Persönlichkeit sagt Tschüss
16.11.2021 WohlenSchulpflege organisierte letztes Treffen
Bernadette Huwiler, Regula Meier-Rösti, Martina Trottmann, Ruedi Fricker und Franco Corsiglia. Das ist die aktuelle Besetzung der Schulpflege. Dieses Team übergibt Ende Jahr die Verantwortlichkeit für die Schule Wohlen dem ...
Schulpflege organisierte letztes Treffen
Bernadette Huwiler, Regula Meier-Rösti, Martina Trottmann, Ruedi Fricker und Franco Corsiglia. Das ist die aktuelle Besetzung der Schulpflege. Dieses Team übergibt Ende Jahr die Verantwortlichkeit für die Schule Wohlen dem Gemeinderat. Deshalb lud die Schulpflege nochmals Lehrerschaft und Schulleitungen ein. Letztlich stand Corsiglia im Mittelpunkt. Er war 20 Jahre lang Schulpfleger, 16 Jahre davon Präsident. Er wurde gebührend verabschiedet. Eine Persönlichkeit sagt auf Wiedersehen. --dm
«Er prägte eine Epoche»
Das Ende der Amtszeit der Schulpflege: Feier mit viel Wertschätzung und Abgang einer Persönlichkeit
Als schlichte Abschiedsfeier war der Anlass angekündigt, als grosses Abschiednehmen entpuppte sich der Event. Mit einer Person im Mittelpunkt: Franco Corsiglia, seit 16 Jahren Schulpiegepräsident, sagte allen Danke. Und wurde stilvoll gefeiert.
Daniel Marti
Dann kullerten sie doch noch. Die paar Tränen konnte Schulpflegepräsident Franco Corsiglia einfach nicht verhindern. Nach seiner Abschiedsrede beehrten ihn Schulleitungen und Lehrpersonen mit Standing Ovations. Mit sehr langen und äusserst herzlichen Standing Ovations. Und Corsiglia brachte kaum noch einen Satz heraus. Er war gerührt, berührt, dankbar – und ein wenig stolz.
Nur schon diese Szene verdeutlicht, dass Corsiglia und «seine» Schulpflege geschätzt werden. Dass die Ära der Schulpflege Ende Jahr vorbei ist, das hat das Stimmvolk entschieden. Für Corsiglia ist es aber auch ein idealer Zeitpunkt, um Abschied zu nehmen – von einem Job, den er über 20 Jahre lang sehr gerne machte, 16 Jahre davon als Präsident. Mit einer ganz feinen Rede setzte er den Schlusspunkt unter diese Tätigkeit. Ein Abschied mit ganz viel Stil. Und mit Emotionen und Wehmut.
Am Jugendfest der King
Franco Corsiglia und die fünfköpfige Schulpflege – früher waren es bis zu neun Mitglieder – standen einer Schule vor, die ganz viele Veränderungen erfahren hat. Er hätte wohl stundenlang erzählen können über die letzten 20 Jahre. Von der Einführung der Schulleitungen über die Bildungsreform bis zu den Lösungen der Schulraumnot. Nun wünscht er sich generell für die Schulen ein paar Jahre der Konsolidierung. «Die Rahmenbedingungen müssen so geschaffen werden, dass die Lehrpersonen das machen können, was sie müssen: unterrichten», sagte er.
Seine schönsten Erlebnisse durfte er jeweils an den Jugendfesten erleben. Da sei er manchmal der «King» gewesen, weil er eben viele Bons für Getränke verteilen durfte … Aber die Bilder der Jugendfesteröffnung auf dem Kirchenplatz mit 2300 Schulkindern und gegen 400 Lehrpersonen waren für ihn stets eindrücklich. «Da habe ich immer die extremen Dimensionen gesehen.» Die Schule gehöre eben ins Zentrum jeder Gemeinde. Dies gilt auch für deren kulturellen Teil und Projekte.
Neben ganz vielen positiven Sachen gab es auch Krisen zu bewältigen in den letzten 20 Jahren. «Aber Krisen sind auch da, um neue Wege zu gehen», erklärte Corsiglia. Ein neuer Weg wird auch nächstes Jahr eingeschlagen, die Verantwortlichkeit wechselt dann von der Schulpflege zum Gemeinderat. Corsiglia ist sich sicher, dass auch der Gemeinderat in guter Partnerschaft zur Schule stehen wird.
Die grosse Sache rund ums nicht vorhandene Geld
Vielfach stehe ja die Geldtasche an erster Stelle, glaubt der scheidende Schulpflegepräsident. Ganz entscheidend sei jedoch eine andere Fragestellung: «Was braucht die Schule Wohlen, um eine gute Schule zu bleiben?» Diese Auseinandersetzung habe ihm in der Vergangenheit oft Bauchweh bereitet. «Wir Schulpfleger hatten es da allerdings einigermassen einfach. Wir wurden gewählt, stellten unsere Forderungen und konnten, wenn es nicht passte, nicht entlassen werden.»
Und – logischerweise – landete der Schulpflegepräsident bei den Finanzen. Wohlen leistete sich in den letzten 20 Jahren immer viel für die Bildung. Das schätzt er riesig. «Finanztechnisch realisiert Wohlen sogar Projekte, die man gar nicht umsetzen dürfte. Aber für die Entwicklung ist das immer sehr wichtig.»
