Haus voller Erinnerungen
24.08.2021 Region BremgartenSommerserie «Auf den Punkt» an der Wohlerstrasse in Fischbach-Göslikon
Der Pfeil der Redaktion trifft eines der ältesten Häuser von Fischbach-Göslikon. Darin wohnen der 83-jährige Paul Zimmermann und seine 76-jährige Frau Margrit in ...
Sommerserie «Auf den Punkt» an der Wohlerstrasse in Fischbach-Göslikon
Der Pfeil der Redaktion trifft eines der ältesten Häuser von Fischbach-Göslikon. Darin wohnen der 83-jährige Paul Zimmermann und seine 76-jährige Frau Margrit in dritter Generation. Es waren entbehrungsreiche Jahrzehnte.
Roger Wetli
Das Haus des Ehepaars Zimmermann steht in der Nähe der Mellingerstrasse. Hoch gebaut wirkt es fast ein wenig wie ein Turm. Betritt man es, fallen sofort die vielen Gegenstände auf. Diese erschweren ein Durchkommen teilweise fast. «Ja, ich habe Mühe, Dinge wegzuwerfen», gesteht Margrit Zimmermann. Gerade im Wohnzimmer sind unzählige Fotos und selbst gemachte Kunstgegenstände auszumachen. Sie erzählen von fleissigen Händen, grossen Hochzeitsfesten und anderen wichtigen Anlässen.
Eine Katzennärrin
Im zweiten Stock befindet sich ein Art «Katzenzimmer». Es ist der persönliche Rückzugsort von Margrit Zimmermann. «Ich liebe Katzen. Hatte selber immer solche Haustiere. Heute aber nicht mehr. Wir sind zu alt für ein junges Tier. Es würde uns überleben.»
Das werden wohl auch die unzähligen Ton- und Plastikkatzen, Puzzles, Bilder, Vasen und Kissen, auf denen die Stubentiger auszumachen sind. Margrit Zimmermann strahlt. «Es sind meine Lieblingstiere.» Dabei scheint die rüstige Frau auch Hasen und Hühner zu mögen.
Im Schopf neben dem Haus füttert sie drei Hühner. Gierig schnappen sie nach dem Löwenzahn, den ihnen Margrit Zimmermann in die Einzäunung hereinwirft. Auch die Hasen sind hungrig und neugierig. «Die Häsin hat heuer neun Junge geboren. Zusammen mit dem Bock haben wir jetzt elf Hasen», lacht sie und strahlt. Die Augen wirken dabei wach und aufmerksam.
Haus vermutlich aus dem 16. Jahrhundert
Wie alt dieses Haus an der Wohlerstrasse wirklich ist, kann der Heimatschutz nur schätzen. Angenommen wird, dass es aus dem 16. Jahrhundert stammt und vielleicht mal als Siechenhaus gedient hat.
Speziell ist der Keller, der direkt und ebenerdig über die Wohlerstrasse erreichbar ist. Gab es früher einen direkten Zugang zum Rest des Hauses über eine Klappe, muss man heute rund um das Haus herumlaufen, um diesen zu erreichen.
Der direkte Zugang stand noch, als Margrit Zimmermann ihren Mann Paul heiratete und von Villmergen nach Fischbach-Göslikon zog. «Ich weiss, dass bereits sein Grossvater hier lebte», schaut sie zurück. «Als ich hierher kam, war die Küche noch sehr klein. Wir lebten mit Pauls Eltern zusammen und hatten als einzigen Privatraum genau das eheliche Schlafzimmer.»
Ein Jahr nach der Hochzeit gebar sie ihre Tochter. «Pauls Vater war zu ihr sehr liebevoll. Leider ist er gestorben, als sie erst drei Jahre alt war.» Mit Paul Zimmermanns Mutter lebte das Paar dagegen 19 Jahre lang zusammen.
Schwierige Zeiten
«Ich musste mich gegen sie behaupten. Es war eine schwierige Zeit», seufzt Margrit Zimmermann. «Das heute oft als Idealbild angeschaute Drei-Generationen-Haus war damals noch eine schwierige Angelegenheit, da der Platz sehr eng war. Heute kann man sich besser gegenseitig aus dem Weg gehen.»
Geheizt wurde noch lange mit dem Kachelofen. Erst nach dem Ableben von Paul Zimmermanns Mutter konnte eine Heizung eingebaut werden. «Das erhöhte den Wohnkomfort stark. Es war ein Befreiungsschlag», so Margrit Zimmermann.
Im Haus umgezogen
Im Wohnzimmer liessen sie den Holzdurch einen Plattenboden ersetzen. Dies, weil sie einen Hund hatten und so weniger Schmutz entstand. Innerhalb ihres Hauses ist das Paar seit 1966 insgesamt dreimal umgezogen. In Fischbach-Göslikon lernte die rüstige Frau Traktor fahren. Sie half auf dem damaligen Hof mit, wo es ging. Ihr Mann Paul arbeitete von 1967 bis 2003 im Strassendienst des Kantonalen Werkhofes. «In der kalten Jahreszeit rückte er oft für den Winterdienst aus.» Eine Ehrung dafür hängt im Wohnzimmer des Ehepaars. Obwohl Margrit Zimmermann seit über 50 Jahren in Fischbach-Göslikon lebt, war sie im Dorf nie gross in einem Verein aktiv.
Kontakte im Bünztal
Nur für kurze Zeit sang sie mal im Kirchenchor. Viel lieber pflegte sie ihre Beziehungen nach Villmergen und Wohlen. «Ich treffe mich immer noch gerne mit meinen Jahrgängern», strahlt sie. 25 Jahre lang war sie in einer Wandergruppe von Wohlen aktiv. Sie organisierte selber viele Wanderungen und vermochte dabei die Mitlaufenden immer wieder mit überraschenden neuen Routen zu begeistern. Auch Paul Zimmermann pflegt zu Wohlen ein enges Verhältnis. Seit 55 Jahren ist er dort im Sportfischerverein aktiv.
Hilfe von den Verwandten
Das Ehepaar ist froh, im alten Haus leben zu können. Viele Unterhaltsarbeiten und Erneuerungen setzt mittlerweile ihr Schwiegersohn Hubert Stöckli um und auch auf die grosse Hilfe von Tochter Astrid Stöckli kann es sich verlassen. «Hat man ein Haus, hat man immer etwas zu tun», weiss Margrit Zimmermann. Viele Dinge lässt das Ehepaar heute aber auch so, wie sie sind. Der Katzenaufstieg an der Aussenfassade erinnert zum Beispiel an die Zeit, als hier noch aktiv «miaut» wurde. «Eine dieser Katzen ist über 20 Jahre alt geworden und bei mir auf den Oberschenkeln gestorben», seufzt Margrit Zimmermann. Sie betrachtet dabei das Foto dieser Katze, das zwischen all den anderen Bildern und gemalten Katzen steht. Diese Erinnerungen kann dem Paar niemand nehmen.



