Schwimmfahrzeuge ab 1. April gilt, gut angenommen wird. «Diese ist für die Natur enorm wichtig. Werden die Vögel dort durch Wassersportler gestört, muss sich das für sie anfühlen, wie wenn bei uns ein LKW durchs Wohnzimmer fahren würde.»



