Wenn der Bagger Pause macht
02.07.2021 WohlenKlasse P4a des Schulhauses Bünzmatt führte das Musiktheater «Der rote Koffer» auf
Die Viertklässler von Lehrer Lukas Arnold wechseln nach den Ferien ins Schulhaus Bünzmatt 3. Zuvor machten sie sich, anderen Klassen und ihren Eltern ein ...
Klasse P4a des Schulhauses Bünzmatt führte das Musiktheater «Der rote Koffer» auf
Die Viertklässler von Lehrer Lukas Arnold wechseln nach den Ferien ins Schulhaus Bünzmatt 3. Zuvor machten sie sich, anderen Klassen und ihren Eltern ein Geschenk. Mit viel Einsatz präsentierten sie ein Open-Air-Theater.
Chregi Hansen
Not macht eben erfinderisch. Weil in Zeiten von Corona lange unsicher war, ob Theater im Innern erlaubt sind, entschloss sich Lukas Arnold, das Abschlussprojekt seiner Klasse nach draussen zu verlegen. Dazu wurde der Eingangsbereich des Bünzmatt 2 zur Bühne. Mehr noch, gespielt wurde sozusagen auf dem ganzen Areal vor dem Schulhaus.
Hätte Arnold gewusst, mit welchen Problemen er zu kämpfen hat, vielleicht hätte er verzichtet. «Mir war von Anfang an klar, dass nur dieser Ort infrage kommt, weil der Bereich überdacht und vor Regen und Sonne geschützt ist. Aber bei dem Sturmund Regenwetter der letzten Tage hat auch das nicht viel genützt», erklärt er lachend. So musste er miterleben, wie Teile der Kulisse einfach umkippten oder sie gar davongeweht wurden. «Wir haben jetzt alles fixiert, damit nichts passieren kann», fügt er an.
Echte Bahnhofstimmung beim Schulhaus
Dazu kamen weitere Probleme. Zum einen gibt es nur diesen einen Eingang ins Gebäude. Und weil das Stück länger dauerte als eine Lektion, wurde dieser Eingang währenddessen für die Pause und den Schulhauswechsel benötigt. Auch hier machte man aus der Not eine Tugend, baute während der Schülervorstellung am Nachmittag eine kleine Pause ein, in der originelle Bahnhofsdurchsagen eingespielt werden – spielt das Stück doch mehrheitlich am Bahnhof. «Irgendwie passt es sogar, wenn dann die Menschen vorbeiströmen», sagt Arnold. Für die Elternvorstellung am Abend war dieser Trick dann nicht mehr nötig.
Unerwartet wurden Lehrer sowie die Schüler und Schülerinnen in der Woche vor der Aufführung mit einem ganz anderen Problem konfrontiert. Direkt vor dem Bünzmatt2 begannen die Sanierungsarbeiten an der Werkleitung. Der Baulärm machte eine Aufführung praktisch unmöglich, die Texte der Kinder waren kaum noch zu hören. Arnold suchte das Gespräch – und stiess auf Verständnis. «Die ibw und die Firma Notter erklärten sich bereit, für die Zeit der Aufführung auf lärmintensive Arbeiten zu verzichten», freut sich der Klassenlehrer. Pünktlich zum ersten Lied stellte der Baggerführer den Motor aus. «Es ist toll, dass wir unser Stück tatsächlich draussen aufführen können», sagt Lukas Arnold.
Ein altes Stück in einer neuen Fassung aufgeführt
Die Kinder dankten es mit einem speziell grossen Einsatz. Denn das von Arnold selbst geschriebene Stück «Der rote Koffer» verlangt von ihnen viel ab, wechseln doch Dialoge immer wieder mit Liedern ab. Der Primarschullehrer hat die Geschichte bereits 2009 einmal aufgeführt, damals mit zwei Klassen. Für den Auftritt mit nur einer Klasse waren diverse Änderungen nötig. «Die Schüler und Schülerinnen haben viele eigene Ideen eingebracht», freut sich der Autor. Die Proben begannen bereits nach den Frühlingsferien, in der Projektwoche wurde das Ganze dann intensiv geübt, daneben bastelten die Kinder auch alle Kulissen. Die Vorführungen für die anderen Schüler und die Eltern waren dann der krönende Abschluss.
Toller Abschluss
Im Stück geht es um einen seltsamen roten Koffer, der herrenlos auf dem Bahnhof steht und für Verwirrung sorgt. Bald schon taucht ein zweiter, fast identischer Koffer auf. Und nun weiss wirklich niemand mehr, wem nun was gehört. Sehr zum Ärger der Polizei, die immer wieder aufgeboten ist, aber jedes Mal umsonst, weil der Koffer schon wieder weg ist. Passend zur Geschichte trägt die Klasse auch immer wieder witzige Lieder vor – auch die alle selbst geschrieben.
Lukas Arnold freut sich, dass er seinen Schülern vor dem Wechsel in die 5. Klasse und damit in ein anderes Schulhaus einen solchen Abschluss bieten kann. «Diese Kinder haben schon in der 2. Klasse ein Stück aufgeführt. Ich habe da bereits gespürt, mit wie viel Begeisterung sie dabei sind», sagt er. Darum wollte er ein ähnliches Projekt durchführen. Unterstützt wurde er dabei von Musikschullehrerin Margrit Sachs. Auch wenn ein solches Projekt für ihn viel Mehraufwand bedeutet, so leistet Lukas Arnold diesen gern. «Das sind unvergessliche Momente. An solche Auftritte erinnern sich die Schüler und Schülerinnen noch in vielen Jahren zurück», ist er überzeugt.



