«Auf höchstem Niveau»
17.09.2021 WohlenSerie «Grosse Kisten»: Die Hagewo 2015 begeisterte die Menschen weit über Wohlen hinaus
Einfach Hagewo. Das steht in Wohlen für den Verein, aber auch für die vielfältige Gewerbeausstellung und ein rauschendes Dorffest. Der Handwerker- und ...
Serie «Grosse Kisten»: Die Hagewo 2015 begeisterte die Menschen weit über Wohlen hinaus
Einfach Hagewo. Das steht in Wohlen für den Verein, aber auch für die vielfältige Gewerbeausstellung und ein rauschendes Dorffest. Der Handwerker- und Gewerbeverein Wohlen ist der Macher der Hagewo. Die letzte Durchführung war hitverdächtig – angeführt von Alt-Bundesrat Adolf Ogi, der die Festrede hielt.
Daniel Marti
Sie ist in allerbester Erinnerung, die Hagewo 2015. Im Oktober 2015, von Donnerstagabend bis Sonntagabend, eine feine Sache, ein tolles Dorffest, eine Leistungsschau des Gewerbes, eine Herkulesarbeit für das Organisationskomitee. «Die Hagewo 2015 war für mich die schönste und erfolgreichste von allen fünf Ausstellungen, die ich als Bauchef von 1996 bis 2015 begleiten konnte», sagt beispielsweise OK-Mitglied Joe Huwiler sofort.
Und Urs Müller, aktueller Präsident des Handwerker- und Gewerbevereins sowie treibende Kraft im OK, landet bei seinen Erinnerungen sofort bei Adolf Ogi, der Alt-Bundesrat eröffnete das viertägige Highlight. «Es ist eine Freude», sagt Müller an Ogi denkend. «Es war einmalig. Und wir sind heute noch voller Dankbarkeit, dass wir die damaligen Tage zusammen mit der Bevölkerung erleben konnten. Und wir durften auch viel Wertschätzung aus der Bevölkerung erfahren.»
Ein wahrer Steigerungslauf
Das Dorffest auf dem Merkur-Areal, die Gewerbeausstellung in der Hofmatten-Anlage. Das war die ideale Mischung, die sogar vom Riesenrad aus von oben bestaunt werden konnte. Diese zwei Eckpfeiler, Fest und Ausstellung, haben sich gemeinsam und gegenseitig befruchtet. In den Siebzigerjahren wurde die Hagewo jeweils mit drei oder vier Beizli betrieben. «Aber schon vor 30 oder 40 Jahren haben wir bemerkt, welches Potenzial für ein solches Dorffest besteht», erklärt Urs Müller weiter. Dieser Steigerungslauf mündete dann tatsächlich in der Durchführung im Jahr 2015.
«Die Hagewo 2015 war ein Volksfest und eine Leistungsschau auf höchstem Niveau. Alle beteiligten Personen können stolz auf das erfolgreiche Fest zurückblicken», sagt beispielsweise OK-Präsident Gregor Maranta. «Die Handwerker und Gewerbebetriebe haben sich von ihrer besten und professionellen Seite gezeigt. Das Fest-Areal war sensationell und wurde von der Bevölkerung auch entsprechend angenommen.» Dieser Top-Anlass habe niemanden kalt gelassen – «und das bis heute». Deshalb bleibt bei ihm auch eine etwas wehmütige Erinnerung.
Gewerbe trug die hohen Zusatzkosten
Aber die Hagewo 2015 hat auch einiges gekostet. Mitten in den Planungsarbeiten musste ein Nachtragskredit von den Mitgliedern des Handwerkerund Gewerbevereins bewilligt werden. Denn die Instandstellung der Infrastruktur auf dem Merkur-Areal kostete gegen 100 000 Franken, nur so konnte ein einwandfreier Festmittelpunkt garantiert werden. «Das Wohler Gewerbe hat das praktisch kommentarlos bezahlt», blickt Müller zurück.
Bei der Austragung 2010 war der Festplatz noch beim Schlössli. Fünf Jahre später war der Platzbedarf um einiges grösser – darum der Wechsel. Die Aussenplätze auf dem Merkur-Areal mit der Gastgemeinde aus dem Engadin, mit den grossen Präsentationen der Firmen Vogelsang und Notter kamen zudem bestens an.
Die Zielsetzung für Ausstellung und Dorffest verlangte dem OK sehr vieles ab. «Das war nicht zu ehrgeizig», sagt dazu Müller, «Dorffeste sind in Wohlen ja immer ein Erfolg.» Man hat es gerne gerichtet, den riesigen Aufwand und die Mehrkosten.
