Kindern eine Zukunft schenken
20.04.2021 Region UnterfreiamtSarmenstorfer Pfarradministrator Augustine Asogwa will Schule in seiner Heimat Nigeria bauen
Bereits seit drei Jahren bezahlt Kaplan Augustine Asogwa die Schulgelder für 47 Kinder in seinem Heimatland Nigeria. Dies ist allerdings nur ein Tropfen auf den heissen Stein. ...
Sarmenstorfer Pfarradministrator Augustine Asogwa will Schule in seiner Heimat Nigeria bauen
Bereits seit drei Jahren bezahlt Kaplan Augustine Asogwa die Schulgelder für 47 Kinder in seinem Heimatland Nigeria. Dies ist allerdings nur ein Tropfen auf den heissen Stein. Jetzt soll eine eigene Berufsschule die Situation verbessern. «Allein kann ich ein solches Projekt nicht stemmen», erklärt der Kaplan.
Chregi Hansen
Kürzlich erhielt er einen Anruf aus seiner Heimat. Eine Frau erzählte ihm unter Tränen, dass ihre Tochter so gerne Krankenschwester werden möchte, die Familie aber die Ausbildung nicht finanzieren kann. Ob nicht er helfen könne. «Das Beispiel zeigte mir einmal mehr, wie wichtig mein Projekt einer Berufsschule für die Region ist», sagt Kaplan Augustine Asogwa.
Die Pläne für diese geplante Schule liegen schon im Detail vor. Ebenso die exakte Kostenberechnung. Und das Bistum stellt für das Projekt ein Grundstück in Obolo-Afor in der Provinz Udenu im Süden Nigerias zur Verfügung. Was noch fehlt, ist das Geld. «Die Kosten für das Gesamtprojekt belaufen sich auf 400 000 Franken», erklärt Augustine Asogwa. «Das Ganze lässt sich aber auch anpassen. Mit 100 000 Franken könnte ich starten.»
Jugendarbeitslosigkeit ist grosses Problem
Eine technische Berufsschule in seiner Heimatregion, diesen Traum verfolgt der Geistliche aus Nigeria schon seit Langem. Und er zitiert seinen Vater, der ihm einst sagte: «Wenn du träumst, schlafe nicht; und wenn du schläfst, träume nicht.» Das bedeute: Wenn er seinen Traum dieser Schule wahr machen will, dann muss er aktiv werden. Und das tut der 42-Jährige bereits seit einigen Jahren. Während einer Stellvertretung im norddeutschen Kiel knüpfte er Kontakte zum dortigen Rotary-Club. «Die Mitglieder waren begeistert von der Idee. Aber sie sagten mir, dass sie nur laufende Projekte unterstützen und keine Gebäude», erzählt Asogwa. Doch bevor das Projekt starken kann, braucht es ein Schulhaus.
Doch aufgeben, das kommt für ihn nicht infrage. Im Gegenteil. «Wenn wir den jungen Menschen in Nigeria eine Chance geben wollen, dann müssen wir in die Bildung investieren», sagt er. Zwar gibt es staatliche Schulen, doch die Qualität des Unterrichts sei mangelhaft. Wer er sich leisten kann, der besucht eine Privatschule. Doch auch nach der Schule fehlen Möglichkeiten für eine Ausbildung oder für Arbeit. Nigeria ist mit rund 200 Millionen Einwohnern das bevölkerungsreichste Land Afrikas. Die Zahl der Einwohner hat sich dabei innerhalb von 30 Jahren verdoppelt. Und etwa die Hälfte der Bewohner ist unter 20 Jahre alt. Doch die wenigsten von ihnen haben Aussicht auf einen Job. Unterbeschäftigung und Jugendarbeitslosigkeit sind ein grosses Problem.
Schwierige Zeit, um Kontakte zu knüpfen
«Nigeria besitzt viele Rohstoffe und könnte ein reiches Land sein. Leider läuft vieles falsch in unserem Land», hat der Kaplan festgestellt. Den jungen Menschen in seiner Heimat eine Perspektive bieten, das ist sein grosses Anliegen. Weil vom Staat nur wenig zu erwarten ist, hoffen viele auf die Kirche. Er selber hilft schon lange, seit drei Jahren unterstützt er privat ein Schulprojekt in seiner Heimatstadt Nsukka. Derzeit trägt er die Schulkosten für 47 Kinder und Jugendliche in dieser Schule. «Das Geld kommt von meinem Lohn, aber auch von Spenden», erklärt er. Der Bau einer eigenen Schule übersteigt aber seine Möglichkeiten. «Dazu brauche ich Unterstützung, sei es durch einen Verein, eine Stiftung oder eine andere Organisation», sagt er.
Sein Problem: Kaplan Augustine Asogwa ist erst seit sieben Monaten in Sarmenstorf tätig. Und in Zeiten von Corona ist es doppelt schwer, Kontakte zu knüpfen. Unterstützung erhält er aber von seiner Kirchgemeinde. «Wir versuchen alle, ihm bei seinen Plänen zu helfen», erklärt Pfarreisekretärin Katja Wissmann, die vom Projekt begeistert ist. Erste Spenden und Kollekten sind bereits eingegangen. «Ich bin froh um jede Hilfe», betont denn auch der Kaplan, der später in sein Heimatland zurückkehren und die Schule vor Ort leiten will. Rund 300 Kinder sollen dort später nicht nur eine schulische Bildung erhalten, sondern auch in verschiedenen handwerklichen Berufen ausgebildet werden. «Das Land braucht Menschen, die anpacken und bauen können», sagt Asogwa. Bisher sei die Ausbildung in seinem Land meist theoretischer Natur, es fehle der Praxisbezug. So kann es vorkommen, dass jemand Informatik studiert, ohne je an einem PC zu sitzen. Darum will er kein Gymnasium, sondern eine Berufsschule errichten.
Bistum unterstützt Projekt
Was den späteren Betrieb angeht, da macht sich der Pfarradministrator wenig Sorgen. Der geplante Standort liegt nur zehn Kilometer von der regionalen Universität entfernt, viele Studenten würden gerne als Lehrer aushelfen. Auch das Bistum steht dem Projekt sehr positiv gegenüber. Schon heute engagiere sich die katholische Kirche im christlich geprägten Süden des Landes stark in Sachen Bildung. Und obwohl er seit etlichen Jahren in Europa lebt, hat Asogwa seine Heimat nie vergessen. «Ich will dazu beitragen, dass die Kinder in meiner Heimat eine Zukunft haben», sagt er. Und hofft, dass ihn andere auf seinem Weg unterstützen.
Spendenkonto: Kath. Pfarramt Sarmenstorf. – CH76 8080 8007 5167 4310 6 (Projekt Nigeria «Schule in Nsukka). – Raiffeisenbank Sarmenstorf.



