Natur etwas zurückgeben
18.12.2020 DottikonDer diesjährige Bünztalpreis geht an das Dottiker Bauunternehmen Karl Gisi
Zum 40. Geburtstag hat die Firma 40 Nistkästen entlang der Bünz aufgehängt. Doch das Engagement für die Umwelt geht noch viel weiter.
Chregi ...
Der diesjährige Bünztalpreis geht an das Dottiker Bauunternehmen Karl Gisi
Zum 40. Geburtstag hat die Firma 40 Nistkästen entlang der Bünz aufgehängt. Doch das Engagement für die Umwelt geht noch viel weiter.
Chregi Hansen
«Wir sind uns bewusst, dass wir in einer Branche tätig sind, welche der Umwelt auch Schaden zufügt», erklärt Timo Gisi, der den Betrieb von seinem Vater Karl übernommen hat. Umso mehr sieht er sich gefordert, auch etwas für die Umwelt zu tun. «Dass die Aktion auch noch so gut ankommt, freut uns besonders», sagt er anlässlich der Übergabe des diesjährigen Bünztalpreises.
Diese Auszeichnung vergibt die Arbeitsgruppe Landschaft und Umwelt der Repla Unteres Bünztal seit 1985 in unregelmässigen Abständen. In diesem Jahr geht der Preis an die Karl Gisi AG in Dottikon. Diese hatte 2018 aus Anlass des Firmenjubiläums 40 Nistkästen an der Bünz aufgestellt. «Häuser bauen ist unsere Spezialität, jetzt haben wir eben Häuser für Vögel gebaut», lacht der Firmeninhaber. Doch damit nicht genug, der Chef persönlich übernimmt zusammen mit dem Natur- und Vogelschutzverein Dottikon auch die jährliche Kontrolle und die Reinigung. «Es ist schön, zu erleben, dass die Kästen so intensiv genutzt werden», freut er sich. Schon im zweiten Jahr waren alle Kästen tatsächlich belegt, und in 90 Prozent wurde auch gebrütet.
«Das Engagement der Firma geht weit über diese Nistkästen hinaus», betont Landschaftsarchitekt Felix Naef. Auf dem ganzen Firmengelände wurden Lebensräume für Tiere und Pflanzen geschaffen. Neben dem Magazin wachsen Obstbäume. Und den Mitarbeitern werden gratis E-Bikes zur Verfügung gestellt, damit es weniger Parkplätze und damit weniger verbaute Flächen braucht. «Das ist vorbildlich», so Naef.
Hausbau ist seine Spezialität
Das Bauunternehmen Karl Gisi AG erhält den Bünztalpreis
Was tut eine Baufirma, die ihren 40. Geburtstag feiern kann? Sie macht das, was sie am besten kann: Häuser bauen. Für einmal aber nicht für Menschen, sondern für Vögel. Dank der Karl Gisi AG finden viele Tiere in Dottikon entlang der Bünz neue Nistmöglichkeiten.
Chregi Hansen
«Wir wollten ein Zeichen setzen», sagt Timo Gisi, der Sohn von Firmengründer Karl Gisi und heutiger Geschäftsführer. Ein Zeichen für die Natur. Und darum spendete man aus Anlass des Jubiläums für jedes Firmenjahr einen Nistkasten. 40 an der Zahl. An der Jubiläumsfeier lud das Bauunternehmen dann zu einem Spaziergang entlang der Bünz und zu seinen neusten Häusern. Die Aktion kam bestens an.
Das war 2018. Doch der Anlass ist noch immer in bester Erinnerung. Und für die Arbeitsgruppe Landschaft und Umwelt der Repla Grund genug, der Karl Gisi AG den diesjährigen Bünztalpreis zu verleihen. Für Roland Polentarutti, den Präsidenten der Arbeitsgruppe, sozusagen ein Heimspiel, ist er doch Gemeindeammann von Dottikon. «2006 ging der Preis schon einmal zu uns, damals für die Renaturierung der Bünz», erinnerte er an der Preisübergabe. Jetzt werde ein weiteres Projekt entlang des Flusses ausgezeichnet. «Die Repla trägt nicht umsonst den Namen Unteres Bünztal. Die Bünz ist eben ein wichtiger Lebensraum», sagt Polentarutti.
