Harter Winter für die Bar-Szene
27.10.2020 WohlenDie Massnahmen wegen des Coronavirus bereiten den Wohler Bars Sorgen
Ob Zanzibar, Picadilly Pub oder Flora: Die Bars und Pubs in Wohlen müssen sich auf eine schwierige Zeit einstellen. Diese Zeitung hat mit den Bar-Inhabern gesprochen.
Stefan ...
Die Massnahmen wegen des Coronavirus bereiten den Wohler Bars Sorgen
Ob Zanzibar, Picadilly Pub oder Flora: Die Bars und Pubs in Wohlen müssen sich auf eine schwierige Zeit einstellen. Diese Zeitung hat mit den Bar-Inhabern gesprochen.
Stefan Sprenger
Die Massnahmen rund um das Coronavirus und die steigenden Fallzahlen sorgen dafür, dass die Gäste in den Lokalen ausbleiben. «Am letzten Freitag war nichts los», so Adriano Iannone von der Zanzibar. Das Gleiche sagt Angela Grolla von der Flora. Die Inhaber der drei Bars in Wohlen blicken in eine schwierige Zukunft.
Eine Sperrstunde wäre fatal. «Dies schwebt wie ein Damoklesschwert über den Gastronomiebetrieben», sagt Iannone. Der 48-Jährige eröffnete 2006 die Zanzibar. Er sagt: «Es gab schlechtere Jahre als 2020. Auch, weil die Menschen nach dem schwierigen Frühling Lust hatten, rauszugehen. Die Menschen hatten Nachholbedarf.» So lief es den Sommer über ganz gut – auch dank der grossen Terrasse. Zuletzt konnte die Zanzibar gar ihr bekanntes Oktoberfest durchführen. «Damit sind wir sehr zufrieden», so Iannone.
Einer eröffnet gar eine Bar in dieser Zeit
Aktuell sieht die Situation aber wieder anders aus. Die verschärften Massnahmen, die Maskenpflicht und die steigenden Fallzahlen sorgen für Flaute in den Bars. «Das ist wohl eine längerfristige Angelegenheit», sagt Iannone mit Sorgenfalten. Auch in der Flora und im Picadilly Pub ist die Ungewissheit spürbar.
Jedoch gibt es auch Nachrichten, die mitten in der Coronapandemie Hoffnung machen. So will Marco «Skorpy» Lupp am Gewerbering in Wohlen eine Oldies- und Rockbar eröffnen. Und dies nächsten Januar.
Kalte Zeit, schwierige Zeit
Wie geht es den Wohler Bars mit den verschärften Massnahmen?
Maskenpflicht für nicht sitzende Personen, maximal 50 Menschen, der Kanton Aargau verschärfte die Massnahmen für Bars und Clubs und geht damit weiter als der Bund. Die Wohler Barbesitzer stehen vor einer ungewissen Zukunft.
Stefan Sprenger
Das Virus kam, als Angela Grolla die Flora in Wohlen übernahm. Die 33-Jährige aus Villmergen pachtete die Kult-Beiz von Max Steinmann. Am 1. März 2020 öffnete sie die Türen. «Es war ein Traum von mir, einmal eine eigene Bar zu führen», erzählt die erfahrene Frau, die in vielen Bars der Region ein bekanntes Gesicht ist. Sie arbeitete beispielsweise in der «Ochsen»-Bar in Villmergen, im «Hardys» in Bremgarten oder in der «Grotte»-Bar in Boswil. Am 1. März eröffnete sie – und schloss wegen des Coronavirus sogleich wieder.
In den Folgemonaten stiess sie auf viel Solidarität. Angela Grolla suchte Alternativen, verkaufte beispielsweise jeden Freitagabend Hamburger via Take-away. «Die Unterstützung der Leute war unglaublich.»
30 Menschen seit dem 11. Mai in einer Bar angesteckt
Als die Fallzahlen sanken und der Sommer kam, musste sie sogar zwei Frauen im Service anstellen. «Viele Vereine kamen, die Gartenwirtschaft lief bei den warmen Temperaturen gut und es gab sogar Konzerte in kleinem Rahmen und mit Schutzkonzept», erzählt sie. Stammkunden aus früheren Zeiten kamen wieder öfter. Jung und Alt traf sich in der «Flora»-Bar: Der Eishockeyclub, die Feuerwehr, die Göttigesellschaft, der Damenturnverein. «Es läuft den Umständen entsprechend gut», meint Grolla.
Aber die neuen Massnahmen und die steigenden Fallzahlen sorgen dafür, dass wieder weniger Menschen kommen. Das spürte man am vergangenen Wochenende. Es scheint, als ob die Menschen grossen Respekt, teilweise auch Angst vor dem Virus haben. Allerdings haben sich seit dem Start mit dem Contact Tracing am 11. Mai gerade mal 30 Menschen nachweislich in einem Club oder in einer Bar mit dem Coronavirus infiziert.
