Startschuss ist bereits erfolgt
13.04.2021 Region UnterfreiamtRund um das Alterszentrum Obere Mühle entsteht ein attraktiver Sinnespark
Wenn bei einem Altersheim die Bagger auffahren, dann stösst das immer auf Interesse. Wenn nicht nur für die Bewohner und Bewohnerinnen gebaut wird, dann erst recht. Der geplante ...
Rund um das Alterszentrum Obere Mühle entsteht ein attraktiver Sinnespark
Wenn bei einem Altersheim die Bagger auffahren, dann stösst das immer auf Interesse. Wenn nicht nur für die Bewohner und Bewohnerinnen gebaut wird, dann erst recht. Der geplante Sinnespark wird eine Attraktion für alle Generationen.
Chregi Hansen
«Nein, wir haben bisher ganz wenig Reklamationen wegen des Lärms. Im Gegenteil. Die Mehrheit der Bewohner und Bewohnerinnen freut sich, dass etwas läuft. Und ist sehr interessiert an den Arbeiten», berichtet Marianne Busslinger, die Geschäftsleiterin der Oberen Mühle.
Doch nicht nur im Alterszentrum selber verfolgt man aufmerksam, was hier passiert. «Der Baustart hat viele Reaktionen ausgelöst, wir werden oft darauf angesprochen», erklärt Mike Lauper, der Präsident des Altersheimvereins. Denn längst weiss man im Dorf und auch darüber hinaus, dass die neue Aussenanlage nicht nur internen Zwecken dient. Der Sinnespark, so sein Name, soll Menschen jeden Alters anziehen. Mit verschiedenen Attraktionen, die Jung und Alt gemeinsam nutzen können. Mit Tieren, einer Kneippanlage, einem Generationenspielpark, einem Naturgarten und vielem mehr.
Biotop als Auslöser
So ist beispielsweise eine Zusammenarbeit mit den Schulen angedacht. Diese sollen in Zukunft die Möglichkeit haben, verschiedene Themen rund um die Natur direkt vor Ort zu behandeln. Dazu kann der ehemalige Besucher-Container als Schulzimmer genutzt werden. «Wir sind daran, zusammen mit dem Naturama verschiedene Lehrmittel zu erarbeiten», berichtet Lauper, der hofft, dass die Lehrpersonen dann davon Gebrauch machen.
Derzeit wird nur im vorderen Teil der Aussenanlage gearbeitet. Für den zweiten Teil liegt noch keine Baubewilligung vor. Denn ein Teil befindet sich in der Schutzzone. So auch das fast völlig zugewachsene Biotop, welches der Auslöser ist für all diese Arbeiten. «Der Naturschutzverein hatte früher die Pflege übernommen, nun wollte er die Verantwortung abgeben. In der Folge wurde über eine biologische Aufwertung des Parks als Ganzes nachgedacht», erklärt der Präsident. Daraus ist das Projekt eines Sinnesparkes entstanden, der nun in Angriff genommen wurde. Und weil die Bewilligung für den zweiten Teil nur eine Formsache ist, sollten alle Arbeiten bis im Herbst abgeschlossen sein. «Für uns und ganz Villmergen ist das eine Bereicherung», ist Lauper überzeugt.
Hirsche sind schon umgezogen
Die Arbeiten für die neue Aussenanlage der Oberen Mühle in Villmergen laufen auf Hochtouren
Die Bagger sind aufgefahren. «Seither werden wir viel auf das Projekt angesprochen», sagt Mike Lauper, der Präsident des Altersheimvereins. Ein Zeichen, dass die Obere Mühle und der geplante Sinnespark auf grosses Interesse stossen. Trotz Baustart entwickeln die Initianten ständig neue Ideen.
Chregi Hansen
«Ja, das kostet vielleicht etwas mehr, aber das müssen wir doch einfach machen»: Diesen Satz formuliert Mike Lauper immer wieder bei der Präsentation des neuen Sinnesparks. Man spürt, wie begeistert er von diesem Projekt ist. Und er ist nicht der Einzige. «Es hat sich gelohnt, ganz viele externe Personen in die Planung einzubeziehen. Es wurden viele tolle Ideen entwickelt», so der Präsident des Vereins weiter.
