Man musste ihn einfach gernhaben
14.12.2021 SportZum Hinschied von Pavel Karpf, Ex-Profifussballer und Unternehmer aus Sarmenstorf
Kult-Goalie, erfolgreicher Unternehmer, geselliger Typ – und ein enorm feiner Mensch. Pavel Karpf musste vergangene Woche im Alter von 52 Jahren diese Erde verlassen. ...
Zum Hinschied von Pavel Karpf, Ex-Profifussballer und Unternehmer aus Sarmenstorf
Kult-Goalie, erfolgreicher Unternehmer, geselliger Typ – und ein enorm feiner Mensch. Pavel Karpf musste vergangene Woche im Alter von 52 Jahren diese Erde verlassen.
«Ich bin gar nicht so gut gewesen, wie alle behaupteten.» Diesen Satz sagte Pavel Karpf immer wieder, als er vor rund einem Jahr ein Interview für diese Zeitung gab. Seine Bescheidenheit war nur eine von vielen schönen Eigenschaften des einstigen Profi fussballers.
Seine fussballerische Laufbahn ist eindrücklich und startet in seiner Heimat beim FC Sarmenstorf. Er wird dann von FC-Muri-Ikone Hans Hübscher auf die Brühl nach Muri gelotst – und dort wird Karpf als 15-Jähriger der jüngste Goalie der 1.-Liga-Geschichte. Als 19-Jähriger wechselt er zu den Old Boys Basel in die damalige Nationalliga B – und wird Profi.
«Geniale Zeiten» und Rücktritt mit 28 Jahren
Vier Jahre später geht er zum FC Luzern in die Nationalliga A. Nach fünf Jahren in der höchsten Spielklasse ist er zum Publikumsliebling geworden. Er erlebte besondere Spiele wie den 2:0-Auswärtserfolg im Europacup bei den Tottenham Hotspurs in England. Der Freiämter durfte gar ins Probetraining zur Schweizer Nationalmannschaft (unter Trainer Roy Hodgson). «Geniale Zeiten, ich habe es genossen», sagte er dazu.
Im Jahr 1997 beendete er seine Karriere. Und das im noch jungen Fussballer-Alter von 28 Jahren. «Ich hatte das Gefühl, dass ich alles erreicht hatte», sagte Karpf dazu – und spielte nochmals für den FC Muri und war später an der Seitenlinie beim FC Villmergen aktiv.
Gleich nach dem Profifussball macht er nochmals eine Lehre. Seine dritte. Nach der Ausbildung zum Zimmermann und Sportartikelverkäufer erlernte er den Beruf des Landschaftsgärtners. 1999 – und drei Tage nach seiner bestandenen Lehrabschlussprüfung – macht er sich selbstständig. Mithilfe seines Vaters Joseph baute er das Geschäft auf, das bis zu 15 Mitarbeiter zählt. Auf sein Unternehmen «Karpf Garten GmbH» war er enorm stolz. Die Philosophie des Betriebes vorbildlich: «Das Wertvollste ist unsere Erde. Ebenso wertvoll ist Wasser. Und für das Wertvolle tragen wir Verantwortung.»
Auch am Dorfleben in Sarmenstorf nahm er rege teil. Höhepunkt: 2016 wurde er Zunftmeister der «Heuröpfelzunft»; und Pavel de Gärtner sorgte für eine granatenstarke Fasnacht.
Pavel Karpf hatte noch so viele Pläne in seinem Leben. Er wollte in seinem Unternehmen kürzertreten, das Leben noch mehr geniessen. Er wollte noch mehr Zeit mit seiner Tochter und seiner Partnerin verbringen. Und er wollte noch mehr sein Hobby auskosten: das Segeln. Der ausgebildete Segellehrer reiste oft an die kroatische Küste zu seinem Segelschiff.
Ein Unikat
Am Dienstag, 7.Dezember, war Pavel Karpf im Heimathafen an ebenjener kroatischen Küste. Er wollte sein Schiff winterfest machen. Er brach zusammen und verstarb. Mit 52 Jahren. Die schockierende Nachricht löst viel Trauer aus. Denn alle, die Pavel Karpf gekannt haben, schätzten ihn und seine besondere Art. Dieser Bär von einem Mann, der mit ganz viel Herzlichkeit brillierte. Dieses liebenswerte Unikat, der bei allem, was er tat, immer 100 Prozent Einsatz gab. Pavel Karpf war ein ehrlicher und offener Mensch, der stets mit einem Lächeln und viel Demut und Bescheidenheit durch das Leben ging. Und, wie er selbst sagte: «Ich bin ein Typ, der etwas bewegen muss.» Pavel Karpf hat vor allem seine Mitmenschen mit seiner positiven Art bewegt.
«Ich bin gar nicht so gut gewesen, wie alle behaupteten», pflegte er immer wieder zu sagen. Pavel Karpf war eigentlich noch viel besser: Man musste diesen besonderen Menschen einfach gernhaben.
Seinen Angehörigen gilt unser herzlichstes Beileid. --spr


