Scheune voller Erinnerungen
24.12.2021 WohlenHansruedi, Max und Kurt Meier haben ein privates Steingassmuseum eingerichtet
Alte Gegenstände, Bilder und andere Erinnerungsstücke haben die drei Brüder schon früher gesammelt und in diversen Räumen gelagert. In den vergangenen Monaten haben sie ...
Hansruedi, Max und Kurt Meier haben ein privates Steingassmuseum eingerichtet
Alte Gegenstände, Bilder und andere Erinnerungsstücke haben die drei Brüder schon früher gesammelt und in diversen Räumen gelagert. In den vergangenen Monaten haben sie diese nun entstaubt und schön arrangiert. Sie erlauben eine Reise ins frühere Wohlen.
Chregi Hansen
1 Franken und 20 Rappen kostete ein Haarschnitt für Herren, die Damen mussten 2.80 bezahlen, bei einem Bubikopf waren 3 Franken fällig. Eine Dauerwelle gab es für 15 Franken, für eine Bedienung ausserhalb des Hauses wurde ein Aufschlag von 50 Prozent berechnet.
Fein säuberlich stehen diese Preise auf einem alten Schild beim Eingang des Museums. Es stammt, wie vieles in diesem Raum, aus einem Geschäft, welches früher an der Steingasse beheimatet war und längst verschwunden ist. Das Steingassmuseum, wie die drei Brüder Meier die Scheune heute nennen, hat eine enge Beziehung zur Strasse, an der es liegt. Denn hier sind Hansruedi, Max und Kurt Meier aufgewachsen, hier war früher der Sitz ihres Transportunternehmens. Heute befinden sich hier noch die Pferde und Kutschen, welche für Ausfahrten gebucht werden können.
Firma feiert nächstes Jahr ein Jubiläum
«Die meisten Gegenstände, die wir hier zeigen, sind über 100 Jahre alt», erklärt Kurt Meier stolz. Einiges stammt aus dem Familienbesitz, anderes wurde bei Hausräumungen gefunden. «Etliches stammt noch aus der Zeit unseres Grossvaters», fügt Max Meier an. Leonhard Meier hatte das Fuhrhalterunternehmen 1897 mit zwei Pferden und einer Kutsche gestartet. Im kommenden Jahr kann das Unternehmen also den 125. Geburtstag feiern. Etliches, was jetzt in der Scheune ausgestellt wird, stammt denn auch aus der Anfangszeit des Unternehmens.
Die Familie Meier und die Steingasse, sie gehören einfach zusammen. Hansruedi Meier wohnt heute noch im Elternhaus. «Wir haben ganz viele Erinnerungen an die Geschäfte, Läden und Menschen von früher», sagt der Älteste der drei Brüder. Und weil sie bei der Geschäftsaufgabe oft mit der Räumung beauftragt waren, haben sich auch diverse Gegenstände angesammelt. Die Werkzeuge des letzten Hufschmids in der Strasse. Der Spannbügel des Schuhmachers. Der Spannrahmen des Besenbinders. Alte Bohrmaschinen oder Uniformen. «Wir haben schon immer gesammelt. Wir haben einfach ganz viel Freude an alten Sachen», sagen die drei Brüder.
Dass all diese Sachen nun zu einer Ausstellung verschmelzen, hat seinen Grund in Corona. «Die Buchungen für Kutschenfahrten fielen weg. Also hatten wir plötzlich viel Zeit», lacht Max Meier. Und hinter dem Haus steht eine alte, grosse Scheune seit vielen Jahren leer. Was lag näher, als diese in ein Museum zu verwandeln? Wohlen hat kein Ortsmuseum wie andere Gemeinden. «Es ist unser Ziel, ein Stück des alten Wohlen zu erhalten», sagt Hansruedi Meier. Denn dieses alte Wohlen verschwindet mehr und mehr. Zwar gab es bei der Rettung des Schlössli einst die Idee, in diesem Gebäude ein Dorfmuseum einzurichten, doch die Idee wurde wieder fallen gelassen. Jetzt ist wenige Meter daneben ein kleines Schmuckstück entstanden.
Zunamen-Buch erstellt
Losgelegt haben die drei Brüder ohne grosses Konzept. Sie haben den früheren Heuboden als Wohnraum eingerichtet, der auch die Möglichkeit bietet, Apéros durchzuführen. Rundherum sind alte Gegenstände und Werkzeuge, aber auch viele Bilder und Plakate aufgehängt. Darunter historische Aufnahmen, etwa eine Gruppenaufnahme der Juden-Gesellschaft von 1904 oder eine Urkunde für die Schützengesellschaft aus dem Jahr 1890. Daneben gibt es auch modernere Aufnahmen aus dem Familienleben. Zu jedem Gegenstand und jedem Bild wissen die drei eine Geschichte zu erzählen. Besonders stolz sind sie etwa auf die Sammlung alter Zunamen der Wohler Geschlechter. «Wir haben uns hingesetzt und alles aufgeschrieben, was wir noch wussten. Eine solche umfassende Sammlung gibt es vermutlich noch nicht», erklärt Hansruedi Meier mit Stolz.
Besucher sind begeistert
Natürlich dominieren viele Stücke aus der Fuhrhalterei die Sammlung, schliesslich bildete diese das Fundament des Transportunternehmens. Neben altem Zuggeschirr und fast schon historischen Kutschen findet man auch viele Bilder von Einsätzen bei Grossanlässen wie dem Sächsilüüte in Zürich, bei dem die Familie mit ihren Kutschen viele Jahre im Einsatz stand. «Das Museum verändert sich dauernd. Jedes Mal, wenn ich komme, hat einer der Brüder wieder etwas umgestellt», erzählt Kurt Meier lachend. Und nicht immer sei man sich ganz einig, was nun am besten aussehe.
Der Aufbau hat die drei einiges an Arbeit gekostet. Allein die Reinigung der alten Scheune hat einiges an Schweiss gebraucht. Umso mehr sind sie stolz auf ihr Museum. Und sie zeigen auch gerne, was hier ausgestellt ist. Allerdings nur bei privaten Führungen. «Wir hatten schon den Trachtenverein oder den Jodlerklub hier, sie hatten enorm Freude an diesen alten Sachen», berichtet Max Meier. Inzwischen hat sich die Existenz des Museums herumgesprochen, so bekommen Meiers auch weitere Gegenstände geschenkt. «Manchmal heisst es bloss, ihr habt doch Platz, nehmt das doch zu euch», lacht Hansruedi Meier. Und so wächst die historische Sammlung weiter an. Und die Erinnerungen an das frühere Wohlen bleiben lebendig.



