«Es war mir eine Ehre»
09.11.2021 WohlenDas neue Schlössli-Buch «Ein Haus – zwei Leben» wurde feierlich vorgestellt
Erbaut in der heutigen Form im Jahr 1546. Der Kernbau reicht wohl bis ins 12. Jahrhundert zurück. Höchste Zeit, dem Schlössli ein Buch zu widmen. Nun liegt es ...
Das neue Schlössli-Buch «Ein Haus – zwei Leben» wurde feierlich vorgestellt
Erbaut in der heutigen Form im Jahr 1546. Der Kernbau reicht wohl bis ins 12. Jahrhundert zurück. Höchste Zeit, dem Schlössli ein Buch zu widmen. Nun liegt es vor.
Daniel Marti
Ein Buch übers Schlössli. Mit der bewegten Geschichte des ältesten Steinhauses von Wohlen – das hat sich praktisch aufgedrängt. Entstanden ist ein vielfältiges Nachschlagewerk mit hervorragenden Autoren: Lokalhistoriker Heini Stäger, Kulturpreisträger Jörg Meier, Architekt Hans Furter, Denkmalpfleger Reto Nussbaumer, Kantonsarchäologin Cecilie Gut und Fabian Furter, Präsident des Vereins Schlössli Wohlen und Initiant des neuen Werkes.
Bei der Vernissage wurde das neueste Werk gefeiert. Alle Beteiligten haben ihren wertvollen Beitrag unentgeltlich geleistet. Zudem konnten die Buchmacher auf viel Entgegenkommen und viele Beiträge zählen: Swisslos-Fonds Aargau, Kulturkommission Wohlen, Ortsbürgergemeinde Wohlen, Koch-Berner-Stiftung und IB Wohlen AG. Dank der grossen Unterstützung wurde das Werk «Ein Haus – zwei Leben» ein Geschenk. Auch ein Geschenk für Wohlen. Es ist gratis – und ist beim Verein Schlössli Wohlen zu beziehen. Vor allem Fabian Furter habe enorm viel geleistet, sagte Autor Jörg Meier. Und Furter antwortete wie immer bei Schlössli-Angelegenheiten: «Es war mir eine Ehre.»
Und das offizielle Wohlen? Das freut sich mit. Es sei einfach eine «gefreute Sache», sagte Einwohnerratspräsident Meinrad Meyer an der Buchvernissage. Damit meinte er das Schlössli im Allgemeinen und das neue Buch. Er habe noch nicht nachlesen können, was alles im Buch steht, erklärte er noch. «Aber als ich gehört habe, wer da mitgeschrieben hat, wusste ich, dass es sehr gut herausgekommen ist.»
Zudem sei er froh darüber, dass er sich entschieden hatte, Schlossherr zu werden. Denn das Schlössli sei mittlerweile eine Herzensangelegenheit. Damit spricht Meinrad Meyer vielen Wohlerinnen und Wohlern tatsächlich aus dem Herzen.
Eine neu entdeckte Liebe
Feierliche Buchvernissage «Schlössli Wohlen. Ein Haus – zwei Leben»
Das Schlössli, der grosse Star. Eine solche Bezeichnung hat sich Wohlen sehr lange unmöglich vorstellen können. In den letzten 20 Jahren erfolgte der grosse Wandel: vom Abbruchprojekt zum sanierten, ältesten Steinhaus von Wohlen. Dieser Epoche ist nun ein Buch gewidmet. Ein starkes Dokument. Ein Kompliment den Buchmachern.
Daniel Marti
«Das ist der richtige Zeitpunkt für dieses Buch», sagt Fabian Furter. Er ist der Präsident des Vereins Schlössli Wohlen und treibende Kraft des neuen Buchs «Schlössli Wohlen. Ein Haus – zwei Leben». Und das 70 Seiten umfassende Werk ist ein weiterer Höhepunkt in der 20-jährigen Vereinsgeschichte. Das Schlössli hat eigentlich mehr Leben gelebt als die zwei im Buchtitel angesprochenen, es waren sogar viele Epochen, viele Funktionen. Alle werden im neuen und vielfältigen Buch zumindest angesprochen.
