Pinguin darf endlich abheben
04.06.2021 WohlenPrisca Zweifel und Lukas Stäger haben eigenen Song und Video produziert
Das Corona-Jahr bescherte ihnen viele Absagen. Das Paar nutzte die Zeit, um sich einen Herzenswunsch zu erfüllen.
Chregi Hansen
Das Lied ist ...
Prisca Zweifel und Lukas Stäger haben eigenen Song und Video produziert
Das Corona-Jahr bescherte ihnen viele Absagen. Das Paar nutzte die Zeit, um sich einen Herzenswunsch zu erfüllen.
Chregi Hansen
Das Lied ist schon älter. Lukas Stäger schrieb die Melodie und einen Teil des Textes bereits 2002. Partnerin Prisca Zweifel half dann 12 Jahre später mit, den Song in ein mitreissendes, rockig interpretiertes Kinderlied zu verwandeln, in dem sie den Text überarbeitete und weitere Strophen hinzufügte. Seither gehört «De Pinguin vo Afrika» quasi zum Standardrepertoire, wenn Prisca Zweifel mit einem ihrer vielen Chöre einen Auftritt hat.
«Das Lied hat sich längst verselbstständigt und wird auch anderswo gesungen», konnten Stäger und Zweifel erfahren. So wurde es ins Spanische übersetzt und an einer Weihnachtsfeier in Peru aufgeführt. Und schon lange hatte das Wohler Musiklehrerpaar den Wunsch, mehr daraus zu machen. «Wir sind überzeugt, dass es das Potenzial hat, ein Kinderlied-Klassiker zu werden», sagen sie.
Die vielen Absagen in diesem Winter haben sie genutzt, um ihren Traum zu erfüllen. Und ihren Pinguin abheben zu lassen. Mit enorm grossem Aufwand haben sie das Lied «De Pinguin vo Afrika» aufgenommen und ein Video produzieren lassen. Weil Chorgesang verboten war, mussten alle Kinderstimmen einzeln aufgenommen und das Ganze später zusammengefügt werden. Ab heute Freitag kann das Resultat im Internet bewundert werden. «Wir sind einfach glücklich», sagen die beiden.
Aus 50 Stimmen einen Chor basteln
Prisca Zweifel und Lukas Stäger haben ihr Kinderlied «De Pinguin vo Afrika» professionell produziert
Man nehme: eine mitreissende Melodie, einen lustigen Text und ein Sujet, das sich möglichst in den Köpfen einnistet. Fertig ist der Kinderhit. «De Pinguin vo Afrika» bringt das alles mit. Ab sofort gibt es ihn als Song und als Video.
Chregi Hansen
Normalerweise ist ihre Agenda voll. Prisca Zweifel unterrichtet an den Musikschulen Wohlen und Riesch und leitet verschiedene Kinderchöre. Lukas Stäger ist ebenfalls Musiklehrer, dazu Musiker und Komponist.
Gerade im Winter sind sie extrem gefordert. Bereichern Zweifels Chöre verschiedene weihnachtliche Anlässe, immer begleitet von Stägers Klavierspiel. Dieser ist zudem seit 2015 musikalischer Leiter von Monti’s Variété, das ebenfalls in der Vorweihnachtszeit über die Bühne geht. Im letzten Winter war aber alles anders, präsentierte sich die Agenda leer. Keine Konzerte, kein Variété. Und auch keine Chorproben – das gemeinsame Singen war verboten. «Das war eine schwierige Zeit», gesteht Prisca Zweifel.
Sich drei Ziele gesetzt
Doch die gähnende Leere im Kalender hatte auch ihre positiven Seiten. Die zweifachen Eltern konnten die Zeit nutzen, sich einen lang gehegten Wunsch zu erfüllen. Und das gemeinsam geschriebene und komponierte Kinderlied «De Pinguin vo Afrika» professionell zu produzieren. «Wir wollten mit dem Projekt gleich drei Ziele erreichen», erklärt Komponist Lukas Stäger. «Unser gemeinsames Lied endlich aufnehmen. Die leere Coronazeit sinnvoll nutzen. Und Werbung machen für den Chorgesang.» Und Letzteres sei bitter nötig, ergänzt Zweifel. «Wegen Corona und des Verbots von Chören sind die Anmeldungen an den Musikschulen zurückgegangen», stellt sie fest.
Die Geschichte des Kinderliedes ist lang. Entstanden ist es viele Jahre, bevor sich die beiden Musiklehrer kennengelernt haben. «Die Melodie und die ersten Textfragmente habe ich schon 2002 geschrieben», erinnert sich Stäger. Zwölf Jahre später feierten Stäger und seine damals neue Partnerin zusammen mit ihren Freunden Andy Muntwyler und Ulla Tikka. Da hörte Prisca Zweifel erstmals dieses Lied. Angestachelt vom Wunsch, den «Pinguin» mit ihren Kinderchören aufzuführen, überarbeitete und ergänzte sie den Text, schrieb einen zusätzlichen Rap und erzählte die Geschichte zu Ende.