Adriano Iannone, Inhaber der Zanzibar, hatte bislang keinen Coronafall in seinem Lokal. Und das, obwohl es ein guter Sommer war. Als die Zanzibar im Jahr 2006 eröffnete, erlebte man die «fetten Jahre». «Das Niveau am Anfang war sehr hoch. Danach hat es ein wenig abgegeben», so Iannone. Das Jahr 2020 aber sei nicht das schlechteste der «Zanzi»-Historie. «Die Menschen hatten nach dem Lockdown im Frühling Nachholbedarf», sagt der 48-Jährige. Und: Viele gingen nicht mehr in grössere Städte in den Ausgang, sondern blieben in Wohlen.
«Zanzibar ist nicht in Gefahr»
Die verschärften Massnahmen und die drohende Sperrstunde – die im Raum steht – wäre für Iannone «ein versteckter Lockdown». Eine Sperrstunde ab 22 Uhr wäre wohl für viele Unternehmen in der Gastrobranche verheerend. Iannone meint aber: «Die Zanzibar ist nicht in Gefahr. Aber wenn es so weitergeht, dann werden wohl noch einige Betriebe verschwinden – leider.» Den Bars steht ein harter Winter bevor. Falls es die Sperrstunde gibt, wird es besonders an den Wochenenden deftige Einbussen geben. Iannone nimmt es mit Galgenhumor: «Falls man um 22 Uhr schliessen muss, dann müsste der Apéro jeweils sehr gut laufen.» Er hofft, dass baldmöglichst Normalität zurückkehren kann. Und wer weiss: «Vielleicht gibt es in der Zanzibar eine Fasnacht in Wohlen – einfach in viel kleinerem Rahmen», so Iannone.
Dass Theres Aeppli ihr «Pic» eröffnet hat, ist bald 28 Jahre her. Die Chefin des «Piccadilly Pub» an der Bünzstrasse ist die «Grande Dame» der Wohler Barszene. Sie meint, dass Corona nicht durchwegs weniger Umsatz generiert hat. «Die Situation wurde durch das Coronavirus noch unkonstanter», so die 60-Jährige. Den Mehraufwand – beispielsweise durch das viele Desinfizieren – und das Arbeiten mit Maske beschreibt sie als «mühsam». Aber es sei für alle gleich schwierig. «Wir müssen einfach alle Sorge tragen zueinander und die Regeln einhalten», so Aeppli. Bei ihr im «Pic» heisst das – wie in allen Bars: Wer am Tisch sitzt, darf die Maske abziehen, wer sich bewegt, muss die Maske aufsetzen. Die meisten Besucher halten sich daran, aber nicht alle. Dann muss Theres Aeppli intervenieren. «Dann fühle ich mich wie ein Polizist, obwohl ich nie Polizist werden wollte.» Über diesen Spruch kann die erfahrene «Pic»- Chefin sogar ein wenig lachen.
Und einer eröffnet eine Bar
In diesen schweren Zeiten gibt es sogar Menschen, die eine Bar eröffnen. Der Wohler Marco Lupp will am Gewerbering 26 eine Oldies- und Rock-Bar aufmachen. Auf 182 m? soll ein Begegnungsort für Freunde von guter Rockmusik entstehen. «Wir wollen in Wohlen etwas bewegen», meint Lupp. Am Mittwoch, Freitag und Samstag soll die Bar jeweils offen sein. Betrieben wird sie durch den «Old Headbangers Club» Wohlen, für den es auch gleich das neue «Hauptquartier» ist. Der Verein wurde am 1. August 2019 von Marco Lupp (DJ Skorpy) und Franco Castellano (DJ Fresh) in Wohlen gegründet. Die beiden sind seit Jahrzehnten in der Region als DJs unterwegs – und auch sonst ziemlich bekannte Typen. Das Lokal, in dem vorher ein türkischer Kulturverein zu Hause war, wird jetzt umgebaut und neu eingerichtet. Es verfügt bereits über ein Fumoir. «Es soll eine Bar werden mit coolem Konzept, guter Rockmusik, Töggelikasten, Flipperautomat – und einmal im Monat soll ein Konzert stattfinden», so der 54-jährige Lupp. Es soll eine Bar sein, die selbsttragend ist.
Die Eröffnung ist voraussichtlich im Januar. Corona wird dann mit grosser Wahrscheinlichkeit nach wie vor unseren Alltag und unsere Ausgangsgewohnheiten beherrschen. Und die Menschen werden wohl kaum die Türen einrennen bei der neuen Oldies- und Rock-Bar. Pächter Marco Lupp ist sich dessen bewusst. «Natürlich ist in schweren Zeiten wie diesen ein Neuanfang nicht leicht und auch mit Risiken verbunden. Da wir ja die Bar durch den Headbanger Club betreiben, sehen wir das Risiko etwas kleiner als jemand, der das als Haupterwerb tätigt.»
Der Drang der Menschen, in den Ausgang zu gehen, Freunde zu treffen, Musik zu hören, ein Bier zu trinken, er ist nach wie vor da. Angela Grolla von der «Flora» will deshalb im November ein Konzert veranstalten. Nur 50 Personen bei steter Maskenpflicht. «Der Respekt vor Corona ist da, die Regeln werden akzeptiert. Aber es wäre trotzdem schön, dass man unter Einhaltung der Vorschriften und mit einem guten Schutzkonzept einen schönen Abend haben kann», meint die Flora-Chefin. «Das ist wichtig für Psyche und Seele.»





