Erinnerungen an bessere Zeiten
15.10.2021 Region UnterfreiamtKurt Moos war fast ein halbes Jahrhundert lang Pöstler ihn Wohlen. Doch man kennt ihn auch als Legende des FC Villmergen. Zwischen 1966 und 1979 war er Captain der 1. Mannschaft. Angebote des FC Wohlen hat er abgelehnt. «Das wäre eine Todsünde gewesen», sagt der 73-Jährige. Der FC ...
Kurt Moos war fast ein halbes Jahrhundert lang Pöstler ihn Wohlen. Doch man kennt ihn auch als Legende des FC Villmergen. Zwischen 1966 und 1979 war er Captain der 1. Mannschaft. Angebote des FC Wohlen hat er abgelehnt. «Das wäre eine Todsünde gewesen», sagt der 73-Jährige. Der FC Villmergen feiert in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen. Moos erinnert sich zurück an das Jahr 1971, als der FC Villmergen an der Spitze der 2. Liga kickte und Derbys vor 1000 Zuschauern bestritt. Er erzählt auch von der damaligen Jubiläumsfeier, die im Vergleich zu der diesjährigen Party zum 100-Jahr-Jubiläum eine Klasse für sich war. --spr
Ein Derby-Traum vor 1000 Fans
FC-Villmergen-Legende Kurt Moos erinnert sich an die glorreiche Saison zum 50-Jahr-Jubiläum
In diesem Jahr feiert der FC Villmergen sein 100-jähriges Bestehen. Vereinslegende Kurt Moos fand die Feierlichkeiten «eher mässig». Er erinnert sich an 1971, als die Villmerger zum 50-Jahr-Jubiläum eine Glanzsaison hinlegten.
Stefan Sprenger
April 1971. Der FC Villmergen reist auswärts auf die Paul-Walser-Stiftung zum FC Wohlen. 1000Zuschauer sind da. Und es kam, wie es Villmergen-Trainer René Hänggi sich gewünscht hat: Sein Team bezwingt den Favoriten aus Wohlen. Ferrao und Reidhaar sind die Torschützen beim 2:0-Sieg. «Jedes Derby gegen Wohlen war ein Bombenspiel», sagt der heute 73-jährige Kurt Moos. Bei den Villmergern stand Willy Bächer im Tor. «Er hat uns ausgeholfen», weiss Moos. Dazu waren fast ausschliesslich Villmerger Urgesteine auf dem Platz: Dobler, Schmidli, Michel, Strickler, Keusch, Stäger – und die Brüder Beat und Kurt Moos.
Zwischen 1966 und 1979 war er Captain der 1. Mannschaft des FC Villmergen. In seiner Blütezeit kriegte er ein Angebot vom FC Wohlen.
FCW-Urgestein Jack Sauter wollte ihn unbedingt haben. «Aber ich war ein Villmerger und sah keinen Grund, zu wechseln. Ausserdem war das damals eine Todsünde, von der Badmatte auf die Paul-Walser-Stiftung zu wechseln.» Selbst als die Young Fellows aus Zürich anklopften, sagte er Nein. Es wäre seine Chance gewesen, sich in der Nationalliga A zu beweisen. Doch der hochtalentierte Kurt Moos war (und ist) eben auch ein Einheimischer – und eine treue Seele. Er bezeichnet sich selbst als «vergifteten Villmerger».
«Ich bin mit dem Töfti durchs Dorf geflogen»
Der Fakt, dass er 49 Jahre lang in Wohlen Briefträger war, spielt da auch keine Rolle. Er erinnert sich noch an den ersten Arbeitstag nach dem grandiosen Derbysieg gegen den FC Wohlen. Überall wurde der Pöstler darauf angesprochen. Es wurde ihm gratuliert von allen Seiten. «Und ich bin mit dem Töffli quasi durchs Dorf geflogen und habe die Briefe verteilt», lacht Moos.