Und dabei bleibt es nicht. Selbst jetzt noch, nach dem Baustart der ersten von zwei Etappen, kommt es immer wieder zu Anpassungen. Weil: «Das müssen wir doch einfach machen», wie es Lauper formuliert. Wenn das Alterszentrum schon so viel Geld in die neue Aussenanlage investiert, dann soll auch wirklich ein Mehrwert kreiert werden. «Was hier entsteht, ist einmalig. Der Park wird zu einer Attraktion für die ganze Region, für alle Generationen», freut sich der Präsident.
Kneippbrunnen aus Mägenwiler Muschelkalk
Doch bei aller Begeisterung sollen die Bewohner und Bewohnerinnen der Oberen Mühle nicht vergessen gehen. «Bei allem, was wir realisieren, müssen wir beachten, dass die Anlage auch von Hochbetagten genutzt wird», sagt Lauper. Das ist auch Geschäftsleiterin Marianne Busslinger ein grosses Anliegen. «Es ist auch wichtig, dass es auch Bereiche gibt, wo sich unsere Bewohner zurückziehen können und sie ihre Ruhe haben», erklärt sie. Das geschieht beispielsweise mit einer Aufwertung der früheren Cafeteria. Aber auch bei den öffentlichen Bereichen wird immer auch auf die älteren Menschen Rücksicht genommen.
Zum Beispiel bei der Kneippanlage, einem der Höhepunkte des neuen Sinnesparks. Hier hat Alfred Strebel, der Ehrenpräsident des Kneipp-Vereins, wichtige Inputs geliefert. So gibt es neben dem Barfussweg und dem Kneippbecken – natürlich mit Handlauf – auch einen Kneippbrunnen. Und der wird auf mehreren Ebenen angeordnet, sodass auch Personen im Rollstuhl die Arme und Füsse ins Wasser eintauchen können.
Doch das ist nicht die einzige Neuerung, was die Kneippanlage betrifft. Besonders freuen sich Mike Lauper und Bauleiter Werner Meier darüber, dass der neue Brunnen aus Muschelkalk aus dem Dottiker Steinbruch Emil Fischer gebaut wird. «Es ist uns ein Anliegen, dass möglichst alles Material aus der Region stammt. Und wenn wir schon einen Steinbruch in der Nähe haben, dann müssen wir das doch nutzen», strahlt der Präsident. Die dort abgebauten Steine werden zum Teil auch in die Umgebung eingebaut, sodass ein einheitliches Bild entsteht.
Die Arbeiten für die Kneippanlage laufen auch Hochtouren, genauso wie die Sanierung der bestehenden Parkplätze. «Wir gestalten sie neu und machen den ganzen Platz sicherer», sagt Bauleiter Meier. Wegen der Arbeiten stehen derzeit weniger Parkplätze zur Verfügung, darum stellt die Gemeinde dem Personal Platz beim nahen Forsthaus zur Verfügung. «Aber wir wissen um die Parkplatznot, darum ziehen wir diesen Teil der Arbeiten vor», erklärt Werner Meier. Hingegen wird mit den Arbeiten an der Pergola beim Eingangsbereich noch etwas zugewartet. «Es hat sich herausgestellt, dass wir die Stützpfeiler verstärken müssen, bevor wir mit der Bepflanzung beginnen können», so Meier. Und warten müssen die geplanten neuen Parkplätze direkt beim Sinnespark. Die werden erst mit der Sanierung der Kantonsstrasse realisiert.
Hirsche haben neues Zuhause gefunden
Bereits verabschiedet haben sich die Hirsche, welche seit vielen Jahren den Park bewohnen. «Wir wollten ihnen den Baustress nicht zumuten und haben für sie im Tierpark der Dottikon ES einen wunderbaren Ort gefunden», erklärt Lauper. Das Schicksal der Tiere habe die Bewohner und Bewohnerinnen bewegt, berichtet Leiterin Busslinger. Sie hätten oft nachgefragt, was mit ihnen passiere, wollten beim Umzug helfen. Zurückkehren werden sie nicht mehr, in Zukunft werden Alpakas, Ziegen, Kaninchen und Hühner den Park beleben. Und Schildkröten. «Die erhalten wir von jemandem, der von diesem Projekt gehört hat und sie uns überlässt. Und sie passen bestens zu uns, können sie doch auch alt werden und bewegen sie sich eher langsam», lacht Busslinger.
