Jedes Jahr ein wenig mehr
09.02.2021 WohlenIm neuen Finanzplan zeigen die Ausgaben weiterhin nur in eine Richtung: nach oben
Der letztjährige Finanzplan rechnete mit Investitionen in der Höhe von 145 Millionen Franken. Ein halbes Jahr später werden in der neuen Version Ausgaben in der Höhe von ...
Im neuen Finanzplan zeigen die Ausgaben weiterhin nur in eine Richtung: nach oben
Der letztjährige Finanzplan rechnete mit Investitionen in der Höhe von 145 Millionen Franken. Ein halbes Jahr später werden in der neuen Version Ausgaben in der Höhe von 150 Millionen Franken aufgelistet. Ein kurzer Blick auf die wichtigsten Veränderungen.
Chregi Hansen
Natürlich ist ein Finanzplan nicht das Gleiche wie ein Budget. Wer zehn Jahre in die Zukunft schaut, der muss viele Unbekannte einbeziehen. Und die angenommenen Zahlen können sich im Laufe der Zeit verändern. Und trotzdem erlaubt der Finanzplan einen Blick in die Zukunft. Und die sieht in Bezug auf Wohlens Finanzen alles andere als rosig aus.
Der Finanzplan 2021–2030 ging von einem Investitionsvolumen von 145 Millionen Franken aus. Das Papier wurde im letzten September präsentiert. Kein halbes Jahr später liegt bereits die nächste Version vor. Dies, weil der Gemeinderat den Zyklus ändert und den Finanzplan in Zukunft schon Anfang Jahr präsentieren will. Und in der neuen Version ist die Summe schon wieder gestiegen und liegt nun bereits bei 150 Millionen Franken. Doch woher kommen diese Mehrkosten, wenn doch für das neu dazugekommene Jahr 2031 nur mit Investitionen von 1,6 Millionen Franken gerechnet wird?
Darum tauchen wir tief ein in den Zahlensalat. Und vergleichen die prognostizierten Ausgaben der beiden Finanzpläne miteinander. Dass dabei ganz viele Faktoren ausser Acht gelassen werden, ist klar. Und trotzdem erscheint es interessant, wo denn die Mehrkosten herkommen.
Mehr Geld für den neuen Polizeiposten
Teurer wird offenbar der geplante neue Repolposten an der Wilstrasse. Letztes Jahr wurde für Umbauten und Anpassungen mit 3,42 Millionen Franken gerechnet. Ein halbes Jahr später sollen die Kosten bereits 4,1 Millionen Franken betragen. Das ist ein Plus von 20 Prozent. Etwas schwieriger ist der Vergleich beim neuen Schulzentrum Halde, da dieses Projekt in mehrere Bereiche unterteilt ist. So werden bei den Rückbauten 1,1 Millionen Franken weniger veranschlagt, dafür wird die Freiraumgestaltung plötzlich 600 000 Franken teuer – statt 2,8 soll dies nun 3,4 Millionen Franken kosten. Der Kostenpunkt Schulprovisorien sinkt zwar von 2,3 auf 1,5 Millionen Franken, dafür erscheinen neu provisorische Container am Oberdorfweg in der Höhe von 2,6 Millionen Franken im Finanzplan.
Zusätzlich zu den bereits früher vorgesehenen Sanierungsmassnahmen im Casino wurden jetzt noch eine neue Tribünenbestuhlung und eine neue Beleuchtung in den Finanzplan aufgenommen, sie schlagen mit zusätzlichen 340 000 Franken zu Buche. Eine neue Beleuchtung soll es auch für den Fussballplatz Niedermatten geben, hier sind 360 000 Franken vorgesehen. Eine Neuanschaffung ist für den Werkhof geplant, hier geht um den Ersatz einer Kehrmaschine in der Höhe von 250 000 Franken. Und für das Jahr 2024 ist eine Erweiterung der Urnen-Plattengräber auf dem Friedhof vorgesehen mit geschätzten Kosten von 900 000 Franken. Die meisten übrigen Posten entsprechen den Vorgaben des letzten Finanzplans.
2023 als «Horrorjahr»
Interessant ist auch die Entwicklung der prognostizierten Ausgaben, aufgeteilt in die verschiedenen Jahre. So rechnet der neue Finanzplan in den Jahren 2021 und 2022 mit leicht weniger Ausgaben als letztes Jahr angenommen. Mit Summen in der Höhe von 15,2 Millionen (2021) und 26,4 Millionen (2022) sind die Ausgaben aber weiterhin sehr hoch. Noch mehr Ausgaben warten im Jahr 2023 auf die Gemeinde, da sind 31,7 Millionen Franken an Investitionen geplant. Das sind 7 Millionen mehr, als noch vor einem halben Jahr aufgeführt sind.
Danach gehen die prognostizierten Investitionen wieder etwas zurück, von 22,6 Millionen (2024) und 17,7 Millionen (2025) auf 12,7 Millionen Franken (2026). In den folgenden Jahren sind da «nur» noch Investitionen von 6,25 Millionen, 4,45 Millionen, 5,28 Millionen und 6,35 Millionen Franken vorgesehen. Und für das Jahr 2031 sieht der Finanzplan gar nur Ausgaben von 1,6 Millionen Franken vor. Allerdings zeigt die Entwicklung der letzten Jahre (siehe Artikel unten), dass die Summen sich meist nur in eine Richtung bewegen. Nach oben.
