Start in neues Zeitalter
12.02.2021 WohlenNeue Informatikstruktur für die Schule Wohlen
Schon vor den Schulschliessungen im letzten Frühling hat die Schule Wohlen beschlossen, in Sachen Informatik neue Wege zu gehen. Statt fixen Geräten in den Schulzimmern, die regelmässig gewartet und ersetzt werden ...
Neue Informatikstruktur für die Schule Wohlen
Schon vor den Schulschliessungen im letzten Frühling hat die Schule Wohlen beschlossen, in Sachen Informatik neue Wege zu gehen. Statt fixen Geräten in den Schulzimmern, die regelmässig gewartet und ersetzt werden müssen, sollen alle Schüler und Schülerinnen ihre eigenen Geräte erhalten. Jetzt, nach den Sportferien, kommen die ersten Kinder sowie alle Lehrer in den Genuss der ersten Tranche. --chh
Die Zukunft beginnt jetzt
Nach den Ferien erhalten alle Fünftklässler ihre eigenen Notebooks
Im Juni bewilligte das Wohler Parlament einen Kredit von 2,152 Millionen Franken für die neue ICT-Infrastruktur an der Schule. In den Sportferien sind die neuen Geräte eingetroffen und werden jetzt eingerichtet. Es geht dabei um viel mehr als ein Auswechseln der alten Geräte.
Chregi Hansen
Trotz Ferien herrscht im Bez-Schulhaus Hochbetrieb. Hier werden rund 500 neue Notebooks auf den Einsatz vorbereitet. Sie werden alle mit dem gleichen Betriebssystem und den gleichen Programmen ausgerüstet. «Lediglich die Geräte für die Lehrer haben noch ein paar Extras», erklärt Markus Fricker, Leiter IT der Schule Wohlen.
Eigentlich sollten die neuen Geräte schon früher zum Einsatz kommen. Aus verschiedenen Gründen kam es aber zu Lieferverzögerungen. «Das fängt bei einem Mangel an Prozessoren an und geht weiter bis zu den fehlenden Frachtmöglichkeiten», so Fricker weiter. Nun aber kann die erste Ladung der neuen Notebooks der Marke HP in Betrieb genommen werden. «Damit beginnt ein neues Zeitalter der Digitalisierung an der Schule Wohlen», freut sich Paul Huwiler, Gemeinderat und Ressortvorsteher.
Private Nutzung gegen einmaligen Beitrag
Mit dieser Anschaffung ändert die Gemeinde respektive die Schule ihre Informatikstrategie. Bisher wurden die vorhandenen Geräte nach einer bestimmten Zeitdauer allesamt ersetzt. Neu werden in einer rollenden Planung alle Fünftklässler mit neuen Notebooks ausgerüstet, die sie dann fünf Jahre lang im Unterricht nutzen. Die Geräte bleiben im Besitz der Schule, für einen einmaligen Beitrag von 150 Franken dürfen sie aber auch privat genutzt und nach dem Schulende behalten werden. «In anderen Schulen nutzen gegen 80 Prozent der Eltern diese Möglichkeit», weiss Markus Fricker aus Erfahrung. Und Huwiler ist überzeugt: Hat ein Kind sein eigenes Notebook, wird dem auch mehr Sorge getragen.
Rund 500 Geräte werden ab Montag in den Schulhäusern verteilt. Zum einen an alle Fünftklässler, zum anderen an alle Lehrpersonen ab einem Pensum von 40 Prozent. Die bisher eingesetzten Laptops, im Normalfall sechs Stück pro Schulzimmer, werden nicht etwa verschrottet, sondern werden an die Klassen der Oberstufen weitergereicht, sodass dort mehr als sechs Stück vorhanden sind. «Wir werfen sicher nichts weg, was noch gebraucht werden kann», versichert Fricker. Als Beispiel nennt er die alten Netzwerkdrucker aus dem Jahr 2008, die noch immer funktionieren. Selbst die ganz alten PCs werden einer Firma übergeben, welche diese komplett neu aufsetzt und dann einem wohltätigen Zeck zur Verfügung stellt, beispielsweise für Schulen in der dritten Welt.