Wichtige Stützen und stete Weiterentwicklung
Der enorm grosse Aufwand konnte damals auch dank «der Mithilfe des Zivilschutzes während den rund dreieinhalb Wochen bewältigt werden», blickt Bauchef Huwiler zurück. «Der Aufwand hat sich gelohnt.» Und Joe Huwiler geht noch einen Schritt weiter: «Die Freude und Begeisterung unter den Ausstellern und Besuchern waren immens. Diese Begegnungen sind auch die Stützen, die wirtschaftlich und sozial gesehen zum Wohle der Bevölkerung beitragen.» An jedem Festtag konnten gegen 10 000 Besucherinnen und Besucher gezählt werden.
Wohlen und die Hagewo – das ist eine Erfolgsgeschichte. Das bestätigt vor allem Michel Wagner, ehemaliger langjähriger Vereinspräsident und OK-Mitglied. Bei den Austragungen 2005 und 2010 war er OK-Präsident. «Für mich ist nicht nur die Austragung 2015 eine grosse Kiste, für mich war es eine Trilogie von 2005 über 2010 bis 2015.» Das OK habe alles über drei Ausstellungen hinweg «immer weiterentwickelt, und dies gipfelte 2015 im Finale».
Wendepunkt und der ideale Platz
Laut Wagner haben die Aussteller und Besucher immer mehr erwartet. Immer grösser, immer besser. «Und wir konnten dies tatsächlich erfüllen.» Aber 2015 war nicht nur der Höhepunkt, sondern von den Überlegungen her eine Art Wendepunkt. Ex-Präsident Michel Wagner und der aktuelle Präsident Urs Müller waren sich nach 2015 einig: «In Zukunft werden wir Neues erfinden müssen, mehr geht nicht mehr.»
Ein weiterer Punkt ist ebenso klar: «Das Merkur-Areal entwickelte sich immer mehr zum perfekten Ort für die Hagewo und es ist auch heute der perfekte Ort für Ausstellungen, Zirkus, Lunaparks.» Die Gemeinde müsse diesen Platz herrichten und für diese Nutzungen bereitstellen, so Wagner. Also eine Erschliessung mit Wasser, Strom, Abwasser ist zwingend, vielleicht sogar ein Durchgang für Rollstuhlfahrer. Hier liegen die Hoffnungen bei einer hängigen Motion. «Ohne intakte Infrastruktur sind weitere ähnliche Feste nicht möglich», sagt auch Urs Müller ganz klar.
Wann ist wieder Hagewo?
Zurück zur Hagewo 2015. Und zu deren Einordnung. «Die Hagewo-Ausstellungen waren schon immer die grössten Dorffeste in Wohlen», sagt Michel Wagner, «diese muss es wieder geben, wir Menschen aus Wohlen brauchen das. Vielleicht müssen wir ein Wohler Fest starten, wir alle zusammen.»
Gemäss Gregor Maranta sei es nun an einer jüngeren Generation, die Hagewo als Ausstellung und den Verein weiterzuentwickeln «und, wenn die Zeit reif ist, auch wieder mit einer Ausstellung zu küren». In welcher Form und Umgebung dies dann sein werde, da lasse er sich gerne überraschen. «Ich freue mich darauf, diese dann als Besucher miterleben zu dürfen.»
Die Zukunftshoffnungen sind also gross – vor allem auch, weil die Erinnerungen an die Hagewo 2015 immer noch stark präsent sind. Dies kann Vereinspräsident Urs Müller nur bestätigen. Noch heute, ziemlich genau sechs Jahre danach, bekommt er ab und zu Anrufe. «Du, wann ist endlich wieder Hagewo?», wird er dann gefragt. Abwarten auf die passende Infrastruktur auf dem Merkur-Areal, lautet dann immer die gleiche Antwort. Vielleicht 2024 oder 2025? «Dieses ständige Nachfragen ist doch der Beweis, dass die letzte Hagewo nicht so schlecht sein konnte.» Nicht so schlecht? Nein. Sie war einzigartig gut, berauschend, vielfältig, unvergesslich. Eben, ein Geschenk für Wohlen.
Ende der Serie
Anfang Juli wurde die Serie «Grosse Kisten» gestartet. Damals mit einem Beitrag über die 800-Jahr-Feier in Wohlen. Es folgten bis heute ein Dutzend Beiträge. Beispielsweise über das Spektakel «Chrüüz und Fahne» in Villmergen, den Empfang der neuen Bundesrätin Doris Leuthard 2006, den Aufstieg des FC Wohlen 2002 in die damalige Nationalliga B oder auch die 900-Jahr-Feier von Hägglingen. Mit diesem Beitrag über die Hagewo 2015 endet die Serie «Grosse Kisten».
Die Serie wurde ausgewählt, weil grosse Feste im letzten Jahr und heuer gar nicht oder fast nicht möglich waren.