Investitionsbedarf steigt rasant
Finanzpläne im Vergleich – ein Blick zurück
Der Vergleich zwischen dem aktuellen Finanzplan und dem Vorgänger ist das eine. Richtig spannend wird es, wenn man noch weiter zurückblättert.
Praktisch mit jeder Ausgabe des Finanzplanes steigt das Investitionsvolumen der Gemeinde Wohlen an. Die prognostizierten Ausgaben steigen kontinuierlich, ebenfalls die Belastungen und die Schulden. Und somit – fast schon logisch – der Steuerfuss, der derzeit bei 113 Prozent liegt, aber gemäss Gemeinderat über 115 auf 120 Prozent steigen soll.
Der Sprung von 100 auf 148 Millionen
Die stete Steigerung praktisch aller Zahlen ist zur Normalität geworden. Jedes Jahr werden ein paar Millionen Franken mehr draufgepackt. Als der ehemalige Finanzminister Markus Gsell, Gemeinderat von 2014 bis August 2015, den Finanzplan erstmals über zehn Jahre erstreckte, war die Reaktion recht heftig. Aus einem Grund: Gsell prognostizierte im Herbst 2014 ein Investitionsvolumen für die folgenden zehn Jahre von knapp 100 Millionen Franken. Ein Rekordwert. Die Parteien und das Volk schauten vor sechseinhalb Jahren erstaunt hin. Heute ist die dreistellige Millionenzahl irgendwie eine Selbstverständlichkeit geworden. Mittlerweile wird im neusten Finanzplan 2022–2031 ein gesamter Investitionsbedarf von 148 Millionen Franken ausgewiesen. Der Sprung von 100 auf 148 Millionen ist innert knapp sieben Jahren erfolgt. Eine Trendwende ist nicht in Sicht.
Ein Blick zurück drängt sich förmlich auf. Ein Vergleich ebenfalls. Im Finanzplan 2016–2025 wurden die anstehenden Investitionen mit 117,8 Millionen Franken beziffert, damals standen bereits sämtliche kommenden Grossprojekte (Badi, Eishalle, Bahnhof, Schulraum Halde und Junkholz) zur Diskussion. Heute werden im neuen Finanzplan knapp 30 Millionen Franken mehr an Investitionsbedarf ausgewiesen – obwohl ein Grossprojekt längstens abgeschlossen ist. Die Erneuerung der Badi und die neue Eishalle sind vor über zwei Jahren eingeweiht worden. Hier fehlt nur noch (oder immer noch) die Kreditabrechnung. Bleibt zu hoffen, dass es da keine negativen Überraschungen gibt.
Das Schulzentrum Halde als Beispiel
Gewiss, einiges hat sich verteuert. Ein Beispiel ist der Schulraum. Die Sanierung des Schulzentrums Halde mit Erweiterung der Bezirksschule inklusive neuer Zweifachturnhalle wurde im Finanzplan 2016–2025 mit total 41 Millionen ausgewiesen. Nun weiss man: Das Projekt Schulzentrum Halde (56 Millionen, plus 3 Millionen für Projektierung) und die neue Dreifachsporthalle Hofmatten (16 Millionen) werden total 75 Millionen Franken kosten.
Schuldenentwicklung ist alarmierend
Immerhin, die Finanzpläne weisen eine Konstanz auf: Sie werden regelmässig vom Einwohnerrat zur Kenntnis genommen. Und ganz selten kritisiert. Kritisch sieht es jedoch bei der Schuldenentwicklung der Gemeinde Wohlen aus. Im Jahr 2016 lag die Nettoschuld bei tiefen 19,7 Millionen Franken. Und die Prognose im Finanzplan 2016–2025 war auch nicht dermassen dramatisch, der Spitzenwert wurde fürs Jahr 2022 erwartet mit 54,5 Millionen Franken.
Und was sagt der neue Finanzplan aus? Spitzenverschuldung im Jahr 2026 mit 133,3 Millionen Franken. Dies ergibt eine Differenz von 78,8 Millionen Franken – obwohl die Prognosen nur knapp sechs Jahre auseinanderliegen und am Willen, die Grossprojekte zur realisieren, hat sich in dieser Zeit nichts verändert.
Der grosse Unterschied der prognostizierten Spitzenwerte der Nettoschulden zeigt sich auch bei den Schulden pro Einwohner: Diese schwanken zwischen 3205 und 7495 Franken. Im Finanzplan 2016–2025 wurde dieser Spitzenwert (3205) fürs Jahr 2022 erwartet, im neuen Finanzplan wird die höchste Verschuldung pro Einwohner (7495) fürs Jahr 2026 prognostiziert. Vor allem die Schuldenentwicklung als solche wie auch die weit auseinanderliegenden Prognosen sind alarmierend. Und sollten zumindest den Polit-Vertretern zu denken geben. --dm