Noch etwas wollte er unbedingt beim Abschiednehmen deponieren. Am Familientisch wurde immer über die Wohler Politik diskutiert, dadurch hat er die Finanzlage schon in jungen Jahren mitbekommen. «Die Gemeinde Wohlen hatte nie Geld», so Corsiglia, «und Wohlen wird nie viel Geld haben. Wohlen bietet aber immer alles, was ein Dorf auszeichnet.»
«Respektvollen Umgang»
Letztlich bedankte sich Franco Corsiglia lückenlos bei allen Wegbegleitern. Und das waren sehr viele. Dem Gemeinderat wünschte er viel Erfolg, «und möge dieser mit viel Umsicht, Vorsicht und Weitsicht an die Aufgabe herangehen». Am Ende seiner Abschiedsrede bekam auch seine Frau einen verdienten Blumenstrauss. Und er die verdienten Standing Ovations.
Jetzt wissen es alle Beteiligten der Schule Wohlen definitiv: Mit Franco Corsiglia geht eine Persönlichkeit, die nebenbei auch die letzten neun Jahre als Präsident die Geschicke des Aargauer Verbandes leitete.
Die grosse Wertschätzung wurde am gemeinsamen Anlass der Schulpflege und der Schule Wohlen im Restaurant Hans & Heidi so richtig spürbar. Bildungsminister Paul Huwiler sprach vom «respektvollen Umgang» miteinander und von der Tatsache, dass die Schulpflegepräsidenten vor 100 Jahren noch «hoch zu Ross» unterwegs waren. Insgesamt 18 Schulpflegepräsidenten brachte die Historie in Wohlen hervor.
Rolf Stadler – ein zweiter Fels in der Brandung
Die gegenwärtige Schulpflege bringt es total auf 50 Dienstjahre. Diese erlebte laut Huwiler «eine Zeit des grossen Wandels». Das gewählte Schulleitungsmodell und der langjährige Präsident der Schulleitungskonferenz Rolf Stadler waren sichere Werte. «Und Rolf Stadler war der Fels in der Brandung», so Huwiler. Stadler fehlte krankheitshalber.
Eine gute Bildung sei eine wichtige Grundlage, um das Leben erfolgreich zu meistern, sagte Gemeinderat Huwiler weiter. «Die Bildung ist eine Kernaufgabe der Gemeinde.» Der Gemeinderat werde deshalb auch in Zukunft ein guter Ansprechpartner für die Schule sein.
Die Schulpflege hat in Wohlen 156 Jahre lang eine bewährte Arbeit abgeliefert, erklärte Einwohnerratspräsident Meinrad Meyer. Im Kanton Aargau waren es 185 Jahre. Die Zusammensetzung der aktuellen und somit letzten Schulpflege habe mit viel Kompetenz überzeugt, so Meyer weiter. «Und Franco Corsiglia ist ein Glücksfall für die Schule und die Gemeinde. Er hat zusammen mit Rolf Stadler eine Epoche geprägt. «Wir hätten es nicht besser haben können.» Ein schönes Kompliment aus dem Munde des höchsten Wohlers. Und passend zur würdevollen Abschlussveranstaltung.
Die Leidenschaft weitertragen
Die Schulleitungen zur scheidenden Schulpflege
Sie standen im regen Austausch, die Schulleitungen und die Schulpflege. Auch von dieser Seite ernteten Schulpflegepräsident Franco Corsiglia und sein Team nur lobende Worte. Corsiglia habe jeden Job mit Freude ausgeübt, sagte beispielsweise Markus Beeler, Schulleiter der Regionalen Musikschule.
Dass die Schulpflege schon immer einen grossen Stellenwert hatte, zeigt der Blick in die Vergangenheit oder in alte Schulberichte. So gab es vor 120 Jahren in Wohlen neun Schulpfleger plus einen Aktuar. An der Gemeindeschule unterrichteten dagegen nur acht Lehrpersonen. An der Bezirksschule waren es drei Hauptlehrer und sieben Hilfslehrer. «Und zwei Fräuleins», so lautet der Bericht, unterrichteten an der Arbeitsschule. Zurück zur Aktualität. «Die Schulpflege schaute in Wohlen stets mit Weitsicht voraus», betonte Ueli Frey, Schulleiter Halde. «Unsere Schulpflege ist im Dorf gut verankert», sagte Marcelle Tschachtli, HPS-Schulleiterin. Und Roman Bucher, Schulleiter im Bünzmatt, fügte an: «Die Schulpflege steht für ein starkes Netzwerk, sie ist eine verlässliche Schnittstelle.» Sie habe stets für genügend Finanzen gekämpft und für drei intakte Schulzentren gesorgt, so Bucher weiter.
«Nun biegen wir ab in ein neues Zeitalter», erklärte Franziska Walti, Schulleiterin im Junkholz und Präsidentin der Schulleitungskonferenz. «Bis jetzt war die Schulpflege für uns alle ein gutes Fangnetz. Wir haben auch das Feuer gespürt, das sie entfachen konnte. Diese Leidenschaft wollen wir weitertragen.» --dm





