Mit dem Sport würdig gealtert
15.02.2022 WohlenVor 50 Jahren wurde der «Kegelklub 71» gegründet
Der Kegelklub 71 gehörte einst zu den erfolgreichsten dieser Region. Er feiert heuer sein 50-jähriges Bestehen. Die Mitglieder sind immer noch mit grosser Begeisterung ...
Vor 50 Jahren wurde der «Kegelklub 71» gegründet
Der Kegelklub 71 gehörte einst zu den erfolgreichsten dieser Region. Er feiert heuer sein 50-jähriges Bestehen. Die Mitglieder sind immer noch mit grosser Begeisterung dabei.
Roger Wetli
Kegeln hat seine populärsten Zeiten längst hinter sich. Ursprünglich gab es in Wohlen sechs Restaurants und Hotels mit eigenen Kegelbahnen. Die letzte, welche heute in Betrieb ist, befindet sich im Hotel Freiämterhof. Es ist die Stammbahn des Kegelklubs 71. Dieser hat seit der Gründung bis 2014 im Sarmenstorfer «Ochsen» trainiert. Der Klub wurde Anfang 1972 von den besten Sportlern aus dieser Region gegründet.
Werni Röthlisberger erinnert sich als letztes verbliebenes Urmitglied an die Anfänge: «Wir spielten in drei Unterverbänden gleichzeitig und haben in den 70er-Jahren alles gewonnen.» Es sei eine lustige und wilde Zeit gewesen. Röthlisberger und seine Kollegen erlebten die «goldenen Zeiten» des Kegelns, die bis zirka 1995 anhielten. «Danach verlor die Sportart zunehmend an Anhängern, unter anderem auch aufgrund der zunehmenden Verbreitung von Bowling. Dieses hat aber nur oberflächlich etwas mit Kegeln zu tun.»
Im Kegelklub 71 spielten immer fünf bis neun Personen. Ausschliesslich Männer, bis die heutige Präsidentin Vreni Gasser in den Verein aufgenommen wurde. «Es gibt bis heute Klubs ohne Frauen. Ich fühle mich aber sehr wohl in diesem Verein», lacht sie.
Die Kegler hoffen, dass sie ihren Sport noch lange ausüben können werden. Am Alter selbst wird es nicht scheitern. «Unser ehemaliges Mitglied Raini Geissmann aus Widen spielt heute mit 92 Jahren noch immer sehr gut», weiss Gasser. «Das Kegeln verlernt man nie.»
Goldene Zeiten des Kegelns erlebt
Der «Kegelklub 71» feiert seinen 50. Geburtstag
Um die Jahreswende 1971/1972 schlossen sich die besten Kegler der Region zum Kegelklub 71 zusammen. Der Verein war lange eine reine Männergesellschaft und erlebte die Zeiten, als diese Sportart den Höhepunkt ihrer Popularität erreichte.
Roger Wetli
«Unser Sport braucht Konzentration, Körperbeherrschung und das richtige Timing. Zudem fängt man bei jedem Schuss wieder bei null an», gibt Werni Röthlisberger Einblick. Der Spreitenbacher ist das letzte verbliebene Gründungsmitglied des Kegelklubs 71, der seit 2014 seine Stammbahn im Wohler Hotel Freiämterhof hat. Zuvor trainierten die Kegler im Sarmenstorfer Gasthof «Ochsen», bis dieser geschlossen wurde. «Noch wichtiger als der Sport an sich ist die Kameradschaft, die beim Kegeln sehr hochgehalten wird.» In den letzten 50 Jahren verbrachte Röthlisberger zsammen mit seinen Klubkameraden viele Stunden in den Kegelkellern. «Früher waren es stark verrauchte Räume, in denen auch das ein oder andere Bier floss. Ab und zu wohl auch eines zu viel», schmunzelt er.
