Für den Notfall gewappnet
24.08.2021 Region OberfreiamtDie erste Grossübung zweier Feuerwehren im Tunnel in Sins
Um im Ernstfall bereit zu sein, führten die Stützpunkt-Feuerwehr Muri+ und die Feuerwehr Sins-Abtwil in Zusammenarbeit mit dem Kanton Aargau im Südwestumfahrungstunnel in Sins eine Übung mit ...
Die erste Grossübung zweier Feuerwehren im Tunnel in Sins
Um im Ernstfall bereit zu sein, führten die Stützpunkt-Feuerwehr Muri+ und die Feuerwehr Sins-Abtwil in Zusammenarbeit mit dem Kanton Aargau im Südwestumfahrungstunnel in Sins eine Übung mit rund 110 Feuerwehrleuten durch.
Susanne Schild
Rauch dringt aus der Röhre am Nordportal des neuen Tunnels in Sins. Immer wieder weist eine automatische Lautsprecherdurchsage darauf hin, dass im Tunnel Lebensgefahr bestehe und man diesen schnell verlassen solle. Der Autofahrer wird beim Befahren der neuen Südwestumfahrung in Sins kaum an das Inferno, das bei einem Unfall in einem Strassentunnel entstehen kann, denken. Der Rauch eines brennenden Fahrzeugs beispielsweise schränkt die Sicht sehr schnell ein, dazu entwickelt sich eine Hitze von mehreren hundert Grad. «Deshalb ist es umso wichtiger, dass wir für den Notfall gewappnet sind, und zwar schon jetzt, bevor er eröffnet wird», erklärt Kommandant Thomas Strebel von der Stützpunktfeuerwehr Muri+.
Testphase des Kantons ist bereits abgeschlossen
«Am 13. September ist die Anlage scharf. Aus Erfahrungen weiss man, dass sich Unfälle hauptsächlich in der Anfangsphase ereignen», erklärt Martina Tobler, Projektleiterin Elektrotechnik, Kanton Aargau. «Die Testphase des Kantons ist bereits abgeschlossen. Während fünf Tagen wurde das Zusammenspiel aller Anlagen im Tunnel geprüft», informiert Erhard Wyss, Departement Bau, Verkehr und Umwelt, Abteilung Tiefbau, Kanton Aargau.
Am Samstag wurde der Ernstfall von der Feuerwehr Sins-Abtwil und der Stützpunktfeuerwehr Muri+ geübt. Bei einer Frontalkollision zweier Fahrzeuge brach ein Brand aus. Acht Verletzte mussten aus dem Tunnel gerettet werden. Um 9.12 Uhr startete die Übung, an der 110 Feuerwehrleute, die Regionalpolizei Muri sowie die Rettungsdienst Muri beteiligt waren. Involviert in den Einsatz waren noch 18 zusätzliche Figuranten, die sich aber selbstständig retten konnten.
Im 912 Meter langen Tunnel gibt es alle 150 Meter einen Hydranten. Alle 166 Meter ist ein Notausgang. Auf neun Abschnitten sind 18 Rauchmelder verteilt. Diese schlagen automatisch Alarm, wenn die Messwerte abweichen. Bei Ereigniseintritt wird sofort die Notfallzentrale in Aarau informiert und auf das Kamerasystem im Tunnel aufgeschaltet. «Das hat den Vorteil, dass in den ersten zehn Minuten, bevor die Feuerwehr vor Ort ist, bereits wichtige Informationen gesammelt werden und an die Feuerwehr weitergeleitet werden können. So gewinnt man im Ernstfall wichtige Zeit», erklärt Martine Tobler. Auch das Rotlicht am Portaleingang wird automatisch aktiviert. «Das ist immens wichtig, damit nicht noch mehr Fahrer in die Gefahrenzone einfahren», informiert sie weiter.
Der «Duden» des Tunnels
Marcel Oberer und Markus Gunzenhauser von der Firma ecosafe waren an der Übung auch vor Ort. Die beiden erstellten eine Dokumentation über den Tunnel. «Über den Tunnel existieren rund 10 000 Pläne. Unsere Aufgabe war es, diese zusammenzufassen und für jeden schnell lesbar und verständlich aufzubereiten», erklärt Gunzenhauser. Falls es zu einem Ereignisfall im Tunnel käme, müsse eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den verschiedenen Organisationen wie Feuerwehr, Polizei und Spital gewährleistet sein. Auch die Ökologie, wohin das Löschwasser beispielsweise abfliesst, sei darin festgehalten. «Dadurch dass alle den gleichen Plan vorliegen haben, ist eine schnelle Kommunikation gewährleistet», so Marcel Oberer. «Diese Dokumentation ist sozusagen der ‹Duden› des Tunnels», fasst Gunzenhauser zusammen. Das Werk werde fortlaufend aktualisiert und auch neue Erkenntnisse, die man nach einem Schadensereignis gewinnt, werden darin festgehalten.
Schlechte Sicht ist die grösste Herausforderung
Thomas Strebel, Kommandant der Stützpunktfeuerwehr Muri+, und Thomas Huber, Kommandant der Feuerwehr Sins-Abtwil, zeigten sich sehr zufrieden mit dem Verlauf der Übung. «Für uns war es eine Premiere und zugleich auch ein grosser Erfolg», fasst Huber zusammen. Innerhalb der vorgeschriebenen zehn Minuten sei man am Einsatzort gewesen. Im Feuerwehrmagazin startete man gestaffelt, um den Einsatz möglichst authentisch zu gestalten. Insgesamt kamen das Tanklöschfahrzeug, ein schweres Pikettfahrzeug, ein Mehrzweckfahrzeug und ein Verkehrsabteilungsfahrzeug zum Einsatz.
Die Stützpunktfeuerwehr Muri+ war ebenfalls im Zeitplan innerhalb von 20 Minuten vor Ort. Sie rückte mit einem Tanklöschfahrzeug, einem Pikettfahrzeug, einem Kommandofahrzeug und einem Mannschaftstransportfahrzeug aus. Der Grossraumventilator der Stützpunktfeuerwehr Muri+ kam nicht zum Einsatz. «Wir greifen in einem Tunnel den Brand mit dem Wind an. In diesem Fall haben wir mit den Strahlventilatoren, die im Norden und Süden im Tunnel installiert sind, gearbeitet. Doch falls diese ausgefallen wären, wären wir ausgerüstet gewesen», erklärt Thomas Huber. Denn die grösste Herausforderung bei einem Tunnelbrand sei die schlechte Sicht.
Am Ende des einstündigen Übungseinsatzes wurde ein Fazit gezogen. «Wir sind sehr zufrieden. Die Übung ist zum grossen Teil reibungslos abgelaufen und das ist die Hauptsache», so Thomas Huber. «Wir hatten zwar ein kleines Problem mit dem Funkverkehr im Tunnel», fügt Thomas Strebel hinzu, aber das könne leicht behoben werden. Es habe sich gezeigt dass das Notfallkonzept richtig sei und den Tatsachen entspreche. Man sei für einen hoffentlich nie eintreffenden Notfall gerüstet, so Thomas Strebel abschliessend.



