Stress im Stress
18.02.2022 WohlenDer bekannte Schweizer Rapper beteiligte sich an der Aktion «2-mal Weihnachten»
Auch in diesem Jahr wurde die Bleichi Wohlen zum grossen Verteilzentrum für Hilfsgüter. Die Aktion des Roten Kreuzes feierte ihr 25-Jahr-Jubiläum. Kräftig mit ...
Der bekannte Schweizer Rapper beteiligte sich an der Aktion «2-mal Weihnachten»
Auch in diesem Jahr wurde die Bleichi Wohlen zum grossen Verteilzentrum für Hilfsgüter. Die Aktion des Roten Kreuzes feierte ihr 25-Jahr-Jubiläum. Kräftig mit angepackt hat auch der bekannte Schweizer Rapper Stress.
Chregi Hansen
Vanessa Meier war an diesem Morgen die wohl glücklichste Person in der Bleichi. Die junge Waltenschwilerin, die sich in ihrer Freizeit im Jugendrotkreuz engagiert, bildete ein Team mit dem bekannten Musiker Stress. Mehr noch: Sie war sozusagen die Chefin des Duos. «Sie haben gefragt, wer mit ihm zusammenarbeiten will, ich habe mich sofort gemeldet», lacht sie. Und sie hat den Entscheid nicht bereut. «Er ist ein umgänglicher Typ und kann mit anpacken», erzählt die Waltenschwilerin begeistert.
Weil nicht alle reich sind
Seit einigen Jahren lädt das Rote Kreuz jeweils Prominente zum Verpacken ein, um die Aktion «2-mal Weihnachten» noch bekannter zu machen. Vor zwei Jahren waren beispielsweise Fussballer des FC Aarau in der Bleichi im Einsatz. In diesem Jahr hilft Andres Andrekson alias Stress beim Sortieren der Waren mit. Er ist gerne mit dabei, engagiert er sich doch bereits als Rotkreuz-Botschafter. Das Thema der Aktion ist ihm ein wichtiges Anliegen: «Wir vergessen manchmal in unserem Wohlstandsland, wie schwer das Leben für Einzelne sein kann», sagt er, während er seine Packliste abarbeitet und die Kisten mit Lebensmitteln, Kosmetika und anderen Waren füllt. Dabei gibt er Gas, denn am Nachmittag hat er wieder einen Termin in der Romandie.
Gerade die Coronazeit hätte die Armut teilweise verschärft, ist der Sänger überzeugt. Und darum sei jede Hilfe gefragt, egal, wie klein der Beitrag auch sei. «Viele haben das Gefühl, in der Schweiz seien alle reich. Aber das ist nicht so», erklärt er. Auch er kennt diese Gegensätze. Er ist in eher armen Verhältnissen in Estland aufgewachsen, bevor er im Alter von 12 Jahren in die Schweiz gekommen ist. «Es ist wichtig, armen Menschen eine Perspektive zu geben», sagt Stress, der heute zu den erfolgreichsten Musikern der Schweiz gehört. Und an diesem Vormittag mit Vanessa Meier ein bestens funktionierendes Team bildet.
Noch mehr Hilfe gebracht
Die Aktion «2-mal Weihnachten» feiert in diesem Jahr ihr 25-Jahr-Jubiläum
Die Aktion des Roten Kreuzes ist seit Jahren ein Erfolg. Auch dieses Jahr kam eine grosse Menge an Materialspenden zusammen, welche an Menschen gehen, die von Armut betroffen sind. Diese Woche wurden in der Bleichi 12 Tonnen verpackt.
Chregi Hansen
In diesen Tagen erhalten ganz viele Menschen im Aargau ein Paket voll mit Pasta, Reis, Mehl, Suppen, Kaffee, Zahnpasta, Shampoo und weiteren Waren. 58 Institutionen, Soziale Dienste und Gemeinden haben dem Roten Kreuz zuvor ihren Wunschzettel zukommen lassen. Und leiten die Pakete in den kommenden Tagen an 4997 Personen weiter.