Das Schlössli der Neuzeit ist jedoch fast gänzlich vom Verein Schlössli Wohlen abhängig. Dieser stellte als Nachfolger der Genossenschaft Dorfkern die Weichen für die Rettung, für die Zukunft. Und darum sei es jetzt Zeit gewesen für dieses Buch, so Furter. Angedacht hat er es schon länger. Aber die Zeit … sie rennt oder man hat selten genug davon. «Das Buch ist eine Art Abschluss des Schlössli-Projekts.» Das Vereinsjubiläum und die Tatsache, dass sich das Schlössli als Eventort und Kulturstätte bewährt hat, haben nun zur Umsetzung des Buchprojekts geführt.
Von armselig bis stolz
Es sei ja nur etwas mehr als ein Baudokument herausgekommen, sagt Furter und stapelt damit unendlich tief. Fünf Persönlichkeiten konnte er für einen Beitrag begeistern: Lokalhistoriker Heini Stäger, Autor und Kulturpreisträger Jörg Meier, Architekt Hans Furter, den kantonalen Denkmalpfleger Reto Nussbaumer und die Kantonsarchäologin Cecilie Gut – und sich selbst natürlich. Autorin und Autoren lassen tief blicken ins Schlössli, in die Historie, in die wechselhafte Anerkennung des Hauses und dessen Bewohnerinnen und Bewohner an der Steingasse (siehe auch Ausgabe vom vergangenen Freitag).
Die Buchvernissage war ein kleines, schmuckes Fest. Begleitet von der Musikschule Wohlen. Die Buchpräsentation war schlicht, ohne grosse Festreden, denn alle warteten auf den Moment, einen ersten Blick ins Buch zu werfen. Es war an Journalist und Autor Jörg Meier, das Haus und vor allem die Wandlung der Wohlerinnen und Wohler zu beschreiben. Seiner Lesung folgten die Gäste voller Spannung.
«Das kleine Wunder von Wohlen.» So lautet sein treffender Beitrag im Buch. Meier umschreibt die Wende, was das Ansehen und die Bedeutung des Schlössli angeht. Und auch seine persönliche Gefühlslage. Denn auch sein erster Eindruck, damals als Schulkind, war bei so vielen Wohlerinnen und Wohlern ähnlich: «Ziemlich armselig.»
Er blickte zurück ins Baujahr («ungefähr als Kolumbus Amerika entdeckte»), auf die 800-Jahr-Feier von Wohlen, «mit dem Epizentrum Schlössli-Schüür». Damals im Jahr 1978 habe die neu entdeckte Liebe nicht lange gehalten, so Meier. Und im Jahr 2000 lag das Abbruchgesuch auf dem Tisch. Der Tiefpunkt. Dann kümmerte sich bald der Verein Schlössli Wohlen um das älteste Steinhaus der Freiämter Metropole. Sogar zwei Brände spielte den Rettern in die Karte, die Versicherung zahlte zweimal, und der Verein kam so ziemlich locker zum nötigen Kleingeld. «Die Brandstifter wurden so zu Wohltätern wider Willen», sagte Meier, der aber auch gerne zugab, «dass Wohlen heute ein wenig stolz ist auf das Schlössli».
2015 – das entscheidende Jahr
Das Schlössli hat so viele Geschichten geschrieben, wie es eben seinem Alter entspricht. Der Kernbau stammt aus dem späten Mittelalter. Es gehörte den Habsburgern, war Sitz der Ritter von Wohlen, war Beiz, Wohnhaus der Reichen, später dann der Armen. Es war Ärgernis, Ruine, Festhütte. Und es war sogar einsturzgefährdet – das dann während der Renovationsarbeiten.