Schulung für Lehrer erfolgt digital
Die Inbetriebnahme dieser ersten Ladung benötigte einiges an technischer Vorarbeit. So müssen auch die Klassenzimmer vorbereitet werden. In Zukunft kann von jedem Notebook aus der Drucker oder der Beamer erreicht werden, sodass ein Schüler seine Arbeiten der ganzen Klasse präsentieren kann. Zudem gibt es in den Zimmern Boxen, in denen die Geräte versorgt und aufgeladen werden. «Die Peripheriegeräte werden wir nach und nach ersetzen», erklärt Fricker. Dabei werde man auch prüfen, ob wirklich in jedem Zimmer ein Drucker stehen muss.
Doch nicht nur in Sachen Hardware wird vieles neu, auch die Weiterbildung erfolgt in einer modernen Form. «Früher haben wir die Lehrer zur einem Workshop eingeladen. Jetzt steht ein digitaler Klassenraum zur Verfügung, der verschiedene Workshops zu spezifischen Themen bereithält. Sie erklären beispielsweise auf anschauliche Art, wie die verschiedenen Geräte einfach vernetzt werden können. Zwei dieser Workshops sind obligatorisch, bei den anderen können die Lehrer wählen, was sie benötigen», erklärt Fricker. Denn das Vorwissen über die digitalen Möglichkeiten sei eben komplett unterschiedlich. Wer aber persönliche Hilfe benötigt, wird sie weiterhin erhalten, dafür stehen in den Schulhäusern sogenannte PICTS (Pädagogische IT-Verantwortliche) und TICTS (Technische IT-Verantwortliche) zur Verfügung. «Diese leisten eine wichtige Arbeit für die Schule, gerade auch jetzt in dieser Phase der Umstellung», betont Huwiler.
In fast allen Fächern einsetzbar
Das neue Konzept hat auch viel mit dem Lehrplan 21 zu tun, der in Sachen Digitalisierung ganz neue Anforderungen stellt. «Mit eigenen Laptops für unsere Schüler erfüllen wir die Anforderung bestens», so Fricker. So gibt es neu ein Fach «Medien und Informatik», in dem der Umgang mit solchen modernen Geräten gelernt wird. Zu diesem Wissen gehört auch, dass die Schüler und Schülerinnen ab der Oberstufe über Administratorenrechte verfügen und auch selber Programme installieren können. Die Sicherheit im schulinternen Netz werde dadurch nicht gefährdet, betont Fricker. Falls durch eine Installation ein Notebook Probleme macht, wird es eben in den Ursprungszustand zurückgestellt.
Doch nicht nur im neuen Fach kommen die neuen Notebooks zum Einsatz, in fast allen Fächern werden die digitalen Helfer vermehrt zum Einsatz kommen. «Es gibt auch immer mehr digitale Lehrmittel. In Zukunft werden wohl eher Lizenzen statt Schulbücher gekauft», schaut Fricker in der Zukunft. Und ja, die Coronakrise mit ihrem Lockdown und dem Fernunterricht wirke hier als Treiber. «Da haben wir gesehen, wie wichtig es ist, dass die Kinder zu Hause über eine genügend gute Ausrüstung verfügen», so der IT-Leiter.
Verzögerungen bei Tablets
Nicht nur für die oberen Klassen ändert sich einiges, auch die jüngeren Schüler und Schülerinnen werden in Zukunft digital arbeiten können. Die ersten und zweiten Klassen werden mit Tablets ausgestattet im Verhältnis 1:2, die 3. und 4. Klassen mit Notebooks im gleichen Verhältnis. Dabei handelt es sich aber nicht um persönliche Geräte. «Leider ergeben sich bei den Tablets Lieferverzögerungen», erklärt Fricker, «darum stehen diese noch nicht zur Verfügung. Ein Teil der Geräte steht zwar schon auf einer Palette bereit, «aber wir wollen alle gleichzeitig einrichten und verteilen».
Im ersten Jahr der Umstellung fallen für die Gemeinde grosse Kosten an. «Danach wird es aber günstiger, weil wir im Schnitt einfach für alle 5. Klassen neue Notebooks besorgen müssen», betont Huwiler. Er ist darum überzeugt, dass die Schule so bestens vorbereitet ist für die Zukunft. «Wir haben schon viele andere Schulen, die sich für unser Konzept interessieren und wissen wollen, was sie alles beachten müssen», bestätigt Fricker mit einem gewissen Stolz. Denn mit dem Kauf neuer Notebooks sei es nicht getan. «Was die Projektgruppe an Arbeit im Hintergrund erledigt hat, das kann man kaum erahnen. Dafür hat sie grossen Dank verdient», lobt Gemeinderat Huwiler die Verantwortlichen.



