Einwohnerrat: Die letzte Sitzung
07.12.2021 WohlenIn der Regel ist die letzte Einwohnerratssitzung einer Legislaturperiode dem Abschiednehmen gewidmet. Gestern Montagabend standen allerdings noch drei wichtige Geschäfte an. Trotzdem stand die Abschiedsrede von Einwohnerratspräsident Meinrad Meyer im Mittelpunkt. Er sprach von vier ...
In der Regel ist die letzte Einwohnerratssitzung einer Legislaturperiode dem Abschiednehmen gewidmet. Gestern Montagabend standen allerdings noch drei wichtige Geschäfte an. Trotzdem stand die Abschiedsrede von Einwohnerratspräsident Meinrad Meyer im Mittelpunkt. Er sprach von vier Highlights. --dm
«Kompromisse sind wichtig»
Abschiedsrede von Einwohnerratspräsident Meinrad Meyer – und verschiedene Ehrungen
Sporthalle Hofmatten, Schulzentrum Halde, Budget und ein Stichentscheid. Das waren die vier Highlights des scheidenden Einwohnerratspräsidenten. Meinrad Meyer war gerne der höchste Wohler. Er freut sich aber auch darauf, ab nächstem Jahr wieder mitten im Dorfparlament zu politisieren.
Daniel Marti
«Es war mir eine grosse Ehre, den Einwohnerrat zu präsidieren.» Diese Feststellung setzte der scheidende Einwohnerratspräsident an den Anfang seiner Rede. Viele Geschäfte seien während seiner Amtszeit erledigt worden, «und der Zeitaufwand für die Ratsarbeit war entsprechend hoch». Er konnte es einigermassen verschmerzen, dass die «schönen Dinge, wie die Einladungen zu diversen Kultur- und Vereinsanlässen, coronabedingt ausblieben». Dabei habe er sich bei seiner Wahl zum höchsten Wohler genau auf diese unterschiedlichsten Begegnungen gefreut.
Schulinfrastruktur und Stichentscheid
Vier Highlights aus dem politischen Alltag strich Meyer heraus: die Sporthalle Hofmatten, das Schulzentrum Hofmatten, das Budget 2022 und seinen Stichentscheid zum Bahnhofsfest. Eine erfreuliche Mehrheit von 63 Prozent Ja stimmte der neuen Sporthalle Hofmatten zu, «nun freuen wir uns auf die Inbetriebnahme im August 2022». Wegweisend waren laut Meyer die Abstimmungen im Einwohnerrat und vor dem Stimmvolk, als es um die Erneuerung des Schulzentrums Halde gegangen ist. «Es war für mich eine grosse Freude, einen einstimmigen Entscheid im Einwohnerrat zur Kenntnis zu nehmen, war es doch der höchste Investitionsentscheid in der Geschichte von Wohlen.» Und das Ja an der Urne wertete er als «einen grossen Schritt für die Schule Wohlen. Es war auch ein wichtiger Entscheid für die Bildung und unsere Gesellschaft», so der Einwohnerratspräsident.
Weiter haben ihn auch der Stichentscheid zum Bahnhofsfest (den er gab) und die Behandlung des Budgets 2022 gefreut. 20 zu 20 lautete der Entscheid zum Zusatzkredit von 140 000 Franken für das Einweihungsfest für den Bushof-Neubau und die Bahnhofplatz-Gestaltung. Und dann kam der Stichentscheid des höchsten Wohlers. Es ist also auch ein wenig Meyers Fest. Aber hier braucht es noch Geduld, es musste verschoben werden. «Vielleicht funktioniert es ja im nächsten Jahr.» Kommt hinzu, dass der neue Bushof wegen Lieferverzögerungen des Materials gar noch nicht fertig ist. Ein Einweihungsfest im nächsten Jahr könnte so sogar zum Idealfall werden.
Ganz bewusst zählte er auch die Budget-Debatte vom vergangenen Oktober zu den Highlights. Dieses wurde einstimmig angenommen, obwohl die Diskussion gar nicht so einfach war. «Es mussten doch einige Kompromisse gemacht werden.» Vor allem die Entsorgung des Grünguts wurde aus dem Budget gestrichen. «Das zeigt mir», so Meinrad Meyer, «wie wichtig Kompromisse sind. Nur so können Mehrheiten geschaffen werden.»