Seither gehört «De Pinguin vo Afrika» zum Repertoire ihrer Chöre. «Der Song kommt sehr gut an bei den Kindern. Weil er sehr poppig ist, aber trotzdem in Schweizerdeutsch», erzählt die Chorleiterin. Gesungen wird der «Pinguin» auch bei den Auftritten als «Christmas Tree» in Zürich, von da aus machte ein Video den Weg um die ganze Welt. «Wir werden immer wieder angefragt, ob es das Lied auch zu kaufen gibt. Bisher mussten wir alle immer vertrösten», berichtet Stäger. Es war längst Zeit, mit dem Song ins Studio zu gehen.
Alles genau geplant
Doch in Zeiten von Corona erwies sich das als nicht so einfach. Einen Chor im Studio singen lassen war nicht erlaubt. Also musste man kreativ werden. «Wir haben in Wohlen und Riesch gefragt, welche Kinder Lust haben zum Mitmachen. Natürlich mussten auch die Eltern ihr Okay geben», erzählt Stäger. Je 25 Schüler und Schülerinnen der beiden Musikschulen meldeten sich. Danach wurde das Ganze generalstabsmässig aufgegleist. Prisca Zweifel sang eine Pilotspur ein, mit der die Kinder zu Hause üben konnten. Die Band mit Lukas Stäger (Keyboards), Claudia Weissbart (Flöte), André Gärtner (Bass) und Micha Dettwyler (Schlagzeug) nahm den Musiktrack auf. Die Kinder wurden alle einzeln ins Studio eingeladen und sangen da unter professionellen Bedingungen mit Kopfhörer, Mikrofon und Mischpult das Lied. «Das war ein besonderes Erlebnis für sie. Für ans allerdings zwei sehr anstrengende Tage», lacht Zweifel.
Witziger Stop-Motion-Film als Krönung
Doch die eigentliche Arbeit begann erst jetzt. Aus den 50 einzelnen Stimmen musste Lukas Stäger einen Chor abmischen. «Ein Chor hat eine natürlich Dynamik, eine bestimmte Wucht. Dies nun im Studio zu imitieren, war gar nicht so einfach», erklärt der Wohler Musiker. Jedes Kind sollte zu hören sein, der Gesang ausgewogen, aber auch nicht zu sauber klingen. Stäger verbrachte viele Stunden im Studio bis zum endgültigen Resultat. Der Aufwand hat sich gelohnt – wer es nicht weiss, hört nicht, dass alle Kinder einzeln und nicht im Chor gesungen haben.
Prisca Zweifel und Lukas Stäger sind stolz auf das Resultat. Den beiden war aber von Anfang an klar: Zum Lied braucht es auch ein Video. Vorsorglich hatten sie bereits während den Studioaufnahmen von den Kindern Fotos gemacht mit verschiedenen Mundstellungen. Zusammen mit diversen Zeichnungen haben die Animationskünstler des Eisprung Studio in Bern diese Bilder zu einem witzigen Stop-Motion-Film montiert. «Die Kinder wussten damals nicht, wofür wir die verschiedenen Fotos gemacht haben. Als sie den Film jetzt gesehen haben, kam der grosse Aha-Effekt», berichtet Zweifel lachend.
Wie bei den Tonaufnahmen war auch beim Video der Aufwand enorm. «Wir hatten das Ziel, dass die Mundstellung der Kinder zum Text passt. Bei nur drei, vier verschiedenen Bildern jeweils gar nicht so einfach», erzählt Stäger. Umso glücklicher ist er über das Resultat. «Wir freuen uns, dass wir den Song nach so langer Zeit endlich produzieren konnten. Und dann noch in so toller Qualität», sagen die beiden. Nicht nur der zeitliche Aufwand für das Projekt war hoch, auch fi nanziell kam ein grosser Betrag zusammen. Unterstützung gab es etwa von den Musikschulen Wohlen und Riesch und von einzelnen Stiftungen, weitere Anfragen sind noch am Laufen.
Auftritt an Jazz-Night geplant
Auf eine eigentliche Release-Party muss das Musikerpaar verzichten, auch hier pfuscht Corona rein. Aber die beiden hoffen, ihr Lied möglichst bald live aufführen zu können. Vielleicht sogar diesen Monat noch an der ibw Jazz Night in Wohlen – dort ist ein Auftritt geplant, ob er statti nden kann, ist noch offen. Und sie haben schon weitere Pläne. «Gute Kinderlieder sind Mangelware. Wir haben im Kopf darum Ideen für weitere Songs», sagt Prisca Zweifel. Vorerst aber soll der «Pinguin vo Afrika» so richtig abheben. Und möglichst zum Hit im Kinderzimmer werden.
Ob sich neue Lieder realisieren lassen, hängt auch davon ab, wie schnell sich die Agenden wieder füllen. Zumindest bei Lukas Stäger ist das der Fall, ist er doch der musikalische Leiter des neuen Programms des Circus Monti. «Ich freue mich, wenn es jetzt wieder losgeht und ich nicht nur für die Schublade arbeite», sagt er. Denn so sehr sie froh sind, dank Corona ihren gemeinsam Song fertiggestellt zu haben, umso glücklicher sind sie, wenn sie wieder normal arbeiten können. Ohne Abstand und ohne Masken. «Für meine Chöre war es wirklich eine ganz schwierige Zeit. Ich hoffe, dass wir im nächsten Schuljahr zur Normalität zurückkehren», meint denn auch Prisca Zweifel.
Das Video gibt es ab heute zu sehen auf Youtube: «de Pinguin vo Afrika».



