Mobilität wird zum Problem
03.11.2021 WohlenRegierungsrat und Landammann Stephan Attiger ist derzeit gefordert. Egal, ob als Bau-, Verkehrs- oder Energiedirektor. In all seinen Ressorts warten in der Zukunft grosse Herausforderungen, für die heute dringend Lösungen gefunden werden müssen. Eine davon ist die Mobilität, ...
Regierungsrat und Landammann Stephan Attiger ist derzeit gefordert. Egal, ob als Bau-, Verkehrs- oder Energiedirektor. In all seinen Ressorts warten in der Zukunft grosse Herausforderungen, für die heute dringend Lösungen gefunden werden müssen. Eine davon ist die Mobilität, die noch viel stärker zunimmt als das eh schon grosse Bevölkerungswachstum im Aargau. -chh
Ausbauen muss man sowieso
Regierungsrat Stephan Attiger sprach am Notter-Apéro über die Herausforderungen im Verkehr
Der Kanton rechnet bis zum Jahr 2030 mit einem grossen Anstieg im Verkehr. Bis 20 Prozent bei den Autos, bis zu 50 Prozent gar beim öffentlichen Verkehr. Wichtig sei, die Verkehrsströme richtig zu lenken, erklärte der Aargauer Baudirektor.
Chregi Hansen
Die Bevölkerung im Aargau nimmt zu. In den letzten zehn Jahren um rund 90 000 Einwohner. «In diesen Tagen werden wir vermutlich die 700 000er-Grenze überschreiten», erklärte Stephan Attiger bei seinem Auftritt in Wohlen. Und das rasante Wachstum geht weiter. Bis ins Jahr 2040 gehen die Prognosen von weiteren 180 000 Einwohnern aus.
Das führt zu Herausforderungen, wie der Vorsteher des Departements Bau Verkehr und Umwelt deutlich machte. Zum einen in Sachen Wohnraum. Das Bauland ist begrenzt, Einzonungen kaum noch möglich. «Wir haben unüberbautes Bauland für rund 100 000 Einwohner. Und ein Potenzial für weitere 64 000 Personen durch innere Verdichtung», führte Attiger aus. Und weil das Wachstum anhält, muss man vorausdenken. «Wir müssen jetzt so planen, dass im Jahr 2040 alles funktioniert», machte er deutlich.
In alle Richtungen denken
Dabei dürfe der Fokus nicht nur auf dem Wohnraum liegen, Ziel sei es auch, neue Firmen anzusiedeln. Denn der Aargau will im Steuerwettbewerb attraktiver werden. Das Problem sei, dass die Verfahren oft zu lange dauern. «Wenn ein Unternehmen bauen möchte, will es nicht Jahre warten, bis alle Verfahren abgeschlossen sind. Das heisst, wir müssen gewisse Areale jetzt entwickeln und dafür Vorinvestitionen leisten», so Attiger. Darum habe man nun gewisse Schwerpunkte im Kanton ermittelt. Zudem müssen die Raumplanung und die Verkehrsplanung noch stärker koordiniert werden. «Denn die Mobilität nimmt noch viel stärker zu als die Bevölkerungszahl.»
Das führt zu Problemen auf allen Verkehrsachsen. Die reine Menge ist nur eine Herausforderung. Dazu kommen die vielen neuen Antriebsarten, die intelligenten Autos, die vielleicht irgendwann selber fahren. Neue Modelle wie das Carsharing. Aber auch im Bereich des Güterverkehrs ist eine Entwicklung im Gang. Einerseits unterirdisch durch Cargo sous terrain, andererseits durch den Einsatz von Drohnen. «Wir müssen in alle Richtungen denken», so Attiger.
Stadt und Land sind nicht gleich
Und: Die verschiedenen Verkehrswege müssen besser aufeinander abgestimmt werden, dafür braucht es Drehscheiben. Dabei brauche es in der Stadt andere Ansätze als auf dem Land. «Im ländlichen Raum wird der motorisierte Individualverkehr auch weiterhin eine grosse Bedeutung haben», ist sich der Landammann bewusst. In den Städten hingegen gehe die Tendenz dazu, gewisse Strassen für den öV oder den immer schneller werdenden Veloverkehr zu nutzen. Doch egal, welche Verkehrsträger man in Zukunft nutze, ohne einen Ausbau der bestehenden Trassees wird es kaum gehen. «Ausbauen müssen wir sowieso, egal, ob die Autos in Zukunft elektrisch oder mit Benzin fahren», erklärt Attiger. Und auch das Zugnetz kommt an den Anschlag. «In Lenzburg fährt heute bereits alle zwei Minuten ein Zug.»