Über Erfolg verwundert
Er lobt das Bauunternehmen für sein Projekt. «Andere Firmen hätten einfach ein grosses Jubiläumsfest gemacht, ihr habt etwas Bleibendes erschaffen», so der Präsident. Und: Das Unternehmen hat nicht einfach die Nistkästen gespendet, sondern kümmert sich auch weiter darum. Der Chef persönlich übernimmt zusammen mit seinen Kindern die jährliche Kontrolle und Reinigung. Polentarutti spricht von einem «superguten und nachhaltigen Projekt», welches die diesjährige Auszeichnung mehr als verdient hat. «Wir hatten Angst, dass die Umstände die Übergabe nicht mehr möglich machen, umso glücklicher sind wir, dass es noch klappt.»
Geschäftsführer Timo Gisi ist überrascht und erfreut zugleich. «Wir hätten nie gedacht, dass die Aktion so gut ankommt», gibt er zu. Dabei habe ihm lange niemand sagen können, ob es Sinn macht, Nistkästen an der Bünz aufzustellen. Die meisten hängen bekanntlich in den Wäldern. Die jährliche Zählung zeigt aber, dass sie auf Anklang stossen. «Sie werden von den Vögeln rege genutzt», kann Gisi berichten. Er freut sich, dass er so etwas für die Natur tun kann. Auch auf seinem Firmengelände hat er mehrere Nistkästen montiert. «Das ganze Firmengelände ist wertvoller Lebensraum für die Natur», lobt denn auch Landschaftsarchitekt Felix Naef. «Es braucht nur wenig, um der Natur etwas Gutes zu tun», gibt sich der Gelobte bescheiden.
Gute Zusammenarbeit
Unterstützung bei der Reinigung erhält Timo Gisi vom Natur- und Vogelschutzverein Dottikon. Dieser kümmert sich selber um über 200 Nistkästen im Wald. «Wir stellen fest, dass diese weniger gefragt sind. Es scheint, dass die Tiere im Wald wieder vermehrt natürliche Nistmöglichkeiten finden», berichtet Präsident Marin Furter. Umso wertvoller sei nun das Engagement an der Bünz. «Wir waren anfangs skeptisch, ob es etwas bringt», gibt Furter zu. Umso dankbarer sei man heute der Firma Gisi, denn die Vogelhäuser finden bei den Tieren grossen Anklang.
Nächstes Ziel: Weiher aufwerten
Aber auch Furter hat an diesem Tag Grund zur Freude. Denn für Timo Gisi ist es nur logisch, dass er die Preissumme von 4000 Franken nicht für sich behält, sondern sie an den Natur- und Vogelschutzverein weiterreicht. «Das Geld soll wieder der Natur zugute kommen. Und der Verein weiss am besten wofür», erklärt der Bauunternehmer. Furter hat auch erste Ideen. Der Verein würde gerne den Weiher zwischen Dottikon und Anglikon aufwerten. «Dafür reichen 4000 Franken nicht. Aber wir von der Repla können mithelfen, den Betrag zu vervielfachen», verspricht Planer Felix Naef.
«Verdienter Preisträger»
Freude herrscht auch beim Präsidenten der Repla Unteres Bünztal, bei Arsène Perroud. Er spricht von einem verdienten Preisträger. «Ich kenne die Familie Gisi persönlich und weiss um ihr grosses Engagement», berichtete Perroud. Für Timo Gisi ist das aber eine Selbstverständlichkeit. Und er erzählt eine Anekdote dazu. Kürzlich habe man in Hendschiken ein Mehrfamilienhaus gebaut und sich entschieden, eine Photovoltaikanlage auf dem Dach zu erstellen. «Alle haben mir abgeraten, die Mehrkosten würden wir nie reinholen», erzählt er. Er hat daran festgehalten. Und kann nun berichten, dass er diese Mehrkosten in 10 Jahren wieder aufgefangen hat. «Wir Bauunternehmer zerstören durch unsere Arbeit einen Teil der Umwelt. Das können wir nicht ändern, das ist unser Job. Umso wichtiger ist es, dass wir ihr auch etwas zurückgeben», sagt er. Und genau daran will er sich auch in Zukunft halten.



