Älter werden leicht(er) gemacht
05.10.2021 Region UnterfreiamtAnlass zum Internationalen Tag des Alters im katholischen Kirchgemeindehaus Villmergen
Die Gemeinde Villmergen lud anlässlich des Internationalen Tags des Alters verschiedene Institutionen und Partner rund um dieses Thema ein. Nebst dem Referat von Esther Egger, ...
Anlass zum Internationalen Tag des Alters im katholischen Kirchgemeindehaus Villmergen
Die Gemeinde Villmergen lud anlässlich des Internationalen Tags des Alters verschiedene Institutionen und Partner rund um dieses Thema ein. Nebst dem Referat von Esther Egger, Präsidentin des Aargauischen Seniorenverbandes, erwarteten die Besucher viele Informationen und lustige Sketche der Theatergesellschaft.
«Älter werden wollen alle, alt sein aber niemand», so eröffnete Claudio Fischer, Präsident der gemeinderätlichen Kommission 60+, diesen Nachmittag. Ziel dieses Anlasses sei, ältere Menschen zusammenzubringen, Kontakte zu knüpfen, Informationen zu vermitteln, eine Plattform für Freiwilligenarbeit zu schaffen und das «Wir-Gefühl» im Dorf zu stärken.
Dass Älterwerden in Villmergen kein Problem sei, schätzt auch Gemeindeammann Ueli Lütolf. «Wir haben schon jetzt ein recht gutes Angebot. Und mit dem Sinnespark in der Oberen Mühle entsteht nun noch ein zusätzlicher Ort der Begegnung und der Verbindung von Generationen.» Dies alles hätten die älteren Leute verdient, da sie sehr viel geleistet haben in ihrem Leben. «Senioren haben enorm viel Erfahrung und bieten grosses Potenzial. Dieses gilt es zu nutzen», ist er überzeugt.
Partizipation ist die Lösung
Das anschliessende Referat der Präsidentin des Aargauischen Seniorenverbandes, Esther Egger, ging der Frage der Überalterung nach und zeigte auf, wie jeder einen Beitrag zum gesellschaftlichen Leben leisten kann. «Für mich ist klar: Älterwerden ist keine Krankheit, sondern eine Entwicklung», sagt sie. Der Anteil der Personen ab 65 Jahren steige in den kommenden Jahren schneller an als die Anteile der anderen Altersklassen. Dies führe dazu, dass die Schweiz schon in 10 bis 20 Jahren eine sichtbar andere Bevölkerungsstruktur haben werde als heute. «Diese Entwicklung hat weitreichende Auswirkungen auf Wirtschaft, Gesellschaft und die politisch notwendigen Rahmenbedingungen auf allen Ebenen», stellt Esther Egger klar.
Die Mehrheit der Gemeinden in der Schweiz sind überaltert. Trotzdem findet gut ein Drittel, dass Alterspolitik nicht unbedingt wichtig sei. Spezifische Alterskommissionen gibt es nur in 48 Prozent der Aargauer Gemeinden, so wie beispielsweise in Villmergen. «Dabei müssen wir heute entscheiden, wie wir morgen in Würde alt werden wollen», so Esther Egger. Die Lösung sei Partizipation. «Mitwirken und mitentscheiden statt nur zuschauen», macht sie deutlich. «Denn wer hat mehr Erfahrung und Wissen in Sachen Mobilität, Wohnformen, Pflege und Betreuung sowie Digitalisierung, wenn es darum geht, diese altersgerecht umzusetzen?», fragt sie in die Runde. «Die Gemeinden tun also gut daran, dieses Potenzial abzuholen und zu nutzen.»
Ohne Freiwillige geht es nicht
Freiwilligenarbeit ist für die Schweizer Gesellschaft von unbezahlbarem Wert, und sie hat hierzulande eine lange Tradition. Zu Recht wird sie als unverzichtbare Ressource für das Gemeinwesen und die Gesellschaft gesehen. Verschiedene Studien zeigen, dass jüngere Seniorinnen und Senioren sehr gerne freiwillig tätig sind, etwas Sinnstiftendes tun wollen.
«Das Wichtigste dabei ist, dass wir achtsam mit uns selbst umgehen und für uns selbst das Richtige finden», weiss die Präsidentin des Aargauischen Seniorenverbandes. Fehle der Dialog zur eigenen oder zu anderen Generationen, so drohe ein Mangel an Inspiration und Kontakten, der Verlust der kognitiven Fähigkeiten, eine Abnahme der Mobilität und Selbstständigkeit, das Gefühl von Vereinsamung, Nutzlosigkeit und Leere. Freiwilligenarbeit bereichere, gebe viel Dank und Freude retour und habe eine präventive Wirkung auf die physische und psychische Gesundheit.
Keine Rechte ohne Pflichten
Beim Thema Partizipation komme man aber auch nicht um die politische Komponente herum. «Damit meine ich nicht Parteipolitik, sondern Alterspolitik», sagt Esther Egger. Der Aargauische Seniorenverband bemühe sich um eine ausgewogene, parteipolitisch neutrale Alterspolitik. Dafür sei das Vernetzen auf allen Ebenen zwingend notwendig.
«Ihr Anlass heute ist bestes Beispiel dafür», fügt sie an. Die Politik habe es bis heute aber nicht geschafft, für wichtige Themen wie die AHV- und BVG-Revision oder eine bessere Finanzierung von Pflege und Betreuung vom Volk tragbare und akzeptierbare Lösungen zu erarbeiten. «Die Partizipation der Seniorinnen und Senioren ist auch bei Gesetzen und Revisionen notwendig», macht Esther Egger deutlich. Nur wer bereit sei, sich ständig zu wandeln, bleibe innerlich jung und lebendig.
Dass es in Villmergen zahlreiche Institutionen rund ums Alter gibt, zeigte Urs Hupfer, Präsident des Seniorenvereins, in einer kurzen Präsentation auf. Die breite Palette reicht von Angeboten der Pro Senectute über die Gruppe Avanti 60+, die ökumenischen Seniorennachmittage, den Seniorenverein, die Dorfbibliothek, den Kulturkreis, die Obere Mühle bis hin zur Besuchergruppe des Seniorenzentrums oder der Spitex am Puls. All diese Organisationen und Vereine präsentierten sich an Ständen, wo zusätzliche Informationen eingeholt werden konnten.
Die Lachmuskeln arg strapaziert
Zu guter Letzt wartete noch ein «Abschlussschmankerl» der Theatergesellschaft Villmergen auf die Anwesenden. Zum Thema «Generationenüberschreitend älter werden» haben sie selbst geschriebene und auf Villmergen bezogene Sketche zum Besten gegeben.
Die lustigen Wortspielereien und tollen schauspielerischen Leistungen lösten beim Publikum so manchen Lacher aus. Und immer wieder war den Sketchen zu entnehmen: Früher war nicht alles besser – einfach anders. --nl