Ein wichtiges Anliegen sei es, den Verkehr richtig zu kanalisieren. Für Attiger ist darum auch klar, dass man um einen Sechs-Spur-Ausbau der A1 zwischen Aarau Ost und Birrfeld nicht herumkommt. Auch der Ausbau der Bünztalstrasse ist ihm ein Anliegen. «Sobald wir irgendwo verstopfte Strassen haben, weicht der Verkehr auf andere Routen aus. Meist dort, wo wir ihn nicht haben wollen», warnte er.
Nicht generell gegen Tempo 30
Darum sei der Kanton auch kritisch, wenn es um Tempo 30 auf Kantonsstrassen geht. «Wir sind nicht generell dagegen, wie uns unterstellt wird. Wir prüfen jeden einzelnen Fall. Aber generell gilt innerorts Tempo 50, und Ausnahmen müssen gut begründet sein. Zudem muss der Verkehr auf den Hauptverkehrsachsen möglichst zügig abgewickelt werden», meinte Attiger auf eine entsprechende Frage. Er ist zudem überzeugt: Mit einer guten Gestaltung des Strassenraums erreicht man mehr Sicherheit als mit Tempo 30. Zu einer Herausforderung wird auch die Finanzierung des Strassenbaus. Diese erfolgt zu einem erheblichen Teil aus der Mineralölsteuer. Mit dem Aufkommen der E-Autos kommt da immer weniger in die Kasse. «Der Benutzer eines Elektroautos zahlt also viel weniger an die Infrastruktur», so Attiger. Für den Regierungsrat ist aber klar: Mobilität soll etwas kosten. Egal, ob mit dem öV oder im Auto. Von Road Pricing hält er darum nichts, die Zukunft gehöre dem Mobility Pricing. Bei diesem Modell bezahlen die Verkehrsteilnehmenden gemäss der von ihnen zurückgelegten Distanz, und dies anhängig von der Tageszeit.
«Damit lassen sich auch Spitzen brechen, und genau das muss das Ziel sein», ist der Baudirektor überzeugt. Derzeit sei man am Entwickeln von Modellen, «aber es ist klar, dass hier der Bund vorausgehen muss», so Attiger zum Schluss.
Jubiläum ausgefallen
Die Notter AG kann auf ein erfolgreiches Jahr zurückschauen
Geschäftsführer Ralph Notter nutzte die Gelegenheit, Geschäftspartner und Kunden über die aktuelle Entwicklung des Bauunternehmens zu informieren. Zum einen hat die Firma die Weichen für die Zukunft gestellt. Mit Eugenio Quadraccia erhält die Notter-Gruppe einen neuen Leiter im Bereich Hochbau, der auch Einsitz in die Geschäftsleitung nimmt. Er löst Urs Scheidegger ab, welcher der Firma aber nach dreissig Jahren Einsatz in einem reduzierten Pensum erhalten bleibt. «Drüber sind wir froh», erklärte Notter
Letztes Jahr konnte die Firma ihren 90. Geburtstag feiern. Wobei wegen Corona keine Feiern möglich waren. «Wir hatten verschiedene Anlässe geplant, die wir alle erst verschoben und später abgesagt haben», bedauert der CEO. Immerhin: Derzeit wird eine Jubiläumsbroschüre produziert, die an Weihnachten verteilt wird. «In dieser stehen unsere Mitarbeiter im Zentrum, denn ohne sie können wir nichts erreichen», so Notter. Zudem würden die wichtigsten Meilensteine der Firmengeschichte aufgerollt.
Bauen wird digital
Im weiteren kam Ralph Notter auf die Digitalisierung im Bauwesen zu sprechen, das sogenannte BIM (Building Information Modeling). «Vor zwei Jahren erklärte ich, bis zur Einführung liege noch ein weiter Weg vor uns. Heute arbeiten wir bereits damit», berichtete der Geschäftsführer. Bereits laufen erste Projekte mit BIM, sowohl im Hoch- wie auch im Tiefbau. Als Beispiele nannte Notter zwei Mehrfamilienhäuser in Stetten und den Radweg zwischen Bellikon und Remetschwil. «Der Anfang ist gemacht, aber die Vernetzung der verschiedenen Prozesse ist noch lange nicht abgeschlossen.» Dass seine Firma hier auf dem neusten Stand ist, sei wichtig. Denn auch der Kanton wird in Zukunft vermehr Ausschreibungen nach BIM-Vorgaben machen. Die Notter Gruppe ist jedenfalls bereit, diese Entwicklung mitzumachen. --chh