Zehn Jahre lang dominiert
Werni Röthlisberger spielte bereits vor der Klubgründung regelmässig. «Im Kegelklub 71 schlossen sich die sieben besten Spieler der Region zusammen. Die meisten kamen aus dem Freiamt, ein Kamerad fuhr aber immer von Lachen hierher. Und das zu einer Zeit, als die Autobahn noch nicht gebaut war.» Im Herbst 1971 gab es eine erste Vorsitzung zur Vereinsgründung, der dann Anfang 1972 Taten folgten. «Wir gehörten sicher zehn Jahre lang zu den stärksten Klubs der Region und spielten in drei Unterverbänden gleichzeitig», erinnert sich das Gründungsmitglied. «Während dieser zehn Jahre schafften wir es in allen drei Unterverbänden immer auf den ersten Platz.» Manchmal wurde es sehr knapp. «Als wir einmal den Halbfinal des Schweizer Club-Cups erreichten, feierten wir das ausgiebig und waren dann beim Final, der am gleichen Tag durchgeführt wurde, nicht mehr so fit», lacht Werni Röthlisberger. Er erzählt das mit einer solchen Begeisterung, dass man meinen könnte, sie hätten das Turnier gewonnen. Er darf das, verloren sie den Final doch mit nur zwei Punkten Unterschied. Das war 1979.
1990 unterlag der Kegelklub 71 dann nochmals im Final. «Das war damals eine sehr gute Leistung», erinnert sich Klubmitglied Toni Gasser aus Wohlen, der damals zusammen mit Werni Röthlisberger dabei war. «Das Niveau war um diese Zeit sehr hoch.» Aber auch in den 2000er-Jahren gab es einige Erfolge zu feiern. Werni Röthlisberger erreichte an der Schweizerischen Veteranen-Meisterschaft im Jahr 2006 den 2. Platz und im Jahr 2008 wurde er sogar Schweizer Veteranen-Meister mit dem 1. Rang.
Der zweite Platz 1990 fiel in die Periode, die zu den «goldenen Zeiten» des Kegelns zählt. Diese erlebte der Sport in etwa zwischen 1980 und 1995. «An den Schweizer Meisterschaften kämpften rund 5000 Leute mit. Heute sind es noch etwa 1500», so Gasser. «Ab 1995 hat das stark abgenommen.»
Grosse Unterschiede zum Bowling
Als Grund dafür sehen Röthlisberger und Gasser das veränderte Freizeitverhalten und das Aufkommen von Bowlingbahnen. «Beide Sportarten haben nur oberflächlich gesehen etwas miteinander zu tun», gibt Vreni Gasser, die heutige Vereinspräsidentin und Ehefrau von Toni Gasser, Einblick. «Es verhält sich wie beim Unterschied zwischen Äpfeln und Birnen. Beim Bowling sind die Bahnen länger und die Kugeln leichter. Die Körperbewegung ist ganz anders. Zudem gibt es beim Kegeln eine Strafminute, wenn die Kugel zu schnell rollt.» Vreni Gasser ist bis heute die einzige Frau, die je Mitglied im Kegelklub 71 gewesen ist. «Jeder Klub hat zwischen fünf und neun Mitglieder. Da kann es mal zur Männerdomäne werden», gibt die Präsidentin zu bedenken. Sie selber spielte zuvor im Frauenklub «Kaktus» aus Wohlen mit. Sie mag es, wie man sich bei diesem Sport gegenseitig anstachelt und sich die Erfolge gönnt. «Es ist jeweils wie in einer grossen Familie.»
Rückgang der Bahnen
Die Präsidentin geniesst jeden Moment in ihrem Klub. Sie macht sich aber Sorgen darüber, ob diese Sportart langfristig eine Zukunft hat. «Das hängt im Wesentlichen von den Restaurants ab, die solche Bahnen betreiben. Viele werden heute leider abgebaut und nicht mehr ersetzt.» Ein weiteres Problem sei, dass es schwierig ist, Nachwuchs zu begeistern. «Das Durchschnittsalter bei den Meisterschaften liegt aktuell um die 70 Jahre», weiss sie. Wobei es mit Raini Geissmann aus Widen auch einen 92-Jährigen gibt, welcher immer noch sehr gute Ergebnisse erzielt. Er war bis vor zwei Jahren in unserem Klub.» Man verliere die Fähigkeit nicht. «Es ist eine Sportart, mit der man alt werden kann.»
Das gilt nicht nur für die Athleten, sondern auch für die Klubs. Speziell feiern möchte der Kegelklub 71 sein 50-jähriges Bestehen jedoch nicht. «Vielleicht organisieren wir noch eine längere Vereinsreise. In erster Linie sind wir aber dankbar, dass wir immer noch auf der Bahn des Hotels Freiämterhof spielen dürfen. Natürlich hoffen wir, dass wir das noch lang tun können», schliesst die Präsidentin.



