Mit dem Bus durchs Dorf segeln
11.06.2021 WohlenIn Wohlen ist in diesen Tagen ein Batteriebus in Betrieb
Elektromobilität soll für Fahrgäste und Fahrpersonal erlebbar werden. Deshalb hat «PostAuto» für wenige Tage in Wohlen einen Batteriebus in Betrieb.
Stefan ...
In Wohlen ist in diesen Tagen ein Batteriebus in Betrieb
Elektromobilität soll für Fahrgäste und Fahrpersonal erlebbar werden. Deshalb hat «PostAuto» für wenige Tage in Wohlen einen Batteriebus in Betrieb.
Stefan Sprenger
Schnittig fährt der Batteriebus Richtung Dorf. Buschauffeur Adrian Geissmann hat ein Lächeln im Gesicht. «Wenn man vom Gas geht, dann fühlt es sich wie segeln an», so der Geschäftsführer der Geissmann Bus AG in Hägglingen.
«Nehmen Verantwortung wahr»
Gestern Donnerstag wurde der neue Botschafter für die Elektromobilität vorgestellt. Noch bis zum 16. Juni kann man den Batteriebus auf den Linien 3 und 5 des Ortsbusnetzes «ausprobieren». Dann zieht der gemietete Elektrobus weiter.
Bis Ende 2024 will «PostAuto» 100 Fahrzeuge mit alternativen Antrieben einsetzen, bis 2040 soll kein Postauto mehr mit fossilen Brennstoffen angetrieben werden. «Als grösstes ÖV-Busunternehmen nehmen wir unsere Verantwortung gegenüber der Umwelt und den Menschen wahr», sagt dazu Peter Zingg von «Post-Auto». Es sei «sehr wichtig», dass die Menschen solch einen Elektrobus erleben können. In Wohlen hat man nun die Chance dazu.
Schweizweit gibt es 2400 Postautos, jedes knallt 50 Tonnen CO2 pro Jahr in unsere Atmosphäre. Ein Wandel ist höchste Zeit. Der Elektrobus kostet über 600 000 Franken, das ist etwa doppelt so viel wie ein Bus mit Dieselantrieb. «Im Unterhalt ist er aber günstiger», erklärt Zingg. Und der Elektrobus hat noch viel mehr Vorteile, wie eine Probefahrt dieser Zeitung zeigt.
Nachhaltiger und ruhiger
Bis 16. Juni fährt ein neuer Elektrobus auf zwei Ortsbuslinien
Die Zukunft ist dieselfrei – dies zumindest möchte die PostAuto schweizweit bis 2040 erreichen. Aktuell besucht sie mit einer E-Bus-Road-Show verschiedene Orte und macht zurzeit halt in Wohlen.
Roger Wetli
«Die Busflotte beträgt schweizweit rund 2400 Dieselbusse. Jeder davon verbraucht jährlich zwischen 40 und 50 Tonnen CO2», weiss Patrick Zingg, Leiter Markt und Kunde von Post-Auto. «Unser Unternehmen hat deshalb eine grosse Verantwortung gegenüber der Bevölkerung und sieht im Ersetzen seiner Fahrzeuge durch solche mit alternativen Antrieben ein grosses Potenzial.» Um den Fahrgästen einen Vorgeschmack auf diese Zukunft zu geben, fährt bis 16. Juni ein Elektrobus auf den Ortsbuslinien 3 und 5.
Regelmässiger Einsatz ab Fahrplan 2023/24
Eine gestrige Probefahrt für Gemeindevertreter und die Presse zeigte zunächst, dass das Fahrzeug innen nicht viel anders aussieht, als es die konventionellen Busse tun. Fährt es aber ab, hört man anstelle des gewohnten Brummens einen leisen Summton. Unterhaltungen sind deutlich besser möglich als in konventionellen Bussen. «Auch draussen sind viel weniger Geräusche zu hören», weiss Patrick Zingg. «Das dürfte besonders die Bewohner in den Quartieren freuen.» Bis die ersten Elektrobusse regulär in Wohlen verkehren, muss man sich aber noch etwas gedulden. «Der regelmässige Einsatz ist hier erst auf den Fahrplanwechsel 2023/24 vorgesehen», so Zingg.
Er erklärte, dass die Erneuerung der Fahrzeugflotte immer in Absprache mit den Kantonen erfolgen muss. «Bis 2024 werden wir im Aargau wohl etwa hundert Dieselbusse durch solche mit alternativen Antriebssystemen ersetzen. Darunter werden auch solche mit Brennstoffzellen fallen.» 2025 würden wohl im Kanton gar keine Dieselfahrzeuge mehr neu in Betrieb genommen.
Schweizweit rechnet die PostAuto, das bis 2040 alle Dieselfahrzeuge verschwunden sind. Dass es so lange dauert, hat gute Gründe. «Busse fahren in der Regel rund zwölf Jahre. Sie vorher zu ersetzen, macht weder ökologisch noch wirtschaftlich Sinn», erläuterte Patrick Zingg. Zurzeit kostet ein Elektrobus noch etwa das Doppelte eines vergleichbaren Dieselfahrzeuges. «Wir hoffen, dass wir einen Teil der Kosten mit tieferen Unterhaltskosten und längerer Fahrzeit kompensieren können. Allerdings fehlen uns aktuell die Erfahrungswerte», gesteht er.
Infrastruktur aufbauen
Wichtig sei, dass bei der Umstellung alle Stellen am gleichen Strick ziehen würden und die Ersatzstrategie zwischen den unterschiedlichen Unternehmen abgesprochen wird. So sollen an Ladestationen sämtliche Elektrobusse angeschlossen werden können. «Die dafür nötige Infrastruktur wird jetzt laufend aufgebaut. Es gibt die Möglichkeit, die Fahrzeuge über Nacht zu laden und sie bei längeren Standzeiten zwischendurch zu laden», gibt Patrick Zingg Einblick. «Der jetzt entstehende neue Wohler Bushof wird so gebaut, dass er entsprechend nachgerüstet werden kann.»
Der Elektrobus verfügt über eine Reichweite von rund 160 Kilometern pro Ladung. Längerfristig werden technisch bis 300 Kilometer angestrebt. So weit ist die Entwicklung noch nicht. Deshalb sieht Zingg den Einsatzbereich von elektrischen Bussen aktuell vor allem im städtischen Bereich und nicht in Überlandlinien. «Innerhalb eines grossen Dorfes sind die Distanzen kürzer und die Topografie flacher. Überwindet der Bus aber grössere Steigungen, braucht das viel mehr Strom.»
Klimaanlagen ziehen viel Strom
Gefahren wurde der Elektrobus an der Showfahrt von Adrian Geissmann, Geschäftsführer der Geissmann Bus AG in Hägglingen. «Ein Elektrobus ist eine sehr spannende Sache», war er begeistert. «Zum Fahren ist er sehr ähnlich wie normale Dieselbusse. Allerdings merkt man, dass zwei Drittel der insgesamt drei Tonnen schweren Batterien im Dach montiert sind.» Bremst Geissmann, wird der dann erzeugte Strom zurückgespiesen.
Das Fahrgefühl für die Gäste sei etwa gleich. Allerdings ziehe eine eingeschaltete Klimaanlage rund 60 Prozent des Stromes. «Wir möchten im Sommer bei diesem Komfort für die Gäste keinen Abstrich machen», kommentiert Patrick Zingg. «Zwar gibt es Elektrobusse, deren Klimaanlagen durch Dieselmotoren betrieben werden. Wir möchten da aber keine Kompromisse machen. Wenn wir schon umstellen, dann richtig.»