Auch bei der Planung der Tieranlage konnte der Altersheimverein auf viel Hilfe von aussen zählen, namentlich von Oskar Koch vom Kleintierverein. «Dank ihm konnten wir ganz viele Details verbessern. Etwa eine Klappe, um von aussen die Eier einzusammeln. Und er schenkt uns sogar einige Kaninchen», freut sich Lauper. Auch die Hühner wurden gestiftet. Und im fernen Alpnach warten die Alpakas auf den Umzug ins Freiamt. «Es handelt sich um Therapietiere, welche sich Menschen gewohnt sind», erklärt Busslinger. Nun gelte es, die mit den Tieren anfallenden Arbeiten zu organisieren. «Wir hoffen, dass wir dazu auch einige Freiwillige und vielleicht sogar Bewohner motivieren können», erklärt die Geschäftsleiterin.
Jede neue Idee geprüft
Noch nicht ganz abgeschlossen ist die Detailplanung des Kinderspielplatzes. Klar ist aber, dass dieser in drei Sektoren aufgeteilt wird, wobei einer vor allem für die Kleinkinder eingerichtet wird. Bald schon starten die Arbeiten für den Pétanque-Platz. Auch hier wurden im Laufe der Planung noch Änderungswünsche angebracht, etwa ein Aussen-WC und ein Wasseranschluss, um die Kugeln zu reinigen. «Wir haben all diese Ideen immer genau geprüft. Und wenn sie Sinn machen und finanzierbar sind, dann machen wir es», sagt Lauper. Insgesamt wird der Sinnespark nun teurer als geplant, aber es sind auch mehr Spenden und Beiträge eingegangen. «Wir kratzen an der Schwelle zur Million», erklärt der Präsident stolz.
Stiftung als Partner
Noch fehlt die Bewilligung für den zweiten Teil, in dem sich der Generationenspielpark und der Naturgarten befinden. «Aber der Kanton hat uns die Bewilligung in Aussicht gestellt, sie sollte noch diesen Monat eintreffen», erklärt Lauper. Auch hier haben sich im Laufe der letzten Wochen viele Veränderungen ergeben. «Unser Ziel ist es, dass Alt und Jung gemeinsam etwas erleben können. Und dabei spielerisch ihre Beweglichkeit, das Gleichgewicht oder ihre Sinne trainieren», macht der Präsident deutlich. Der neue Park wird darum zusammen mit der Stiftung «Hoppla» gebaut, die sich für eine intergenerative Bewegungs- und Gesundheitsförderung einsetzt. Dabei wird das Konzept auf die Bedürfnisse eines Alterszentrums angepasst. Auch hier gilt wieder: «Das kostet vielleicht etwas mehr, aber das müssen wir doch einfach machen.» Unterstützung zugesagt beim Bau des Holzstegs und der Feuerstellen hat der Zivilschutz, der insgesamt drei Wochen vor Ort tätig sein wird.
Anschluss an Herzschlaufe?
Ziel ist es, dass möglichst alle Arbeiten bis spätestens im Herbst abgeschlossen sind. Ein Teil soll jedoch schon Anfang Sommer genutzt werden können, das gilt speziell auch für die Kneippanlage. «Und es wäre toll, wenn wir diese im August mit einem kleinen Fest eröffnen können», sagt Mike Lauper. Die Ideen gehen den Verantwortlichen noch lange nicht aus. So haben sie einen Antrag gestellt, dass der offizielle E-Bike-Weg «Herzschlaufe Seetal» nicht nur an Hilfikon vorbeiführt, sondern einen Abstecher nach Villmergen vorsieht. «Hier könnten die Velofahrer dann ihre Bikes aufladen und den wunderbaren Park geniessen», schaut Lauper voraus. Bei all dem Optimismus und Engagement ist durchaus vorstellbar, dass diese Herzschlaufe schon bald in die Obere Mühle führt. Wo die Velofahrer dann besonders herzlich empfangen werden.






