«Ich stehe gerne unter Strom»
12.10.2021 WohlenPatricia Rubin liebt die Arbeit im Supermarkt Wohlen, weil dort viel läuft. «Die Filiale ist gross, aber die Stimmung dennoch sehr familiär.» Ihren Lernenden traut die Berufsbildnerin von Anfang an viel zu und fördert sie.
Für ihre Lernenden scheut Patricia ...
Patricia Rubin liebt die Arbeit im Supermarkt Wohlen, weil dort viel läuft. «Die Filiale ist gross, aber die Stimmung dennoch sehr familiär.» Ihren Lernenden traut die Berufsbildnerin von Anfang an viel zu und fördert sie.
Für ihre Lernenden scheut Patricia Rubin keinen Aufwand. So gestaltete sie mit Viktor Nikolov vor dessen Abschlussprüfung immer wieder neue Warenaufzüge, um ihm seine Nervosität zu nehmen. «Bis am Schluss waren es wohl um die fünfzehn Aufzüge», erzählt sie lachend. So konnte der junge Mann diesen Sommer perfekt vorbereitet an die Prüfung gehen und schaffte sie mit Bravour.
Auch Dillara Nafezi traute die Berufsbildnerin früh viel zu. Bereits in der ersten Woche liess sie die Lernende das Brot allein einräumen. Dabei muss man wissen: In der Brotabteilung ist die Zeit morgens jeweils knapp, weil um 8 Uhr alles bereit sein muss. «Es hilft viel, wenn man Routine hat», weiss Patricia Rubin, die nicht nur Berufsbildnerin, sondern auch Teamleiterin Backwaren ist. Punkt 8 Uhr war die Brotauslage schön hergerichtet und bereit für die Kundschaft. «Da war nicht nur die Lernende stolz, sondern auch ich.»
Bei der Migros Aare ist Patricia Rubin eine von 240 Berufsbildenden. Verkaufsgespräche üben, Sortimentswissen erweitern, Schulstoff erklären – die Aufgaben sind vielseitig.
Fordern und fördern
Die jungen Leute fordern und damit auch fördern, das ist es, was Patricia Rubin möchte. Am liebsten ist ihr, wenn ihre Schützlinge Eigeninitiative zeigen und mit Vorschlägen zu ihr kommen. Zugleich sollen die Lernenden wissen, dass ihre Berufsbildnerin jederzeit für sie da ist, auch wenn mal ein Problem auftaucht. «Es hilft sicher auch, dass meine Lehrzeit noch nicht so lange her ist und ich mich an vieles gut erinnern kann.»
Vor zehn Jahren hatte Patricia Rubin ihre dreijährige Lehre in der Filiale Windisch begonnen. Danach arbeitete sie eine Zeitlang in der kleinsten Filiale an der Mellingerstrasse in Baden, ehe sie ins Tivoli Spreitenbach wechselte. Hier in Wohlen gefällt es ihr besonders gut. Die Filiale ist so gross, dass sie «viele Möglichkeiten hat, etwas zu bewegen». Gleichzeitig gibt es aber auch viele Stammkundinnen und -kunden, die regelmässig vorbeikommen. «Dieses Familiäre schätze ich sehr.»
Die Nähe zur Kundschaft ist es, die sie einst zum Detailhandel gebracht hat. Offen geht sie auf die Leute zu. «Wenn sie zum Beispiel ein Produkt vermissen, das es nicht mehr gibt, stelle ich ihnen Alternativen vor. Ich helfe und berate sehr gerne.» Je mehr im Laden los ist, desto wohler fühlt sich Patricia Rubin. «Ich bin gerne unter Strom und so umso produktiver.»
Powerfrau – im Laden und zu Hause
Auch in ihrer Freizeit unternimmt Patricia Rubin viel. Sie powert sich aus beim Kickboxen, geht mit ihren Freunden in den Ausgang oder hegt ihre Schätze, zwei BMW-Autos. «Autos sind meine Leidenschaft.» Wenn sie um die Hügel rund um ihren Wohnort Oberflachs fährt, kann sie am besten auftanken.
So startet Patricia Rubin jeweils gelassen wieder in eine neue Woche im Supermarkt. Es braucht einiges, um die 25-Jährige aus der Ruhe zu bringen. Das bestätigt Gaetano Timeo, der zurzeit die Nachholbildung für Erwachsene absolviert. «Sie hat so viel Geduld. Wenn es sein muss, erklärt sie alles wieder und wieder», erzählt der 27-Jährige. Die vier Lernenden in Wohlen schätzen ihre Berufsbildnerin sehr. Und umgekehrt ist es genauso.
Text: Pia Schüpbach
Bilder: Pedro Rodrigues