80 Geschäfte behandelt und eine kleine Kritik
Neben den vier Highlights gab es natürlich ganz viel politischen Alltag. Es waren insgesamt über 80 Geschäfte, die unter Einwohnerratspräsident Meinrad Meyer behandelt wurden. Davon waren 51 Berichte und Anträge, 6 Motionen, 10 Postulate und 13 Anfragen. «Es waren überdurchschnittlich viele Geschäfte, die viel Arbeit mit sich brachten.» Er ist nach wie vor «der festen Überzeugung, dass alle sachlichen Meinungen von gewählten Personen im Rat Platz finden sollten. Dass es manchmal etwas länger dauerte, lag an den immer vollen Traktandenlisten.» Dies sei zumindest seine Einschätzung. Meyer weiter: «Eine bessere Planung respektive ein besseres Zeitmanagement bei der Abwicklung der Geschäfte sollte man sich in Zukunft überlegen. Vieles kommt immer auf den letzten Drücker und verursacht auch bei der Finanz- und Geschäftsprüfungskommission einen unnötigen zeitlichen Stress.» Mehr Vorlauf für eine effiziente Geschäftserledigung täte gut, dies war ein Vorwurf an die Adresse des Gemeinderates.
Nun freut sich Meinrad Meyer, wieder mitten im Rat Platz nehmen zu dürfen und künftig wieder vermehrt zu Sachgeschäften Stellung nehmen zu können. Den Einwohnerrätinnen und Einwohnerräten, die in der nächsten Legislaturperiode weitermachen, wünschte er «viel Freude und Weitsicht für die kommende Legislatur».
Diverse Persönlichkeiten verabschiedet
Der Einwohnerratspräsident verabschiedete zudem alle Ratsmitglieder, die in der nächsten Legislaturperiode nicht mehr dabei sein werden. Einerseits sind das Personen, die zurückgetreten sind, andererseits solche, welche die Wiederwahl nicht mehr geschafft haben. Dies sind: Monika Alder, Simone Allenspach, Walter Badertscher, Werner Dörig, Thomas Geissmann, Daniel Meier, Sepp Muff, Annelise Steiner und Denise Strasser, die in den Gemeinderat wechselt. Vor allem für Routinier Sepp Muff von der SP ist dies ein einschneidender Moment. Er war von März 1979 bis Ende 2005 sowie von August 2016 bis Ende 2021 Einwohnerrat, und im Jahr 1985 war Muff sogar Vizepräsident des Einwohnerrates.
Meyer verabschiedete zudem Paul Huwiler, der nach 16 Jahren aus dem Gemeinderat ausscheiden wird. Zuvor war er vier Jahre lang Einwohnerrat. Er habe Paul Huwiler als interessierte, engagierte und kompetente Persönlichkeit kennengelernt und erleben dürfen, so Meyer. Und für seine «grossen Verdienste zum Wohle von unserer Gemeinde Wohlen» sprach ihm der Einwohnerratspräsident ein grosses Dankeschön aus. «Paul Huwiler hat die Politik in Wohlen positiv geprägt», sagte Gemeindeammann Arsène Perroud. Er habe ein breites Netzwerk aufgebaut und mit viel Gestaltungswillen gearbeitet. «Paul Huwiler hat sich stets für Wohlen und fürs Freiamt eingesetzt.» Und betreffend IT an der Schule leistete er sogar Pionierarbeit.
Huwiler: «Eins spannende Zeit»
Huwiler selber bezeichnet die Bauten des Sportzentrums Niedermatten und des Schüwo-Parks als Leuchttürme. Als Gegenstück nennt er die Reduktion der Anzahl der Gemeinderatsmitglieder, von sieben auf fünf. «Heute würde ich bei sieben bleiben.» Insgesamt habe er eine spannende Zeit im Gemeinderat erlebt, so Huwiler. «Die Möglichkeit mitzugestalten, hat mich immer fasziniert.»
Weiter wurde die Schulpflege von Meinrad Meyer verabschiedet. Franco Corsiglia, Bernadette Huwiler, Regula Meier-Rösti, Martina Trottmann und Ruedi Fricker haben viel für die Schule Wohlen geleistet. «Sie haben viel Zeit und Engagement in ihre Arbeit gesteckt. Franco Corsiglia hat als Präsident eine Epoche geprägt», sagte Meinrad Meyer. Und Franco Corsiglia strich heraus, dass die Gemeinde Wohlen «trotz knapper Kasse immer grosszügig in die Bildung investiert hat». Das sei bemerkenswert, so der Schulpflegepräsident.