In der Jubiläumssaison zum 50-Jahr-Jubiläum des Vereins kämpft der FC Villmergen in der 2. Liga ganz vorne mit. Es ist ein Dreikampf zwischen Wohlen, Villmergen und Schöftland. Am Ende schafft es die Mannschaft von Trainer René Hänggi auf den 3. Rang. Erwähnenswert: In den beiden Saisons zuvor ist das Team von der 4. in die 2. Liga durchmarschiert. «Die Aufstiegsfeier war gigantisch. Sie haben uns mit Ross und Wagen durchs Dorf kutschiert.»
Kurt Moos erinnert sich auch an die grosse Party zum Jubiläum. Am 3./4. Juli und am 10./11. Juli gab es unter OK-Präsident Guido Koch eine sagenhafte Feier.
Gigantisches Fest zum 50-Jährigen
Es gab einen Altherren-Match, die neue Flutlichtanlage (Kosten 67 000 Franken) wurde mit dem Spiel zwischen dem «Eis» und dem FC Wettingen (NLB) eröffnet, es gab ein Plauschspiel der Behörden – und die Partie der Frauen des FC Aarau gegen den FC Emmenbrücke wurde als «Augenschmaus» betitelt. Das Festprogramm war riesig. Dutzende Musiker und Sängerinnen lieferten Konzerte und Tanzabende, beim Grümpelturnier traf sich das ganze Dorf. Beim offiziellen Jubiläumsakt gratulierten dem FC Villmergen der Verband und die Gemeinde. «Das war einfach gigantisch», erinnert sich Kurt Moos.
Vor wenigen Wochen fanden die 100-Jahr-Feierlichkeiten auf der Badmatte statt. Auf der neuen Anlage herrschte während zwei Tagen Festbetrieb. Doch Ehrenmitglieder oder frühere Vereinsmitglieder wurden nicht eingeladen. Es gab auch keinen richtigen Festakt. Kurt Moos war an beiden Tagen da. «Ich war enttäuscht. Von der damaligen Zeit habe ich niemanden gesehen.» Moos sucht nach Erklärungen: «Corona trägt sicherlich auch eine Mitschuld. Aber irgendwie hat der FC Villmergen die Nähe zum Dorf etwas verloren. Das ist schade», so Moos, der heute in Fahrwangen wohnt.
Er war nie ernsthaft verletzt
Moos spielte bis 1979 aktiv in Villmergen – immer in der 2. Liga. Die Badmatten-Kicker waren jahrelang vor Muri und Bremgarten die klare Nummer zwei im Freiämter Fussball (hinter Wohlen). Auch nach seiner Aktivkarriere war nicht Schluss.
Moos spielte bei den Senioren und den Veteranen. Erst vor zehn Jahren – im Alter von 64 Jahren – war dann Schluss. Nach über 50 Jahren Fussball, ohne je einmal ernsthaft verletzt gewesen zu sein. Er war zudem auch Trainer: in Sarmenstorf, Meisterschwanden und Mellingen. Heute geht er viel spazieren, turnt und hält sich durch Gartenarbeit fit.
«Villmergen gehört in die 2. Liga»
Der zweifache Vater und zweifache Grossvater hat bis heute eine Verbindung zum FC Villmergen und ist oft an den Spielen anzutreffen. «Das geht nicht einfach weg. Das ist eine tiefe Verbindung zum FC Villmergen und zum Fussball», erzählt Moos. Der jahrlange Captain des «Eis» wünscht sich, dass man bald auf der Badmatte einen Aufstieg feiern kann. «Mit dieser tollen Anlage gehört Villmergen in die 2. Liga. Aktuell sieht es gut aus. Sie haben ein starkes Team und einen starken Trainer.» Und auch wenn er weiss, dass sich vieles verändert hat in den letzten 50 Jahren, so hofft er, dass der Verein wieder näher ans Dorf rücken kann. Vielleicht gibt es dann wieder einmal Freiämter Derbys vor 1000 Zuschauern. «Das wäre sehr, sehr schön», sagt Moos.