«Und es war erstaunlich, dass niemand das Referendum ergriffen hat», fügte Meier noch an und meinte damit den grosszügigen Beitrag von 400 000 Franken, den die Ortsbürgergemeinde gesprochen hat. Das war ein Eckpfeiler im Dezember 2015. «Da haben wir gewusst, wir können es schaffen», so Fabian Furter. «2015 war allgemein das entscheidende Jahr.» 2015 wurde auch die Aktion Schlossherren und Schlossdamen, die jeweils tausend Franken für die Sicherung der Zukunft des Schlössli spendeten, gestartet. Ein weiterer Eckpfeiler auf dem Weg zur Rettung.
Cooler Vorstand
Das Schlössli ist definitiv gerettet – das freut die Vereinsmitglieder, die Denkmalpflege, die Kantonsarchäologin, die Schlossdamen und Schlossherren sowie praktisch ganz Wohlen. Und das Schlössli hat sich seit dem Umbau bewährt. Über 200 Veranstaltungen fanden bereits im Schlössli statt. Darum, der Vereinspräsident liegt richtig: Jetzt ist der richtige Moment für dieses Buch. Und es konnte so umgesetzt werden, wie es sich Fabian Furter in den Kopf gesetzt hatte. Gestartet ist er mit einem Inhaltskonzept. Geplant waren 50 Seiten. Während des Layouts und während der Sichtung der Bilder wurde es dann immer mehr. Total 70 spannende Seiten. Ganz zur Zufriedenheit von Fabian Furter. «Ja», bestätigt er, «ich bin richtig happy mit dem Resultat.»
Der Werdegang rund ums Schlössli mit dem Prozess bis zum Baustart, Bauphase, Einweihung im Februar 2018 und mit der Entwicklung machen ihn glücklich. «Es ist cool, mit diesem Vorstand zusammenzuarbeiten. Wir wollen dranbleiben und unser Fest «Punkt & Halbi» etablieren.» Das bedeutet auch, Furter hält dem Verein und dem Schlössli seine Treue. «Wir hoffen, wir können nochmals 20 Jahre anhängen und die Schlössli-Geschichte weiter ergänzen.» Schöne Aussichten.
«Wieder auf Kurs»
GV Verein Schlössli Wohlen
Vor der Buchvernissage wurde in Windeseile die Generalversammlung durchgeführt. Das Coronajahr hinterliess bei der Belegung des Schlössli seine Spuren. Drei Monate lang lief im letzten Jahr gar nichts. «Nun sind wird wieder ziemlich ausgebucht», konnte Betriebswart Roger Waeber berichten. «Die Leute haben wieder Lust und Freude, sie wollen etwas unternehmen. Wir sind auf Kurs.»
In den Jahren 2019 und 2020 schaute jeweils ein Verlust heraus, 2900 beziehungsweise 4400 Franken. Aber der Verein hat Reserven. Das Vereinskapital weist eine Höhe von rund 34 500 Franken auf. Die Hypothekarlast auf dem Schlössli beträgt 200 000 Franken. Die Mitgliederzahl liegt bei knapp über 140. Mit Katharina Stäger, Edi Hübscher und Wife Geissmann mussten drei Rücktritte aus dem Vorstand verkraftet werden. Diese werden durch die neuen Vorstandsmitglieder Stefanie Dietrich, Thomas Rorato und Michelle Hodel ersetzt. Präsident bleibt Fabian Furter. Und der machte noch in eigener Sache Werbung. Furter ist Co-Projektleiter von «Zeitgeschichte Aargau». Das Buch dazu wird in dieser Woche veröffentlicht. Auch ein Dokumentarfilm zählt zum Projekt, das 50 Jahre (1950 bis 2000) des Kantons Aargau beleuchtet. Furter geht damit auf Tournee. Am Donnerstag, 25. November, ist er im Kloster Muri zu Gast. Und am 8. Juni 2022 wird er das Schlössli mit diesem Projekt beehren. --dm





