Zentralstrasse im Fokus
08.02.2022 WohlenDie Aufwertung der Zentralstrasse in Wohlen ist seit über einem Jahrzehnt ein Dauerthema. Schon bald soll das entsprechende Projekt vorgestellt werden. Es ist nicht der erste Anlauf, die vom Verkehr dominierte Strasse etwas attraktiver zu gestalten. Schon 1973 wurden in einer Testplanung ...
Die Aufwertung der Zentralstrasse in Wohlen ist seit über einem Jahrzehnt ein Dauerthema. Schon bald soll das entsprechende Projekt vorgestellt werden. Es ist nicht der erste Anlauf, die vom Verkehr dominierte Strasse etwas attraktiver zu gestalten. Schon 1973 wurden in einer Testplanung ganz viele Ideen entwickelt, wie ein Blick in die Archive verrät.
Landesweit Massstäbe gesetzt
Verkehrsplanung Wohlen: Ein altes Projekt der Zentralstrasse passt in die heutige Zeit
Verkehrsfreie Zentralstrasse – oder wenigstens verkehrsberuhigt. Diese Pläne werden auch mit dem Projekt Aufwertung Zentralstrasse verfolgt. Der Gemeinderat wird die Vorlage dieses Jahr präsentieren. Ähnliche Bestrebungen gab es schon vor knapp 50Jahren.
Daniel Marti
Die Aufwertung der Zentralstrasse ist seit über einem Jahrzehnt ein Dauerthema. Mal top-aktuell, dann zurückgestellt, dann wird das Projekt wieder beschleunigt und nach vorne geholt. Damit dem wichtigen Projekt wieder Schwung verliehen werden kann, wird auch mal in Aarau ein Vorstoss platziert. Das Thema beschäftigt die Menschen und die Politgilde schon (zu) lange. Bei seiner Rede vor dem Einwohnerrat zum Auftakt der neuen Legislatur sprach Gemeindeammann Arsène Perroud das Thema ebenfalls an. Und er tat es sehr konkret. «Kurzfristig werden wir die Vorlage zur Aufwertung der Zentralstrasse vorlegen», erklärte Perroud Mitte Januar.
Nötig ist dies auch im Hinblick auf das stetig zunehmende Verkehrsaufkommen. Gemäss aktuellen Verkehrsprognosen werde der öffentliche Verkehr in den kommenden beiden Jahrzehnten um bis zu 50 Prozent wachsen, sagte Perroud vor dem Einwohnerrat, «und der motorisierte Individualverkehr nimmt um 25 Prozent zu».
Der nationale Geist von Wohlen ist 1945 entstanden
Bei solchen Verkehrsprognosen sind Massnahmen bei der Gesamtverkehrsbetrachtung von Wohlen angezeigt. Die Südumfahrung beispielsweise, hier wird eine Beurteilung der Zweckmässigkeit in diesem Jahr erwartet. Oder die Aufwertung der Zentralstrasse könnte eben doch Verbesserungen bringen. Und die Zentralstrasse war schon früher öfters im Fokus. So vor über 70 Jahren oder auch vor rund 50 Jahren. Die erste Episode reicht in die 1940er-Jahre zurück. Fabian Furter, Co-Projektleiter von «Zeitgeschichte Aargau. 1950 bis 2000», hat in diese Richtung recherchiert und ein Kapitel in diesem Nachschlagewerk verfasst.
Der einf lussreichste Planer der Schweiz war auch in Wohlen tätig. Und wie. Planer Hans Marti begann seine Karriere ausgerechnet in Wohlen. Der Werdegang ist im Band «Zeitgeschichte Aargau. 1950 bis 2000» nachzulesen. Im Jahr 1945 führte die Vereinigung für Landesplanung (VLP) erstmals einen einwöchigen Fachkurs für Orts- und Regionalplanungen durch. An einem konkreten Fallbeispiel sollten die 64 Kursteilnehmer die Fragen der kommunalen Planung durchspielen. «Zum Ort des Geschehens wurde Wohlen erkoren. Der ganze Tross reiste in die Freiämter Zentrumsgemeinde und richtete sich im neuen Erweiterungsbau der Schule ein», hat Fabian Furter herausgefunden und die Geschichte weiter aufgeschrieben. Der Kurs war anscheinend ein grosser Erfolg und wurde in der Fachzeitschrift «Plan» in einem Sonderheft ausführlich besprochen.
Geradezu euphorisch wurde der «Geist von Wohlen» für künftige Kurse beschworen und als Erfolgsrezept für die Planung gefeiert. Die Teilnehmenden nahmen ihre in Wohlen entfachte und vertiefte Begeisterung für die Planung mit nach Hause. «Tatsächlich machte das Wohler Praxisbeispiel Schule und veranlasste die VLP dazu, auch die künftigen Kurse am Schauplatz zu veranstalten», schreibt Furter.
Schweizer Planergemeinde übte in Wohlen
Warum die Zürcher Zentrale der Vereinigung für Landesplanung (VLP) ihren Testlauf ausgerechnet in Wohlen organisierte, ist hingegen nicht bekannt. Mutmasslich liegt es wohl daran, dass ein verantwortlicher Mitarbeiter der VLP seine familiären Wurzeln in der Nähe von Wohlen hatte, nämlich in Othmarsingen. Und somit ist man wieder beim Architekten Hans Marti (1913–1993) angelangt. Dieser Hans Marti verdankte seine beruf liche Karriere nicht zuletzt dem von ihm organisierten Planerkurs in Wohlen.
Er sei im Verlauf der Kurswoche mit Gemeindeammann Heinrich Irmiger ins Gespräch gekommen. Per Handschlag versprach Irmiger dem Architekten Marti, er würde ihn gerne mit der Planung von Wohlen beauftragen. Gesagt, getan. Hans Marti machte sich 1948 selbstständig und begann noch im gleichen Jahr sein langjähriges Engagement in der Freiämter Metropole als externer Ortsplaner. Bis heute existiert ein Zweigbüro der Zürcher Firma Marti Partner Architekten und Planer in Lenzburg. Marti sollte rasch zu einer zentralen Figur in der Schweizer Raumplanung aufsteigen und im Aargau ein grosses Erbe hinerlassen.
Verkehrsplanung Wohlen 1973 – grossartige Idee
In diesem Erbe und im Nachlass hat auch das Team von «Zeitgeschichte Aargau» recherchiert. Unter anderem ist das Team auf die Verkehrsplanung für Wohlen von 1973 gestossen.
Was sie damals vorschlugen, sei ganz besonders, fasste «Zeitgeschichte»-Autor Fabian Furter zusammen: eine verkehrsfreie obere Zentralstrasse – visualisiert mit einem Vergleich vorher und nachher. Und eine Fussgängerüberführung zwischen Kirche und Gemeindehaus. «Grossartig», sagt dazu Furter. «Marti setzte sich für eine Verkehrsberuhigung und Entmischung der Verkehrsträger ein.»
Übrigens, der damalige Ortsplaner von Wohlen Hans Marti setzte landesweite Massstäbe. In seinem Büro entstanden auch Architekturprojekte, die jede und jeder kennt: der «Fressbalken» bei Würenlos etwa oder die Telli-Überbauung in Aarau. Und in der Verkehrsplanung für Wohlen von 1973 entstand vermutlich auch erstmals die Idee einer Umfahrung zwischen Wohlen und Waltenschwil, heute nennt man diese mögliche Variante Südumfahrung.