Abgepackt werden all diese Waren in der Bleichi Wohlen. Diese hat sich in den letzten Jahren als eigentliches Verteilzentrum etabliert. Viele der Helfer sind schon seit Urzeiten dabei und packen tatkräftig mit an. So auch Blanka Reich aus Muri, die seit 15 Jahren bei der Aktion mitmacht. Dieses Jahr allerdings zum letzten Mal. Reich wird dieses Jahr 80-jährig und scheidet darum als Rotkreuzfahrerin aus. «Ich habe immer gerne geholfen», lächelt sie. Und auf der faulen Haut will sie auch in Zukunft nicht liegen – Blanka Reich wird sich jetzt im Museum Muri engagieren. «Es ist doch schön zu sehen, dass jetzt auch Jüngere mit anpacken», sagt sie.
Der Star gibt Gas
Mit den Jüngeren meint sie die Helferinnen des Jugendrotkreuzes, die sich an diesem Tag tüchtig ins Zeug legen. «Einige von ihnen haben schon bei der Verteilung in der Berner Zentrale mitgeholfen», freut sich Marie-Helen Roniger, die Leiterin der Regionalstelle Fricktal, welche die Verpackaktion in diesem Jahr leitet. Und auch der bekannte Musiker und Sänger Stress gibt Gas beim Umverpacken der Waren in die Kisten. «Es ist für die Aktion wertvoll, wenn wir die Unterstützung von Prominenten haben», sagt Roniger. Und sie weiss: Alle, die an diesem Tag mithelfen, sind gerne dabei.
Das gilt auch für Regula Kiechle, die Geschäftsführerin des Schweizerischen Roten Kreuzes Aargau. Sie liess es sich nicht nehmen, an diesen Tag selber beim Verpacken mitzuhelfen. «Es ist eine tolle Aktion», betont sie. Und auch die freut sich, dass Stress an diesem Tag nach Wohlen kommt. «Es ist schön, dass er sich für den Aargau entschieden hat für einen Einsatz», lächelt sie. Seine Teilnahme sei gerade für die Jüngeren ein grosser Motivationsschub.
Gerade in Coronazeiten ein wichtiges Signal
Kiechle freut sich, dass die Spendenbereitschaft auch in Coronazeiten gross ist. Die Organisation hat auch in den vergangenen Monaten alle ihre Dienstleistungen aufrechterhalten, trotz der einschränkenden Massnahmen. «Gerade in solchen Zeiten braucht es uns doch», sagt die Geschäftsführerin. Sie ist überzeugt, dass mit der Aktion «2-mal Weihnachten» viel Leid gelindert wird. Von Armut betroffen sind in der Schweiz ca. 8,7 % der ständigen Wohnbevölkerung; oftmals Alleinerziehende, pensionierte oder arbeitslose Menschen. Ein Geschenkpaket von «2-mal Weihnachten» entlastet das Haushaltsbudget dieser Menschen. «Dadurch können sie für einmal etwas Geld auf die Seite legen oder sich etwas für uns ganz Alltägliches, für sie aber Aussergewöhnliches, leisten. Das kann zum Beispiel ein Hallenbadeintritt oder ein Ausflug sein», erklärt Regula Kiechle.
Dieses Jahr ein Jubiläum gefeiert
Das Team in der Bleichi ist gut eingespielt. Die Waren wurden vorgängig angeliefert und vorsortiert, nun werden die verschiedenen Pakete nach einer klaren Liste gefüllt. Am Schluss stapeln sich ganz viele Paletten mit Kartonkisten. Diese wurden dann am Donnerstag von Fahrern der Zivilschutzorganisation abgeholt und weiter transportiert – für diese ist dies gleich eine willkommene Weiterbildung. Auch das hat sich bewährt, so wie die ganze Aktion.
Vor 25 Jahren fand «2-mal Weihnachten» erstmals statt. Seither haben die Menschen in der Schweiz über 1,6 Millionen Pakete für armutsbetroffene Menschen gespendet. Bei der 25. Ausgabe konnten gesamtschweizerisch 53 600 Pakete gesammelt werden. Die lang haltbaren Lebensmittel und Körperhygieneartikel kommen sowohl armutsbetroffenen Menschen in der Schweiz wie auch in Osteuropa zugute. Die fleissigen Helfer in der Bleichi Wohlen wie auch die prominenten Gäste haben dazu einen wichtigen Beitrag geleistet.





