Wasserbezug in 28 Minuten
17.08.2021 Region BremgartenFünf Feuerwehren – Eggenwil, Bremgarten, Zufikon, Wohlen, Muri – beübten den «Wiissli»-Hof
Es gibt wenige schwierige Standorte, die sich für einen umfassenden Feuerwehreinsatz im grossen Verbund so eignen wie das Gehöft ...
Fünf Feuerwehren – Eggenwil, Bremgarten, Zufikon, Wohlen, Muri – beübten den «Wiissli»-Hof
Es gibt wenige schwierige Standorte, die sich für einen umfassenden Feuerwehreinsatz im grossen Verbund so eignen wie das Gehöft «Wiissli» hoch über Eggenwil. Fünf Feuerwehren waren mit zehn schweren Löschfahrzeugen und hundert Feuerwehrleuten zugegen.
Hans Rechsteiner
Da oben, hoch über Eggenwil, am Sonnenhang ist über Jahrhunderte einfache Landwirtschaft ausgeübt worden. Man findet in der Umgebung, sogar in Wäldern, uralte Mauerreste. Doch erhärtete kulturgeschichtliche Dokumente gibt es leider keine. Einzig die glaubwürdige Michaeliskarte 1840 nennt hier erstmals den Flurnamen «Wyssli», auch die Siegfriedkarte 1880 kennt das Gehöft. Andere urkundliche Erwähnungen, etwa über Besitzverhältnisse und Generationenwechsel, fehlen. Bekannt ist, dass das heutige Haupt-Wohnhaus 1932 gebaut wurde, vorher wohnte man in der Scheune, seit 2006 ist die dritte Generation Belser tätig. Da sind zehn Hektaren Land, Öko-Weide, Ackerbau und Wald. Auf dem Hof leben Schafe, Hühner, Kaninchen, Hofhund und Katzen. Tanja Belser führt einen vielfältigen Hofladen. Doch das alles trägt nur zu zehn Prozent zum Betriebsergebnis bei, es ist ein externes Haupteinkommen nötig. Sechs Personen wohnen heute in der Kleinsiedlung. Und die alte Bezeichnung «Wyssli» wurde zum «Wiissli».
Eine feuerwehrtechnische Herausforderung
Übungsleiter Thomas Hausherr, Kommandant der zuständigen Feuerwehr Eggenwil, konnte etliche Instruktoren aus den teilnehmenden Feuerwehren und Fachspezialisten des Kantons begrüssen. Die Brandsituation war mit etwas Rauch angezeigt. Hausherr hatte noch etwas Zeit, um das Aufgebot an Feuerwehren zu erklären: Eggenwil (Ortsfeuerwehr), Bremgarten (Atemschutz und Sanität), Zufikon (langer Wassertransport ab dem Weiler Hofor steil aufwärts) in einem klugen Verbund der Nachbarschaftshilfe, Stützpunkt Wohlen mit der Autodrehleiter, Stützpunkt Muri wegen des langen Wassertransports über 1,8 Kilometer auf einer schmalen Waldstrasse ab Widen. Die Frage bleibt unbeantwortet, wieso man nicht die sehr nahe Feuerwehr Bellikon beizieht – anderer Bezirk? Und auf dem Mutschellen stünde auch eine taugliche Autodrehleiter parat.
Eine gute Feuerwehrleistung
Etwas irritiert hat – und war für die erfahrenen Feuerwehrleute überraschend – dass bereits im Telefonalarm neu das Wort «Alarmübung» vorkommt. Also rannte niemand an den «Ernstfall», man marschierte eher gut gelaunt und locker daher.
Die Leistung der Mannschaften war sehr gut. Nach vier Minuten schon rannten zwei Eggenwiler Feuerwehrler ums Gehöft und loteten die Situation aus – «Ablesung» nennt sich das. Schliesslich übernahm der Offizier Gianni Migliaccio das Kommando. Dass das erste Tanklöschfahrzeug mitten in den Hof und viel zu nahe an den Brandherd heranfuhr, ist ein «Fehler», den es in der Hitze des Gefechts geben kann. Die erste Reaktion aber war richtigerweise eine Rettung. Simon (11-jährig) rief auf der Südseite aus dem obersten Stock des Wohnhauses um Hilfe. «Nein, Angst habe ich keine», sagte er und kletterte über die fachgerecht angestellte Rettungsleiter locker herunter.
Als Sofortmassnahme wurde zwischen dem Wohnhaus, in dem die Küche brannte, und der nur wenige Meter daneben stehenden Scheune mit dem Hofladen ein wirksamer Wasserschild gesetzt, um die Gebäude zu trennen. Drei Atemschutztrupps gingen gezielt gegen den hartnäckigen Küchenbrand und den Übergriff im Nebengebäude vor.
Die grösste Herausforderung aber war die Heranschaffung von Löschwasser. Die längste Strecke – 1,8 Kilometer – wurde ab dem oberen Dorfrand von Widen auf einer Waldstrasse ab Tanklöschfahrzeug verlegt, was 28 Minuten dauerte, die Anfahrtszeit von Muri her ist wohl nicht eingerechnet. Die Feuerwehr Zufikon legte ihre Leitung ab dem Hydranten im Weiler Hofor steil bergauf in 27 Minuten, Anfahrt möglicherweise eingerechnet. Ein hier getestetes Vorgehen funktionierte automatisch: Die vier Wasser liefernden Tanklöschfahrzeuge wurden seriell miteinander verbunden, sehr gut.
Kann und soll Lehren ziehen
In der ausführlichen Übungsbesprechung wurden wichtige Details hervorgehoben, wie die abgelegene Lage und die engen Platzverhältnisse, und die zu lange Chaosphase erwähnt. Die Schadenplatz-Organisation sei aber gut gelöst worden und das Zusammenspiel der fünf Feuerwehren habe gut funktioniert, sagten die Experten. Oft kommen in solchen Übungen auch kleine Details zutage, die man ändern kann, ein aktuelles Beispiel: Der Einweisposten für die Nachbarfeuerwehren auf der Sternenkreuzung sass im Funkloch. Geistesgegenwärtig rannte er hinauf zum Hartmannhof und fand dort den Funkkontakt zum «Wiissli». Die Lehre: Man wird unten auf der Höhe Feuerwehrlokal ein besseres Relais einbauen.
Das abschliessende Fazit von Übungsleiter Thomas Hausherr war ein Kompliment an die Kameraden: «Wenn man es hier kann, wo es sehr eng ist, wo man kein Wasser hat, wo es schlecht zugänglich ist – dann kann man es auch an besser erschlossenen Orten im Siedlungsgebiet.»



